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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 08:14 Uhr

„Da müssen wir jetzt durch“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wie bereiten sich die Kaufleute der Peterstraße auf die kommende Stadtsanierung vor ihrer Tür vor? Eine Umfrage

Sie kaufen, die Kunden Eutins – ob Geschenke für die Lieben, Schuhe für sich selbst oder Tee für die Adventsfeier. Das Weihnachtsgeschäft läuft auf Hochtouren. Doch dort, wo jetzt in der Peterstraße „nur“ der Info-Container der Stadtsanierung Zeichen geplanter Modernisierung ist, kann ab Mai schon der Bagger stehen. Das wissen die Händler. Der Ostholsteiner Anzeiger hat sich umgehört, inwieweit die Stadtsanierung gerade bei Kaufleuten in der Peterstraße Einfluss auf den Einkauf für die nächste Saison hat. Wie gehen die Händler mit der kommenden Sanierung vor ihrer Tür um?

„Die neuen Schuhe für Frühjahr und Sommer haben wir bereits im August geordert und das mit Fingerspitzengefühl“, sagt Susann Aldrup vom gleichnamigen Schuhgeschäft. „Würden wir jetzt schon davon ausgehen, dass die Sanierung uns so sehr beeinträchtigt, dass wir unseren Einkauf runterschrauben müssten, dann könnten wir abschließen.“ Die Sanierung sei „auf jeden Fall“ richtig und wichtig, so Aldrup. „Das etwas passieren muss, ist klar“, sagt sie, „aber mit offenen Augen und das, was wirklich wichtig ist, wie die Barrierefreiheit. Den Marktplatz abzusenken, halte ich dagegen für Quatsch.“

Auch Christian Roth von „Jack Wolfskin“ hat die Ware für den nächsten Sommer längst geordert. „Wir sind jetzt dabei, für den nächsten Herbst zu bestellen und damit müssen wir in den nächsten zwei Wochen fertig sein. Deshalb ist es schade, dass das Info-Treffen, wie und wo die Arbeiten beginnen, erst im Januar stattfindet“, so Roth. Es sei schwierig, abzuschätzen, inwieweit die Sanierung tatsächlich das Geschäft beeinflusse. Roth: „Aber wenn die prognostizierten Einbußen von 30 Prozent tatsächlich eintreffen, muss man sich ja schon überlegen, ob man man zwei Jahre arbeitet, ohne Geld zu verdienen.“ Von möglichen Untergangsszenarien hält Henning Klotz von der Teeschmiede wenig. „Es gibt Ängste und Sorgen, aber ich verstehe nicht, was diese Untergangsszenarien sollen. Das verbreitet nur negative Stimmung. Damit erzeugt man keinen Druck auf die Verwaltung, nun schneller oder besser zu bauen“, so Klotz. Die Vergangenheit habe doch gezeigt, dass so falsch eine Aussage auch sein mag, sie sich in den Köpfen der Menschen festsetze. „Immer wieder vom Sterben der Innenstadt zu sprechen, hilft und in der Öffentlichkeit nicht.“ Klotz versucht, wie andere Kaufleute auch „das Beste daraus zu machen“. Anders als bei Mode müsse er nicht Monate im Voraus bestellen, sondern habe kürzere Lieferzeiten. „Und Porzellan wird nicht schlecht. Was ich nicht verkaufe, muss ich nicht bestellen“, sagt er pragmatisch.

Jan Hoffmann freut sich auf das Ergebnis nach der Bauzeit: „Wenn ich sehe, wie die obere Peterstraße geworden ist, hätte ich das auch gern hier, am Markt und in der Königstraße.“ Als Buchhändler sei er ohnehin ein eher zögerlicher Disponierer, da die Ware in der Regel kurzfristig verfügbar sei. Für etwas hat er sich mit Blick auf die kommende Sanierung dennoch entschieden: „Zwei Teilzeitkräfte hören zum Jahresende auf und wir wollen die Stellen erstmal nicht besetzen und schauen, wie wir damit zurecht kommen.“

Auch Volker Rätzke hat kürzere Lieferzeiten, sorgt sich aber eher um die Erreichbarkeit seines Geschäftes für den Lieferverkehr. „Ansonsten werden wir im nächsten Jahr einfach mehr Tastings außerhalb veranstalten, sagt der Anbieter spezieller Spirituosen. Er versuche das so kreativ zu lösen, wie es geht. „Vielleicht müssen wir uns als Straße auch noch überlegen, was wir daraus machen können – gemeinsam.“

Um gemeinsames Planen und Informieren geht es auch bei den zweiwöchentlichen Treffen von Stadt, Planern und den beiden Baustellenmanagern der WVE, Thomas Menke und Hans-Wilhelm Hagen. „Das erste Treffen am Mittwoch war sehr gut, sehr konstruktiv. Wir reden fachlich miteinander über beispielsweise die Erreichbarkeit von Geschäften“, sagt Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt auf Nachfrage.

„Wie wir uns auf die Maßnahmen einrichten, kann man jetzt noch nicht sagen. Wann etwas wo anfängt, wird derzeit ja noch geplant“, sagt LMK-Geschäftsführer Andreas Booke. Die Bestellungen bis Sommer seien zwar weitgehend durch, doch durch zahlreiche Partner könne LMK flexibel reagieren. Booke: „Wir dürfen das nicht zu schlecht sehen. Wir müssen in ständigem Dialog bleiben, um zu wissen, was auf uns zu kommt, deshalb ist das Baustellenmanagement so wichtig.“ Dann muss unter dem neuen WVE-Vorstand nur noch die Kommunikation innerhalb der Kaufmannschaft wieder ins Rollen kommen, damit alle erfahren, was am Tisch besprochen wurde.

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erstellt am 10.Dez.2016 | 00:40 Uhr

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