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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 06:27 Uhr

Chefrolle im Schloss offen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schlossverwalter Matthias Bönsel zieht sich zurück

97 Bewerbungen gab es auf die Stellenausschreibung für einen künftig hauptamtlichen Vorstand der Stiftung Schloß Eutin. Gestern nahm sich ein Kandidat, dem Außenstehende gute Chancen zugebilligt hatten, selbst aus dem Rennen: Matthias Bönsel, seit Juni 2014 in
der Nachfolge für Dr. Juliane Moser kommissarischer Schlossverwalter, hat seine Ambitionen auf die Chefposition aufgegeben und seinen Abschied aus Eutin zum 30. Juni angekündigt.

„Hauptgrund ist meine persönliche Situation“, erklärte Bönsel in einem Pressegespräch seinen Rückzug. Er verwies auf die Pflichten als allein erziehender Vater eines Sohnes in Schwerin: „Das lässt es nicht zu, meinen Hauptwohnsitz nach Eutin zu verlegen und mich über die Interim-Geschäftsführung hinaus mit 80-Stunden-Wochen für die Stiftung zu engagieren.“

Zudem habe er doch einsehen müssen, dass eine Fortführung seines Beratungsunternehmens für Kulturinstitutionen mit dem Vorstandsamt bei der Stiftung nicht unter einen Hut zu bringen sei. Diese Option habe er aber nicht aufgeben wollen, „zumal meine zentralen Stärken in der Entwicklung von
Ideen, Innovationen und Strategie liegen und nicht in der manchmal kleinteiligen Abarbeitung von To dos.“

Diese Selbsteinschätzung werden viele, die beruflich mit Matthias Bönsel in Eutin zu tun hatten, glatt unterschreiben. Seine eruptive Ideenproduktion stieß in Amtsstuben und Bürgertum zunehmend auf Skepsis. „Ich hätte mir manchmal mehr Unterstützung gewünscht. Aber wenn man etwas bewegen will, dann trifft man in Eutin auf besonders massive Widerstände“, räumte der Kulturmanager ein.

Beflügelt habe ihn stets das vertrauensvolle Einvernehmen mit der herzoglichen
Familie und Staatssekretär Schmidt-Elsaeßer, die bis zur Bestellung des geschäftsführenden Vorstands noch ehrenamtlich die Stiftung lenken. Über die neue Positionierung des Schlosses gebe es mit ihnen keine zwei Meinungen, auf dem von ihm konzipierten Weg hin zu „einer der spannendsten Kulturinstitutionen im Norden“ sei die Stiftung bereits ein gutes Stück vorangekommen. Das zeigten die 2014 mit Bestmarken erreichten Umsätze und Besucherzahlen.

Ein neues Arrangement des Museumsangebotes auf drei Etagen soll den Aufwärtstrend fortsetzen. Bönsel rechnet dafür bis zur Landesgartenschau mit 550  000 Euro Kosten, die außerhalb des regulären Stiftungsetats von Sponsoren gedeckt werden sollen. Die Überlegungen dazu wie auch für die zwei im Sommer geplanten Kunst-Ausstellungen will er mit der neu eingestellten Kunsthistorikerin Susanne Petersen noch vorantreiben, ebenso den künftigen Geschäftsführer mit einarbeiten. „Mein Nachfolger kann auf einem besseren Level starten, als es für mich der Fall war“, so Bönsel. Unter den Bewerbungen, das habe ihm der Vorstand versichert, gebe es etliche geeignete Kandidaten für die Aufgabe.

Der Stiftungsbeirat will Ende März nach einer Vorauswahl letzte Vorstellungsgespräche führen. Im Sommer soll eine kaufmännisch und kulturell gleichermaßen beschlagene Geschäftsführung die operative Leitung im Schloss übernehmen.

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erstellt am 19.Feb.2015 | 12:13 Uhr

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