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Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 00:08 Uhr

Nobelpreis : Champagner in großer Zahl gekauft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der aus Eutin stammende Volker Westphal arbeitet im Team des Göttinger Chemie-Nobelpreisträgers Stefan Hell und sagt: „Er ist einfach gut.“

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 18:54 Uhr

Eutin | Der deutsche Forscher Stefan Hell und zwei US-Amerikaner haben am vergangenen Mittwoch für die Erfindung superauflösender Mikroskope den Chemie-Nobelpreis erhalten. Maßgeblich am Erfolg beteiligt ist auch ein Eutiner: Volker Westphal arbeitet seit 2002 im Team von Stefan Hell. Und hat am Mittwoch hautnah miterlebt, wie sich die Nachricht wie ein Lauffeuer am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen verbreitet hat. „Hell hatte einen Mitarbeiter beauftragt Champagner in größerer Zahl zu kaufen. Das sprach sich schnell herum“, sagte Westphal. Der frischgebackene Nobelpreisträger sei dann gefühlte drei Stunden nicht ansprechbar gewesen, erinnert sich Westphal weiter. Und der gebürtige Eutiner musste in dieser Zeit die unzähligen Anfragen von Journalisten beantworten.

Westphal ist ein waschechter Eutiner, legte hier 1987 seine Abiturprüfung am Voß-Gymnasium ab. Nach dem Wehrdienst bei der Bundeswehr studierte Westphal Physik in Hamburg und Göttingen. In den USA promovierte er schließlich im Bereich Biomedical Engineering, kehrte dann zurück nach Göttingen – ohne aber seine Eutiner Wurzeln zu vergessen, schließlich lebt seine Familie hier, die der Physiker regelmäßig besucht.

Als Westpfahl 2002 zum Team von Stefan Hell stieß, arbeiteten gerade einmal eine Handvoll Wissenschaftler für den jetzigen Nobelpreisträger. Unter Forscher-Kollegen war Hells superauflösende Fluoreszenzmikroskopie nicht unumstritten: „Viele haben ihm nicht geglaubt, er bekam sehr viel Gegenwind“, erinnert sich Westpfahl. Aus einer Vision wurde schließlich Wirklichkeit, seit 2005 wusste Hells Team, dass es keine Luftschlösser baut, so Westpfahl weiter. 2006 wurde die Arbeit mit dem Zukunftspreis belohnt. Und jetzt mit dem Nobelpreis.

Hat sein Team mit der Auszeichnung gerechnet? Ein Kandidat für den Nobelpreis sei Hell immer gewesen, betont Westphal. Jedoch herrsche um die Ehrung ein „ungeheurer Wettbewerb“, so Westpfahl. „Es gibt immer viele andere, die es ebenso verdient hätten, den Nobelpreis zu bekommen. Nur kommen sie nie zum Zuge“, so der Eutiner weiter. Vieles in der Forschung sei eine Team-Leistung. Am diesjährigen Nobelpreis haben viele ihren Anteil – 60 Wissenschaftler arbeiten zurzeit in Hells Institut. „Ich habe mitgeholfen, die Idee von Hell so zu zeigen, dass sie funktioniert“, sagt Westphal, der über Hell sagt, er sei anspruchsvoll, vor allem aber enthusiastisch. „Hell hat eine hohe Arbeitsleistung“, sagt Westphal und ergänzt neidlos: „Er ist einfach gut.“

Die Auszeichnung mit dem Nobelpreis ist aber nicht das Ende der Forschungsarbeiten rund um die superauflösenden Mikroskope. Jetzt sei Zeit, sich weiteren Projekten zu widmen, sagt Westphal und ergänzt: „Da ist noch nicht alles ausgelutscht.“

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