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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 01:49 Uhr

Burn-out-Zentrum nicht realisierbar

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Projekt scheitert an der Mehrwertsteuerfrage – Gemeinde Hohwacht setzt weiter auf ein Präventionszentrum

Das Vorhaben, in Hohwacht an der Ostsee ein Nobel-Sanatorium für Burn-out-Patienten zu etablieren, lässt sich nicht realisieren. Nach OHA-Informationen haben die Investoren Abstand von dem Projekt genommen. Gescheitert ist das Vorhaben, aus Teilen des Hotels „Hohe Wacht“ ein gehobenes „Zentrum für Seelische Gesundheit“ zu machen, an den Kosten – genauer gesagt an der Frage der Mehrwertsteuer. Der beschauliche Badeort wollte damit neue Schwerpunkte im Gesundheits-Tourismus etablieren.

Ende März hatte die Richard Anders’ Hotelgruppe das ehrgeizige Projekt in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Integrative Psychiatrie des UKSH vorgestellt. Sie wollten das Zentrum medizinisch betreiben. Dafür sollte ein Trakt des Hotels für Patienten und Behandlungsräume freigestellt werden. Die Rede war von anfänglich etwa 30 Betten, Behandlungs- und Therapieräumen sowie einem Arzt- und Schwestern-Bereich.

Zielgruppe des „Gesundheitszentrums Hohe Wacht“ sollten auf der einen Seite privat und gesetzliche versicherte Patienten, aber auch Beihilfeempfänger, Selbstzahler und Zusatzversicherte sein. Schwerpunkte der Behandlung sollten Depression, Burn-out, Angsterkrankungen, Schmerzzustände post-traumatische Belastungsstörungen und Schlafstörungen sein. Mehr als zwei Jahre wurde an dem Vorhaben geplant, jetzt musste es aus Sicht der Betreiber vorerst ad acta gelegt werden.

Denn letztlich konnte die Frage der Mehrwertsteuer nicht geklärt werden: die Krankenkassen sind davon befreit, nicht aber die Unterkunft-Betreiber. Weil die Kassen nicht bereit sind, diese Kosten zu tragen, hätten dies die Betreiber tun müssen. Oder letztlich die Patienten, die damit nur einen Teil von ihrer Krankenkasse ersetzt bekommen hätten. „Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass dieses Urteil (des Bundesfinanzhofs in einem gerade entschiedenen aktuellen Verfahren) selbst bei einer positiv beschiedenen verbindlichen Auskunft keinen Vertrauensschutz für eine neue umsatzsteuerliche Regelung gewährleistet“, heißt es dazu in einem Schreiben, das dem OHA vorliegt.

„Dieses ist in erster Linie dem Umstand zuzuschreiben, dass die in der Klinik erbrachten Leistungen der Umsatzsteuer unterliegen.“ Dadurch sei ein Auffangen der Kosten nicht möglich. „Vor diesem Hintergrund sieht die Planungsgruppe keine realistische Chance mehr zur Realisierung des Konzeptes“, heißt es in dem Schreiben wörtlich weiter.

Auch wenn es im Ort selbst bedauert wird, hat dies nach Auskunft der Richard-
Anders-Gruppe keine Auswirkungen auf den Weiterbetrieb des Hotels. Der Bürgermeister der Gemeinde, Matthias Potrafky, bedauert, „dass die Kooperation mit dem Hotel nun in diesem Punkt nicht mehr möglich ist.“

Die Gemeinde Hohwacht setzt aber weiter auf den Bau eines sogenannten ambulanten „Präventionszentrums“ mit modernster Diagnostik auf dem Gelände des derzeit abgerissenen Schwimmbades. Dort sollen sich Urlauber von Ärzten „durchchecken“ und beraten lassen im Hinblick auf mögliche ganzheitliche Behandlungswege vor Ort und in Kliniken. Derzeit laufen die Ausschreibungen für eine Machbarkeitsstudie zu diesem Projekt, die in Kürze in Auftrag gegeben werden soll, so Potrafky. Umso wichtiger sei es jetzt, dass auch den Gästen des Hotels eine umfangreiche ärztliche Betreuung garantiert werden könne.  

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erstellt am 03.Sep.2015 | 11:15 Uhr

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