Viele Besucher im Garten des Kreismuseums In Plön : Catrum Plune lebt das Mittelalter

Der Schaukampf, geführt von Männern und Frauen, beeindruckte zahlreiche Zuschauer.
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Der Schaukampf, geführt von Männern und Frauen, beeindruckte zahlreiche Zuschauer.

Eine Gruppe freier Darsteller gab gestern im Museumsgarten Einblick in das Mittelalterleben/ Repliken begeisterten im Kreismuseum

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17. Juni 2014, 04:30 Uhr

Kettenhemden, Nadelziehen, Hornschnitzen und Töpfern – im Garten des Kreismuseums erlebten Besucher gestern beim Slawen- und Wikingertag, wie ihre Vorfahren vor mehr als 1000 Jahren unterwegs waren. Castrum Plune, so heißt die Gruppe der freien Darsteller um Jörn Kruse, hatten ein kleines Lager aufgeschlagen. In Schaukämpfen zeigten die Darsteller ihr Können zahlreichen Zuschauern – und am Nachmittag beeindruckte der jüngste Kämpfer Nick Schöning (6) mit dem Zerteilen einer Wassermelone.

Castrum Plune – welche Menschen stecken dahinter? Sie sind mittlerweile Rentner, wie Gründer Jörn Kruse, Schüler, Steinmetze oder Beamte. Das Berufsbild ist vielfältig – das Hobby eint. „Wir interesieren uns alle für die Geschichte, das Leben im frühen Mittelalter zu Zeiten der Wikinger und Slawen“, erzählt Jörn Kruse. Er selbst sei seit seinem 14. Lebensjahr bei vielen Ausgrabungen dabei gewesen – auch auf der Insel Olsborg inmitten des Großen Plöner Sees. Die Funde, die über die Zeit der Slawen und Wikinger existieren, sind für die Gruppe entscheidend. Nach ihnen entstehen – sozusagen originalgetreue Nachbildungen von Kleidung, Waffen, Alltagsgegenständen. Auf sogenannten Lagern lebt die Gruppe Catsrum Plune auch wie einst – gekocht wird über dem Feuer, geschlafen im Zelt.

Julia Meyer, Leiterin des Kreismuseums und Sympathisantin der Gruppe: „Castrum Plune ist für das Museum ein großartiger Zugewinn. Sie interessieren sich für die Stadtgeschichte, nutzen das Museum als eine ihrer Quellen und machen aus den Funden erlebte Geschichte – für alle zum Anfassen.“ Auch Kruse betont: „Wir spielen kein Mittelalter und halten uns von solchen Veranstaltungen auch fern. Wir wollen, am damaligen Leben orientiert, zeigen wie es war zu Zeiten der Wikinger und Slawen.“ Kruse ist handwerklich so geschickt, dass er nahezu alle Waffen – vom Schwert über den Sebel bis zur Pfeilspitze selbst anfertigt. Jeder im Lager kann etwas anderes: einer schnitzt, die Frauen zeigen wie Nadelziehen – die Vorform des Strickens – funktioniert, eine Kunsthandwerkerin filzt. Am Ende gehen die Besucher schlauer vom Platz, als sie gekommen sind: Wer hätte schon gedacht, dass ein Schwert damals so viel wie ein ganzes Rind gekostet hat – rund 130 Gramm Silber? Wer mehr erfahren will, kann am nächsten Wochenende (21. und 22. Juni) nach Dersau zur 650-Jahr-Feier mit Mittelalterlager und Castrum Plune.

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