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Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 08:04 Uhr

Chaos oder mehr Lebensqualität?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die mit dem Verkehrskonzept von Prof. Dr. Herbert Staadt verknüpften Erwartungen fallen sehr unterschiedlich aus

von
erstellt am 19.Jan.2016 | 12:49 Uhr

Leben die Geschäfte am Rosengarten von der Tatsache, dass an ihrer Tür jeden Tag rund 3500 Autos vorbeifahren? Oder ginge es ihnen besser, wenn die Belastung durch Kraftfahrzeuge deutlich abnähme? Könnten Änderungen der Verkehrsführung derartige Staus produzieren, dass die potenziellen Kunden die Stadt meiden und lieber woanders einkaufen?

Das sind zentrale Fragen, die – wie gestern berichtet – Montagabend im vollbesetzten Sitzungssaal des Bauamtes eine teilweise leidenschaftlich geführte Diskussion über ein neues Verkehrskonzept für die Eutiner Altstadt prägten. Und es sind Fragen, für die sehr unterschiedliche Antworten erwartet werden. Die einen fürchten Chaos. Der Eigentümer von drei verpachteten Läden kündigte gar rechtliche Schritte in Richtung Schadensersatz an. Andere mahnen zur Gelassenheit und zum Mut, wenigsten mal etwas Neues zu probieren.

Zum Auftakt des Abends sagte Bauamtsleiter Bernd Rubelt, dass die Stadtvertretung vor gut zwei Jahren ein neues Verkehrskonzept als Teil eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes beschlossen habe. Aktuell gehe es nicht darum, fertig beschlossene Lösungen zu präsentieren, sondern Pläne für eine Testphase zu erörtern und gemeinsam mit den Bürgern „praxisrelevante Lösungen“ zu erarbeiten. Rubelt betonte weiter, dass mit einem zeitlich befristeten Test die Erkenntnisse gesammelt werden sollen, auf deren Basis erst ein dauerhaftes Konzept beschlossen werden solle.

Der Gutachter Professor Dr. Herbert Staadt (Potsdam) erläuterte noch einmal die aktuelle Verkehrssituation in der Altstadt, die Ergebnisse von zwei Verkehrszählungen mit zweijährigen Abstand und ähnlichen Ergebnissen sowie die daraus abgeleiteten Empfehlungen.

Der Kern des vorgeschlagenen Konzeptes sieht so aus: Alle Einbahnstraßenregelungen in der Stadt (Lübecker Straße, Stolberg- und Schloßstraße, Am Rosengarten sowie Albert-Mahlstedt-Straße) werden aufgehoben. Eine Schranke unterbindet das Abbiegen in die Schloßstraße nach links Richtung Voßplatz. Die Schranke lässt sich mittels Fernbedienung nur für Busse öffnen und bei Bedarf auch für Lkw des Lieferverkehrs. Während aus Lübecker Straße, Stolbergstraße und Jungfernstieg ein in beide Richtungen befahrbarer Ring wird, lassen sich die Grundstücke auf der anderen Seite der Sperre vom Voßplatz aus anfahren. Vor der Sperre soll mit der Auffahrt zum Kirchhof genug Platz sein, dass Pkw und Lkw bis 12 Tonnen wenden und zurück Richtung Voßplatz fahren können.

Eine weitere wesentliche Änderung: Die Aufhebung der streckenweisen Einbahnregelung in der Albert-Mahlstedt-Straße, damit der Stadtgrabenparkplatz von zwei Richtungen aus angefahren werden kann. Damit die Mahlstedt-Straße nicht zur neuen Durchgangsstraße wird, sollen Autos, die Richtung Plöner Straße fahren, mittels einer „Verkehrsinsel“ zum Abbiegen in den Stadtgraben gezwungen werden.

Parkplatzverlust (etwa 40 Stellplätze) wegen des Endes der Einbahnregelung, Sicherheit für Fußgänger und Radler in der Nähe der Weber-Schule, Zweifel an der Dimension des Durchgangsverkehrs, Furcht, dass sich die Altstadtstraßen nicht mehr befahren lassen, wenn das Parken am Straßenrand freigegeben wird, Verkehrsberuhigung durch Verbots- oder Gebotsschilder – lang war die Liste weiterer Aspekte und Argumente an diesem Abend.

Eines war aber auch klar: Während der Landesgartenschau wird der Test nicht erfolgen. Prof. Dr. Schaadt hatte diese Phase eigens empfohlen, weil seiner Meinung nach die Besucher der LGS eine noch attraktivere Altstadt erleben könnten. Allerdings würde, wie mehrfach betont wurde, ein Test während der Gartenschau mit einem deutlich höheren Verkehrsaufkommen keine zuverlässigen Zahlen für eine neue Verkehrsregelungen bringen.

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