Malente : Businessplan für den Ortskern

Auf großes Engagement konnte BIG-Stadtplaner Andreas Kiefer (unten links) bei der Sammlung von Ideen bauen.
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Auf großes Engagement konnte BIG-Stadtplaner Andreas Kiefer (unten links) bei der Sammlung von Ideen bauen.

Beim ersten Zentrumsforum zeigen die Eigentümer viel Engagement. Sie wollen aber auch wissen, welche Kosten bei der Städtebauförderung auf sie zukommen.

shz.de von
08. November 2018, 13:09 Uhr

Mit der Sammlung von Ideen für die Entwicklung ihres Heimatortes waren die Malenter seit Herbst 2016 eigentlich schon gut ausgelastet. Für das mittlerweile verabschiedete Integrierte Gemeindeentwicklungskonzept (Igek) gab es diverse Veranstaltungen. Dass es mit der Ideensammlung scheinbar kein Ende hat, liegt am Programm der Städtebauförderung, in das es die Gemeinde mittlerweile geschafft hat.

„Es gilt weiterhin, dass Ideen für das Malenter Zentrum gefragt sind“, erklärte Stephan Kathke, Projektleiter der Beratungsfirma „Ernst Basler + Partner“ (EBP) am Mittwochabend beim ersten „Zentrumsforum“. Etwa 70 Malenter waren dafür in den Kursaal gekommen. Gemeinsam mit der „BIG Städtebau“ unter Projektleiter Andreas Kiefer will EBP bis Sommer 2019 ein Konzept für die Entwicklung des Malenter Ortszentrums erarbeiten. „Wir nehmen Stimmungsbilder und Meinungen mit“, erklärte Kiefer. Seine Aufgabe umschrieb er so: „Es geht um einen Businessplan, um an die Mittel zu kommen.“

Bürgermeisterin Tanja Rönck verwies auf die Fragebogenaktion der Gemeinde unter den betroffenen Eigentümern. „Jetzt stellen wir Ihnen vor, was man daraus machen kann“, erläuterte sie den Sinn des Abends. Erschienen waren vor allem Grundeigentümer im sogenannten Untersuchungsgebiet. Dieses wurde von der Gemeinde in Abstimmung mit der Landesregierung festgelegt und zieht sich, grob betrachtet, die komplette Bahnhofstraße entlang. Dabei umfasst es etwa auch das Schönow-Gelände im Süden und die Schule an den Auewiesen im Norden.

Neben Überlegungen, wie die Gemeinde attraktiver gemacht werden könnte, spielte vor allem eine Frage eine Rolle: Welche Kosten kommen auf die Eigentümer zu? „Den sanierungsbedingten Vorteil werden wir als Rechnung bekommen“, prophezeite ein Zuhörer mit Blick auf gesetzliche Regelungen, wonach Eigentümer einen Ausgleich für eine mögliche Wertsteigerung ihrer Immobilie leisten müssen. Doch das ist noch nicht ausgemacht, wie BIG-Projektleiter Andreas Kiefer versicherte. „Ob Malente ein umfassendes Sanierungsgebiet wird, steht jetzt noch in den Sternen“, erklärte er. Gleiches gelte für mögliche Veränderungssperren bei Baugenehmigungen. Das Untersuchungsgebiet werde zudem nicht mit dem späteren Sanierungs- oder Fördergebiet identisch sein. „Das wird mit Sicherheit kleiner sein“, sagte Kiefer. Genauere Informationen solle es beim zweiten Zentrumsforum geben, das 2019 stattfinden werde, beteuerte er.

Zuvor hatte Kiefer umrissen, welche Maßnahmen innerhalb der Städtebauförderung möglich sind. Die Palette umfasst eine Aufwertung von Straßen und Plätzen, eine Modernisierung ortsbildprägender Gebäude, eine Nutzung von Brachflächen, Maßnahmen für Barrierefreiheit, ein sogenanntes Citymanagement oder eine Gestaltung von Grünräumen.

Bereits auf den Weg gebracht worden seien als vorbereitende Maßnahmen ein Verkehrs- sowie ein Einzelhandelskonzept, erläuterte Kiefer. Behörden und Institutionen wie Umweltschutzverbände und Landesregierung würden beteiligt, es gebe Gespräche mit Schlüsselakteuren und zwei Workshops mit der Gemeindevertretung.

Kurz nach dem Sommer 2019 solle der Fahrplan für die Städtebauförderung in Malente stehen, kündigte Kiefer an. Die Umsetzung werde viel Zeit erfordern. „Städtebauförderung ist ein Planungshorizont für zwölf bis 15 Jahre“, verdeutlichte der Stadtplaner. Die Kosten würden geteilt. Bund, Land und Gemeinde zahlten jeweils ein Drittel.

Schließlich waren die Malenter gefragt. Sie sollten etwa Orte mit positiven und negativen Veränderungen durch grüne und rote Klebepunkte auf großen Plänen markieren. Schnell stellten sich dabei die bekannten Reizpunkte heraus: „Deutsches Haus“, die Situation auf und vor dem Lenter Platz, der brach liegende Brahmberg, der Bahnhof samt Vorplatz und das ehemalige „Intermar“-Hotel. Dagegen wurden die Promenaden, der Kurpark, die Magdalenen-Kirche, aber auch der „Rewe“-Markt (ehemals „Sky“) grün markiert.

Defizite machten die Beteiligten bei Angeboten für Jugendliche aus, ebenso bei Räumen zum Verweilen sowie dem Platz für Fußgänger und Radler in der Bahnhofstraße. Mehr oder weniger zufrieden waren sie mit Barrierefreiheit und Einkaufsmöglichkeiten. Das geringste Problem scheint die Parkplatzsuche zu sein.

Viele Ideen hatten sich bereits im Prozess „Unser Malente 2030“ herauskristallisiert: „Schwerlastverkehr raus aus der Bahnhofstraße“, „Bahnhof mit attraktiven Dienstleistungen“, „Lenter Platz mit einer größeren Marktplatz-Qualität“ wurden genannt. Weitere Vorschläge lauteten „Barrierefreiheit auch auf Nebenstraßen“, „Schwentinebrücke auf dem Schönow-Gelände“ oder „Skaterpark auf dem Seifen-Siefers-Platz“.

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