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Protest von Tierrechtlern wegen Tierquälerei : Circus Krone in Eutin: „Beschimpft, beleidigt und diskriminiert“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Tierrechtler kämpfen leidenschaftlich für ein Wildtierverbot in Zirkusunternehmen. Zirkusmitarbeiter und Befürworter erleben handfeste Drohungen.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2015 | 14:40 Uhr

Eutin | Wo der Circus Krone gastiert, begleitet ihn Protest. Tierrechtler fordern ein Verbot von Wildtieren oder Tieren generell in Zirkusunternehmen. Und die Tierrechtsorganisation Peta – die Abkürzung steht für „People for the Ethical Treatment of Animals“ –
begleitet die Touren des größten europäischen Zirkusunternehmens generalstabsmäßig mit Briefen und Pressemitteilungen. Zugleich gibt es auffällig viele kritische Kommentare in sozialen Netzwerken.

Peta und Anhänger behaupten dabei, dass „mehrere Veterinärbehörden und Staatsanwaltschaften wiederholt gravierende Missstände bei der Tierhaltung feststellten“. Dieser Behauptung entgegen steht die Feststellung des Unternehmens: „Beim Circus Krone gibt es nachweislich keine Beanstandungen.“

In einer am Montag verbreiteten Presseerklärung übt Peta „scharfe Kritik“ an der Stadtverwaltung Eutin für die Erteilung der Gastspielgenehmigung, denn der Münchner Zirkusbetrieb „habe fortlaufend zahlreiche amtlich festgestellte Tierschutzverstöße“ begangen. „Die Liste der Missstände bei Circus Krone wird jedes Jahr länger“, sagt Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta.

Die Organisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus. Die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führten zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.

Wie die Gegner, so haben sich auch die Befürworter der Zirkuskultur organisiert: Ein Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Zirkus“ hat in einem offenen Brief an die Stadt Eutin eine umfangreiche Liste von Argumenten aufgezählt, mit der die Haltung und die Arbeit mit Tieren in Zirkusunternehmen verteidigt wird.

Die „Gruppe biologisch interessierter Circusliebhaber, die mit viel Herzblut und selbstverständlich ohne finanzielle Unterstützung durch die Circusunternehmen versuchen, einen Beitrag zur Erhaltung des klassischen Circus mit Tieren zu leisten,“ weisen auf die hohen gesetzlichen Anforderungen des Tierschutzes hin, deren Einhaltung regelmäßig überprüft werde.

Wer in die Diskussion eintaucht, wird schnell feststellen: Da werden Fakten aufgezählt, bei denen sich eine Überprüfung lohnt. Und es gibt vermeintliche Tierrechtler, die anderen Menschen das Recht auf Widerspruch nicht zubilligen, sondern zu fragwürdigen, teilweise strafwürdigen Formulierungen greifen.

Weil er in einem Leserbrief die Tierhaltung des Circus Krone verteidigt hatte, erntete ein Leser des Ostholsteiner Anzeigers (OHA) einen „Shitstorm“ auf Facebook – „was mich allerdings bei diesen selbsternannten ,Tierschützern‘ nicht wundert. Einerseits behaupten diese, die Tierlehrer und Zirkusleute seien Verbrecher und Tierquäler, andererseits beleidigen sie Zirkusbesucher, zerstören Plakate, beschmieren Zelte und Wagen und starten Shitstorms“, schrieb er dem OHA. Und es habe vor dem Gastspiel in Eutin bei Facebook offene Gewaltandrohungen gegen die Zirkusbesucher gegeben („allen in den Kopf schießen“.)

Fragwürdige Reaktionen von Tierrechtlern schildert auch Pietro Bento, Exotenstallmeister und Einlass-Chef des Circus' Krone. Er schrieb: „Ich werde von fremden Menschen beschimpft, beleidigt und diskriminiert. Selbst kleine Kinder werden von ihren Eltern genötigt, Schilder mit Beschimpfungen hoch zu halten. Diese Art von Verleumdung, Hetze und Verfolgung kenne ich eigentlich nur aus der Geschichte und hat nichts mit dem wahren Charakter des Tierschutzes zu tun.“

Und weiter: „Fast 30 Mal pro Jahr werden meine Tiere durch behördliche Amtstierärzte und Veterinäre kontrolliert. Noch nie wurden Missstände festgestellt. Ich werde sogar vom staatlichen Veterinäramt München als Fachexperte vermittelt. Obwohl ich einen Fachkundenachweis habe, der jährlich durch Schulungen und Seminare erweitert werden muss, bezeichnet man mich als Tierquäler und schlimmeres. Ich werde als ungebildet und dumm hingestellt von Personen, die nie beruflich mit Tieren zu tun hatten. Sie predigen ,Freiheit für Tiere‘ und halten ihre eigenen ,Haustiere‘ in zu kleinen Wohnungen, mit zu wenig Auslauf oder Beschäftigung.“

Auf einem Flugblatt von Peta werden drei „behördlich festgestellte Tierquälereien“ aufgezählt: „2012 verhängen die Behörden nach einer Kontrolle des Winterquartiers ein Zwangsgeld gegen Circus Krone. Die Gehege der Junglöwen, der Lamas, eines Ponys sowie eines Esels sind zu klein. Die Elefanten können ihr Außengehege viel zu selten nutzen, die Aras gar nicht.

2011 leiten die Behörden bei einem Gastspiel in Gießen ein Bußgeldverfahren ein, da ,ca. die Hälfte der knapp 50 mitgeführten Pferde plus zehn Ponys über den gesamten Zeitraum keinerlei Paddocks oder sonstige Auslaufmöglichkeit zur Verfügung hatten‘.

2010 schreibt die Staatsanwaltschaft München I, ,dass bei einem Teil der Tiere des Circus Krone tatsächlich deutliche Haltungsmängel sowie Verhaltensstörungen vorlagen, die gutachterlicherseits als erhebliche Leiden im Sinne von § 17 Nr. 2b Tierschutzgesetz eingestuft wurden.‘“

Der OHA bat Peta, entsprechende Belege zu schicken. Peter Höffken kam dieser Bitte nach. Und die Lektüre ergab: Einen Beleg über ein „Zwangsgeld“ nach einer Kontrolle des Winterquartiers 2012 wurde dem OHA nicht vorgelegt. In einem Brief der Staatsanwaltschaft ist die Rede davon, dass ein Ermittlungsverfahren eingestellt worden sei. „Einen Tatnachweis für Verstöße gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes haben die durchgeführten Ermittlungen nicht ergeben.“

Für die Einleitung eines Bußgeldverfahrens nach einem Gastspiel in Gießen erhielt der OHA keinen Beleg. Und 2010 schrieb ein Münchner Staatsanwalt, „...dass bei einem Teil der Tiere des Circus Krone tatsächlich deutliche Haltungsmängel sowie Verhaltensstörungen vorlagen...“. Im selben Bescheid wird aber ein Ermittlungsverfahren wegen fortgesetzter Tierquälerei eingestellt, „...weil kein zur Anklageerhebung hinreichender Verdacht besteht.“

Der Kampf von Peta gegen Circus Krone hat juristische Aktenberge produziert. „Unsere Rechtsabteilung hat mittlerweile etwa zehn Ordner zu Circus Krone“, schreibt Peter Höffken. „Wir beschäftigen mittlerweile ein ganzes Anwaltsbüro, um uns gegen die ungerechtfertigten Angriffe zu wehren“, sagt Markus Strobl aus der PR-Abteilung des Zirkusunternehmens.

Die Überzeugung, gegen Tiere in einem Zirkus zu sein, ist sicher aufrichtig. So argumentiert eine OHA-Leserin aus Malente in einem Brief: Bedrohte Tierarten könnten dem Menschen in guten Tierparks nahegebracht werden, entsprechende Zuchtprogramme ein Aussterben zu verhindern suchen. Im Zirkus werde Tieren dagegen aber Widernatürliches abverlangt: Elefanten machten in freier Wildbahn keinen Handstand und legten sich auch keine Kette ums Bein...

Im Gegensatz dazu ein Beitrag der beiden Dompteure Martin und Alex Lacey: „Circusunternehmen (und zoologische Gärten) haben unter anderem die Aufgabe, bei ihren Besuchern – vor allem bei den Kindern – Interesse und Sympathie für Tiere zu wecken. Damit leistet der Circus einen indirekten Beitrag zum Natur- und Artenschutz; denn wer sich für Tiere interessiert, wird auch eher bereit sein, sich für ihre Erhaltung in freier Wildbahn einzusetzen. Der klassische Circus mit (Wild-)tieren zählt zu den beliebtesten Unterhaltungsformen in Deutschland. Bundesweit besuchen täglich Tausende von Zuschauern Circusunternehmen und stimmen damit sozusagen mit den Füßen ab.“

Und weiter: „Wir können unsere Tiere nicht fragen, ob sie lieber ,frei‘ in der Wildnis oder bei uns im Gehege leben wollen. Aber wir sind überzeugt, dass es ihnen in unserer Obhut besser geht als ihren freien Vettern. Sie müssen nicht hungern, ihre Reviere sind nicht bedroht, sie werden tierärztlich versorgt, wenn ihnen etwas weh tut. Alle unsere Tiere haben Impf- und Untersuchungspläne, die manchen Menschen vor Neid erblassen lassen würden. Und zwei Tatsachen zeigen uns, dass sie sich bei uns offensichtlich wohl fühlen: Während Löwen in der Wildnis selten älter als neun Jahre werden, haben wir mit Löwen-Senioren zu tun – wie zum Beispiel Alexanders Masai, der 16 Jahre alt ist und seine Auftritte in der Manege immer noch genießt und Martins alte Löwin Flo, die mit 26 Jahren immer noch lebte und sogar – natürlich mit einem ihrem Alter angepassten ,Schonprogramm‘ – immer noch auftrat.“

Weitere Informationen gibt es im Internet unter:

www.tiere-gehoeren-zum-circus.de

www.facebook.com/AktionsbuendnisCircustiere (Facebook-Login notwendig)

www.circusfreunde.org

http://forum.circusworld.de/viewtopic.php?f=43&t=4307

www.peta.de

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