EUTIN : Chemie-Unterricht für die Kleinsten

Beim Chemie-Unterricht für die Kleinsten von Bärbel Wilkens (in rot rechts) schaute gestern auch Lions-Präsident Detlef Küfe sowie die Stefanie Hübner und Regina Niehuus von der Kita vorbei.
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Beim Chemie-Unterricht für die Kleinsten von Bärbel Wilkens (in rot rechts) schaute gestern auch Lions-Präsident Detlef Küfe sowie die Stefanie Hübner und Regina Niehuus von der Kita vorbei.

Bärbel Wilkens, Chemie-Lehrerin im Ruhestand, bringt mehr als 100 Vorschulkindern Naturwissenschaften näher.

shz.de von
20. Juli 2015, 06:00 Uhr

„Wie bekommt man das Ei ganz aus der Schale?“, fragt Bärbel Wilkens (67) die Vorschulkinder der Bischof-Wilhelm-Kieckbusch-Kita. „Mit Essig“, rufen die Kleinen eifrig. Die Erwachsenen staunen.

Seit 2013 ist die einstige Chemie-Lehrerin Bärbel Wilkens an der Kita in ihrer Heimatstadt und versucht Kinder ab dem vierten Lebensjahr für die Naturwissenschaft zu begeistern. Es geht um Alltagsgegenstände, die Kinder aus dem Haushalt kennen. Wo muss ich vorsichtig sein? Was ist giftig? Wie macht man eigentlich Seife oder Creme selber? Fragen, die die Kinder nach einem Jahr bei Bärbel Wilkens alle beantworten können. „Ich mache keinen Versuch, bei dem es mir nicht gelingt, den Kindern den Lösungsweg verständlich zu machen. Sie sollen etwas mitnehmen. Und Wissen kann man leichter behalten, wenn man es verstanden hat“, sagt Bärbel Wilkens. So spielt sie einzelne Versuche mit den Kindern nach: „Um zu erklären, wie das bei der Creme funktioniert, dass sich die Wasser- und Ölteilchen nicht ständig abstoßen, haben wir Paare gebildet.“ Erst haben sich die Wasser-Kinder mit den Öl-Kindern gestritten, sich gegenseitig abgestoßen. Erst als der Streitschlichter „Emulgator“ ein Wasser- und ein Öl-Kind an die Hand nahm, verstanden sie sich. „Das Nachgespielte verstehen die Kinder“, sagt Wilkens. Immer mit dabei beim Unterricht für die Kleinsten sind Erzieherinnen der jeweiligen Kita. Wilkens: „Ich weiß ja nicht, wie lange ich das noch machen kann. Mein Ziel ist es, dass das Projekt auch ohne mich später durch die Ausstattung in den Kitas und das Wissen auch weitergeführt werden kann.“ Für diesen Zweck hat Wilkens parallel zum ersten Jahr an ihrer Pilot-Kita ein Skript für Erzieher geschrieben, in dem Versuche, Heransgehensweisen und Spiele zum Thema erklärt sind.

„Es ist wirklich großartig, wie viel auch die Kleinsten schon lernen und mitnehmen“, freut sich Kita-Leiterin Christiane Hoyer. Weil das erste Jahr nach dem offiziellen Ruhestand so gut für Wilkens in der Kita lief und die Anfrage-Liste immer länger wurde, ist sie im neuen Kita-Jahr an insgesamt sechs Kitas In Eutin, Malente und Hutzfeld mit ihrem „Mobilen Labor“ unterwegs und erreicht so mehr als 100 Vorschulkinder.

Wie kam die Idee mit dem Kita-Projekt eigentlich auf? „Eines Tages klopfte ein etwa achtjähriger Junge an meine Tür, ich unterrichtete damals die Oberstufe, und fragte: ‚Kann ich bei dir Chemie machen?‘“, erinnert sich Wilkens zurück. Von den zahlreichen Genehmigungen, die sie ihm Auftrug zu besorgen, bis sie ihm die Erlaubnis dafür geben konnte, ließ er sich nicht abschrecken. „Er brachte sogar noch kleine Freunde mit.“ Die Zwölftklässler hatte fortan kleine Assistenten, mit denen sie die Versuche vorbereiteten und zusammen machten. „Das kam so super an, dass ich später auch die Grundschule in unser ‚offenes Labor‘ eingeladen habe.“

Zum Abschied 2013 fragten sie die Kolleginnen was sie sich wünschte. Statt Blumen für den eigenen Garten oder Opernkarten wünschte Wilkens sich Spatel, Reagenzgläser und kleine Heizplatten. „Propst Wiechmann stellte dann den ersten Kontakt zur Kita und zu den Lions her“, so Wilkens. Erst kürzlich wurde sie mit dem bundesweiten Primus-Preis (1000 Euro) für ihr Projekt geehrt.

Detlef Küfe, Präsident der Lions: „Anfangs waren wir skeptisch aber der Unterricht von ihr hat uns überzeugt. Wir werden dich weiter unterstützen, da kannst du dir sicher sein.“ Gerade in Zeiten, in denen Studenten immer häufiger um naturwissenschaftliche Fächer einen großen Bogen machen, sei es wichtig, den Zugang dazu schon früh ermöglichen.

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