Erfindung gegen Legionellen : „Cobobes“-Mitarbeiter Klaus-Dieter Will hat ein neues Trinkwassersystem entwickelt

Seine Chefs Stefan und Sebastian Dose (Mitte) sind angetan vom Erfindergeist ihres Mitarbeiters Klaus-Dieter Will, der hier auf das Herzstück seines „Bizentralen Trinkwassersystems“, den vergrößerten WC-Spülkasten, deutet.
Seine Chefs Stefan und Sebastian Dose (Mitte) sind angetan vom Erfindergeist ihres Mitarbeiters Klaus-Dieter Will, der hier auf das Herzstück seines „Bizentralen Trinkwassersystems“, den vergrößerten WC-Spülkasten, deutet.

Der Sagauer hält ein Patent für eine Trinkwasserversorgung, die Energie sparen und Verkeimung verhindern soll.

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27. August 2020, 16:57 Uhr

Eutin | Klaus-Dieter Will ist nicht nur Heizungsbau- und Sanitärinstallationsmeister. Der 59-Jährige aus Sagau ist auch Erfinder. Wenn bei seiner Arbeit ein grundsätzliches technisches Problem auftaucht, wartet er nicht, bis die Industrie vielleicht irgendwann eine Lösung anbietet. Der Mann wird selbst aktiv. Wills jüngste Idee hat seinen Arbeitgeber, den Eutiner Installationsbetrieb Cobobes, so sehr begeistert, dass Geschäftsführer Stefan Dose zwei Industrieunternehmen der Branche und die Presse zu einem Präsentationstermin einlud.

„Bizentrales Trinkwassersystem“

„Bizentrales Trinkwassersystem“ lautet der Titel der Erfindung, für die Will ein Patent in der Tasche hat. Das System für die Trinkwasserversorgung in kleinen und besonders großen Wohnhäusern soll gleich mehrere Vorteile bieten. Der wohl wichtigste ist ein hygienischer: Je mehr Wohnungen in einem Gebäude zentral mit Warmwasser versorgt werden, desto größer ist die Gefahr von Legionellen im Trinkwasser.

Ich bekomme die Legionellen ab 50 Wohnungen nicht mehr in den Griff. Klaus-Dieter Will, Installateur, Heinzungsbauer und Erfinder
 

Die Krankheitserreger vermehren sich explosionsartig bei Wassertemperaturen zwischen 30 und 45 Grad, erst ab 55 Grad hört die Vermehrung auf. „Ich bekomme die Legionellen ab 50 Wohnungen nicht mehr in den Griff“, weiß Will, der seit 33 Jahren bei Cobobes arbeitet. Seine Firma betreue ein Objekt mit 70 Wohnungen, dort sei das Problem nur mit massivem Wassereinsatz zu lösen. „Wir spülen da im Jahr 4000 Kubikmeter durch.“

Kernstück: Vergrößerter Spülkasten

Kernstück von Wills Erfindung ist ein vergrößerter WC-Spülkasten. Dreht nun ein Bewohner den Warmwasserhahn auf, fließt das kalte Wasser, das in der Warmwasserleitung steht, zunächst in den Spülkasten. Dort werde es zwischengespeichert und diene später zur WC-Spülung. Es gehe also kein Wasser verloren und die Wasserleitung werde häufig durchgespült, so dass sie nicht so schnell verkeime.

Zugleich erhalte jede Wohnung eines Gebäudes eine handelsübliche Frischwasserstation. Darin ist ein Wärmetauscher verbaut, der das Wasser erst bei Bedarf aufheizt. Damit trage das System zur Energieeinsparung bei und reduziere sowohl die Heizkosten als auch die Umweltbelastung, erklärt Will.

Energiefresser Zirkulation

Eine sogenannte Zirkulation, die dafür sorgt, dass am Wasserhahn immer sofort heißes Wasser zur Verfügung steht, entfällt. Diese sei ein Energiefresser: „Da wird ein riesiger Wasservorrat durch die Gegend geschoben, ohne dass er gebraucht wird“, sagt Will.

Einen Nachteil hat die Erfindung: Warmes Wasser müsse zunächst angefordert werden, das könne vielleicht 60 Sekunden dauern, erklärt Will. Doch dieses Problem hält er für lösbar. Die Anforderung könne über einen Taster oder per Smartphone geschehen, oder das System stelle automatisch zu einer bestimmten Zeit heißes Wasser bereit.

Skepsis und Begeisterung

Ob die Industrie an Wills Erfindung Interesse hat, muss sich noch zeigen. Peter Reichert, Leiter des Produktmanagements beim Sanitärhersteller Geberit, verwies auf rechtliche Hürden: „Sie müssen den Nachweis bringen, dass ihre Lösung den hygienischen Anforderungen entspricht“, erklärt er. Sehr angetan zeigte sich unterdessen Christian Filter, Niederlassungsleiter beim Heizungsbauer Buderus: „Es ist schon etwas Besonderes, dass wir hier in der Region ein Unternehmen haben, das sich solchen Problemen beschäftigt“, sagt er.

Von der „Agentur für Sprunginnovation“ des Bundesforschungsministeriums hat Will zwar eine Absage bekommen. Doch hat er von dort die Empfehlung erhalten, sich mit seinem Projektvorschlag an die Förderberatung „Forschung und Entwicklung“ des Bundes zu wenden.

Weiteres Patent

Das „Bizentrale Wassersystem“ ist nicht das einzige Eisen, das Will im Feuer hat. Der Tüftler, der Mitglied im Erfinderclub Schleswig-Holstein ist, hält auch ein Patent für eine andere Entwicklung: ein Ausdehnungsgefäß für Wärmespeicher mit integrierter Glasscheibe. Damit lasse sich ganz einfach per Lasermessgerät prüfen, ob die eingebaute Membran noch in Ordnung sei, demonstrierte Will. Monteuren könnten so mehrere Stunden Arbeit erspart werden.

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