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Ostholsteiner Anzeiger

16. August 2017 | 19:35 Uhr

Currywurst und andere Wünsche

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schon im Kindergarten soll der Nachwuchs Mitbestimmung lernen / Die ersten acht Häuser erhielten die Auszeichnung als Demokratie-Kita

Können Dreijährige, Vierjährige, Fünfjährige Demokratie lernen? Kann der junge Nachwuchs fair diskutieren und seine Wünsche benennen? Die Antwort (nicht nur) von Michael Selck, Landesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo), ist ein klares Ja. In einem bundesweiten Pilotprojekt wurde in den Kindergärten im Norden die „Partizipation“ geübt und gelebt. Gestern durften die ersten acht „Demokratie-Kitas“ ihre Zertifikate in Empfang nehmen.

Jill Kiekbusch (31), Erzieherin in der Kita Rappelkiste in Bovenau (Kreis Rendsburg-Eckernförde), verfolgt das Projekt mit ihrer Kollegin Stephanie Delfs seit Jahren. Die 63 Mädchen und Jungen, die in der Rappelkiste in vier Gruppen Betreuung erhalten, dürfen beispielsweise darüber abstimmen, was es zu Mittag geben soll. Es zeigte sich schnell: Die Kinder verlangten – ganz anders, als Kritiker erwartet haben – keinesfalls ständig nach Nutella und Currywurst und Pommes. Auch sie zeigen Verständnis für gesundes Essen, für die Verwendung regionaler Produkte und sogar – zumindest bei den etwas älteren Hortkindern – für die Finanzen.

Aber das Essen gehört ebenso wie die Ausstattung des Spielzimmers, die Farbe der Wandtapete oder die Organisation des Sommerfestes zu den Angelegenheiten, bei denen sie mitreden dürfen. Und auch sollen. Das garantiert die eigene Kita-Verfassung mit ihren 20 Punkten. „Demokratie muss man lernen“, sagt Selck. „Das geschieht im eigenen Umfeld oder über Vorbilder.“ Für den Awo-Chef ist es erstaunlich, dass nach 70 Jahren Frieden und Wohlstand auf deutschem Boden demokratiefeindliche Kräfte Zulauf erhalten. Dem müsse man vorbeugen. Und je eher man damit anfange, umso besser. „Demokratie in der Kinderstube“ nennt er das Projekt, in dem er die gute Grundlage für die spätere Immunisierung der Menschen gegen populistische Parolen sieht.

„Demokratie lebt vom Mitmachen, vom Einmischen“, betonte auch Sozialministerin Kristin Alheit gestern in ihrer Begrüßungsrede. Ihre Staatssekretärin Annette Langner händigte später die Zertifikate aus. Schmücken mit der Auszeichnung als „Demokratie-Kita“ dürfen sich ab sofort neben der Rappelkiste in Bovenau auch die Kinderinsel in Eutin, das Zwergenland in Neumünster, die Kita Kurt Pohle in Husum, die Einrichtung Lotte Lemke in Halstenbek, das Doll-Einstein-Haus in Pinneberg, das „Hus Sünnschien“ in Uetersen (alle Kreis Pinneberg) sowie die Kita Lütte Lüüd in Wentorf (Lauenburg). „Wir brauchen Kinder, die wissen, was Demokratie ist“, gab die Staatssekretärin Erziehern, Kindern und Eltern mit auf den Weg: „Wir brauchen starke Kinder.“  

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