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Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 22:22 Uhr

Bye, bye, Micky und Mister Burke

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Seelöwen-Show im Wasserzirkus des Hansa-Parks nimmt Abschied / Tiertrainer John Burke und seine fünf Tiere suchen neues Zuhause

von
erstellt am 28.Okt.2017 | 04:00 Uhr

Seit 28 Jahren sind John Burke und seine Seelöwen-Show ein fester Teil des Programmes im Hansa-Park. Doch morgen nimmt er Abschied: Um 17 Uhr beginnt definitiv seine letzte Vorstellung im Wasserzirkus.

Claudia Leicht, Leiterin der Abteilung Kommunikation des Hansa-Parks, begründet diesen Abschied mit dem Alter der Tiere. Das Durchschnittsalter der Seelöwen liege bei 19 Jahren, einer neuen Generation könne man nicht mit Sicherheit eine lebenslange artgerechte Haltung garantieren.

Tiertrainer John Burke geht nicht ohne Wehmut. Im Hansa-Park hat er seine erste eigenständige Show konzipiert: „Es ist nicht so einfach, eine Tiershow aufzubauen“, sagt er, „und ich hatte gute Zeiten hier im Hansa-Park“. Über 20 000 Vorstellungen, während der Saison fast immer drei Mal täglich, hat er in diesen 28 Jahren absolviert – „die Hälfte meines Lebens“, wie der 56-Jährige konstatiert. Die Zahl der Zuschauer lässt sich kaum errechnen, aber sie dürfte in die Millionen gehen. Dazu kommen etliche Fernsehauftritte in Sendungen wie „Stars in der Manege“, wo er Schauspieler wie Wolfgang Stumph, Thomas Rühmann oder Hendrikje Fitz an das Tiertraining heranführte.

Er selbst kam mit dem Metier als Kind in Kontakt – der Vater eines Schülers arbeitete mit Delfinen. Obwohl als Bootsbauer ausgebildet, ließ ihn die Idee nicht los, selbst Tiere zu trainieren.

Fünf Seelöwen hat er derzeit zu versorgen; es sind seine eigenen. Die Anlage im Hansa-Park ist sehr großzügig – die Aquarena bietet ein Becken von 800 000 Litern, außerhalb der Arena stehen noch einmal 200 000 Liter zur Verfügung. „Die meisten Zoos haben kleinere Anlagen“, sagt Burke nicht ohne Stolz. Sein Beruf verlange vollen Einsatz: Sieben Tage in der Woche muss er für seine Tiere da sein, täglich 20 bis 25 Kilogramm Fisch verfüttern.

Für seine Shows macht er sich den Spieltrieb der Tiere zunutze: „Im Laufe der Jahre hat sich meine Arbeit immer weiter entwickelt, und die Tiere haben eine Menge Anteil daran – und jede Vorstellung ist anders“. Das merkt man auch heute, in einem seiner letzten Auftritte im Hansa-Park. Nicht immer machen die Tiere, was von ihnen erwartet wird. Seelöwe Micky beispielsweise hat entdeckt, wie er an den Eimer mit den Fischen herankommt, die zur Belohnung verfüttert werden, und klaut ihn mit einem spektakulären Luftwurf aus seinem Versteck.

Als Wildtiere leben Seelöwen an den südamerikanischen Küsten; diese hier sind allesamt aus europäischer Zucht. Dass die Haltung in menschlicher Obhut für sie keinen Stress darstellt, lässt sich am Alter festmachen: Sie werden mit etwa 30 Jahren fast doppelt so alt wie in freier Wildbahn.

Und nun? John Burke ist keinesfalls gewillt, in den Ruhestand zu gehen. Er ist zuversichtlich, dass sich demnächst ein neues Tätigkeitsfeld bietet: „Derzeit bin ich in Verhandlungen mit dem Westküstenpark in St. Peter-Ording“, verrät er uns. Noch ist das nicht ganz in trockenen Tüchern, aber die Chancen stünden gut.

Seine Tiere müssen dann natürlich mit umziehen, aber die sind das Reisen offenbar gewohnt. „Ich transportiere sie mit einem Lkw“, sagt John, der oft mit ihnen unterwegs zu anderen Auftrittsorten war. In der Badewanne, oder wie? Er lacht: „Nein, Seelöwen können durchaus einige Zeit ohne Wasser auskommen. Eigentlich sind es nämlich Landtiere – zwei Drittel ihres Lebens verbringen sie an Land. Und sie können auch ziemlich schnell laufen!“ Sogar auf den Vorderflossen, wie sie in der Show demonstrieren.

Die letzte Seelöwen-Show im Hansa-Park Sierksdorf kann man morgen (29. Oktober) um 17 Uhr im Wasserzirkus erleben.

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