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Berufsverkehr in Kiel mit Hindernissen : Bus-Streik: Die Räder standen still

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schüler und Berufspendler waren besonders betroffen: Sie äußerten Verständnis, aber auch Ärger. Das große Chaos blieb aus.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2013 | 19:46 Uhr

Eine Zeile aus einem alten Arbeiterlied beschrieb die Situation gestern Morgen bei der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) treffend: „Alle Räder stehen still.“ Die Busse blieben im Depot in Gaarden. Gut 200 Beschäftigte waren zu Betriebsbeginn in den Warnstreik getreten. Die Gewerkschaft Verdi hatte dazu aufgerufen, um die Arbeitgeberseite zu einem akzeptablen Angebot zu bewegen. Verdi fordert für die Beschäftigten 150 Euro mehr im Monat, die Arbeitgeber hatten eine Einmalzahlung von 200 Euro und eine Erhöhung von 4,7 Prozent in zwei Stufen bis 2015 angeboten.

Die Gespräche zwischen Arbeitgebervertretern und Verdi werden heute um 8.30 Uhr fortgesetzt. Mit Warnstreiks muss am Dienstag nach Gewerkschaftsangaben nicht gerechnet werden.

„Die Aufgaben werden immer umfangreicher, die Arbeit immer mehr. Dafür ist das bisherige Angebot der Arbeitgeber eindeutig zu wenig“, sagte die KVG-Betriebsratsvorsitzende Andrea Degenthof. Sabine Flechter schlug in die gleiche Kerbe: „Die Höhe des Angebots ist wirklich die Höhe“, empörte sich die Verdi-Gewerkschaftssekretärin während der Kundgebung am Bus-Depot. Im Laufe des Tages traten, bedingt durch Schichtwechsel, etwa 350 bis 400 KVG-Beschäftigte in den Ausstand.

Das hatte gravierende Auswirkungen, besonders für Schüler und Pendler. Rund 100.000 Fahrgäste waren betroffen. Da der Aufruf zum Streik jedoch bereits am vergangenen Freitag erfolgt war, blieb Zeit zur Vorbereitung. So wie in der Familie von Heike Born aus Hassee. Sie brachte gestern morgen Enkel Magnus und dessen Freund Elias (beide 6) zur Schule. Die ältere Enkelin habe sie einfach zu einer anderen Haltestelle begleitet, wo ein „Vineta“-Bus diese zur Schule brachte. „Vineta“ und „Autokraft“ streikten gestern nicht. „Ich habe Verständnis für den Streik“, sagte Born. „Es ist Planungssache, wie man damit umgeht.“

Wenn man denn informiert war: Patricia (17) wartete gestern morgen in Hassee um kurz nach halb Acht vergeblich auf die Linie 61. „Das kann doch nicht angehen“, sagte sie verärgert. „Ich muss zur Schule in den Königsweg.“ Nach einem Anruf bei der Freundin sagte sie frustriert: „Alle wussten es, nur ich nicht.“

Ärger in der Luft auch am Hauptbahnhof: „Schweinerei“, schimpfte Renate Majstrak aus Elmschenhagen. „Meine Tochter geht in der Wik zur Schule, der Ranzen war heute so schwer.“ Sie habe Glück gehabt, dass der Schwager das Mädchen zur Schule habe fahren können. Sie selbst konnte mit einem Bus der Linie 51 fahren, die von „Vineta“ bedient wurde.

Bei der KVG in der Leitstelle gingen nach Angaben von Pressesprecherin Andrea Kobarg gestern nur wenige Anrufe ein: „Die Fahrgäste haben sich auf einen Tag ohne Bus eingestellt.“ Sie fuhren Rad, Taxi, nutzten die Fähren über die Förde oder gingen zu Fuß. Wie ein grauhaariger Anzugträger mit Aktentasche, der statt den Bus zu nehmen einfach die Distanz von zwei Stationen lief: „Bei dem Wetter ist das doch schön.“ Seinen Namen wollte der im Öffentlichen Dienst Beschäftigte nicht nennen. Seine Meinung sagte er schon: Ein Tag Streik werde nicht viel bewirken. „Streik hilft erst, wenn er weh tut.“

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