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Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 06:33 Uhr

Bürgermeister sein: „Einfach geil“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der 54-jährige Lars Winter kam vor 100 Tagen aus der schleswig-holsteinischen Landespolitik als Bürgermeister ins Plöner Rathaus

Als erstes hat Lars Winter die Möbel in seinem neuen Büro im Rathaus umgestellt. Der Schreibtsich wirkt aufgeräumt, Akten türmen sich auf dem Schrank. An der Wand hängt ein Foto von Willy Brandt. Plöns neuer Bürgermeister hat sich offenbar für längere Zeit eingerichtet. Am heutigen Donnerstag blickt Lars Winter auf die ersten 100 Tage zurück. Ob er sich das Amt so vorgestellt hat? „Das ist noch viel geiler, als ich es mir überhaupt vorgestellt habe“, freut sich der 54-Jährige ehrlich.

Lars Winter kam aus der Landespolitik auf den Chefsessel ins Plöner Rathaus. „Das Bürgermeisteramt ist ein Mixed aus Politik und Verwaltung“, sagt Winter, der noch in diesem Monat mit seiner Familie von Beschendorf in sein neues Haus in Stadtheide einziehen wird. In den ersten 100 Tagen habe ihm das politische Handwerkszeug bei seiner Arbeit als Bürgermeister sehr geholfen. Im Ergebnis gebe es offene und ehrliche Dialoge.

Die Kontakte zur Landespolitik werden Lars Winter auch Türen öffnen. Ob ihm dabei sein gutes Verhältnis zu seinem Duzfreund und designierten Ministerpräsidenten Daniel Günther von der CDU helfen wird? Winter weiß, wie er den Hebel ansetzen kann: „Ich weiß, wie es funktioniert.“

Und dass bereits 100 Tage im Bürgermeisteramt vorbei sind, das will Lars Winter kaum glauben: „Ich habe den Eindruck schon viel länger hier im Rathaus zu sein“, schmunzelt der Mann, der in jungen Jahren in Plön zum Verwaltungsangestellten ausgebildet wurde, hier sein Elternhaus hat und auch in Plön heiratete. Er habe in den ersten Wochen viel hinterfragt und ebenso viel behalten. Winter ist längst angekommen: „Ich habe den Eindruck, nie weg gewesen zu sein.“

Großes Lob zollte er den Mitarbeitern im Rathaus, die „gut mitziehen und positiv-neugierig sind. Sie denken mit und leben Verwaltung“. Aus Teamarbeit seien Wille und Enthusiasmus entstanden. Es sei eine Vertrauensbasis geschaffen worden. „Und ich fühle mich als erster unter Gleichen“, schmunzelt Winter.

Er hat in den vergangenen 100 Tagen fast alle Plöner Vereine kennen gelernt.
Als wichtigste Entscheidung nennt Lars Winter gemeinsam mit der Politik das Voranbringen der Städtebauförderung. Eine Stelle in der Verwaltung sei aufgestockt, eine weitere für die Stadtplanung neu geschaffen worden. Bebauungspläne und Flächennutzungspläne müssen auf den neuesten Stand gebracht werden.

Doch es gibt auch schon die erste Ernüchterung: „Die aus der Städtebauförderung erhofften Geldmittel sind nicht zu erwarten“, ist Winter nach einer Begehung enttäuscht. Sein Ziel: „Ich will jetzt andere Türen öffnen.“ Vielleicht könne man die Tourismusförderung einbeziehen. Lars Winter will in Plön Parkplätze mit Seeblick abschaffen und so den Fahrzeugverkehr aus der Innenstadt verbannen und die Zahl der Parkplätze erhöhen. Ein Parkdeck im Stadtgraben schwebt ihm da vor. Ein Parkdeck, das über Parkgebühren refinanziert wird. Es gebe großen Bedarf für Dauerparkplätze in Plön, der Lösungen erfordere.

Akten türmen sich auf einem Schrank im Bürgermeisterbüro: „Ich habe mich selbst zum Teil der Sachbearbeitung gemacht“, schmunzelt Winter. Damit wolle er Kollegen entlasten, sich aber auch umfassend informieren. Bürgermeister Lars Winter schafft es, die Überstunden der Mitarbeiter zu reduzieren: „Wir brauchen nicht so viele Mitarbeiter bei den Sitzungen der städtischen Gremien.“

Mit den kommunalen Nachbarn beim Amt Großer Plöner See, in Malente, Preetz und Eutin steht Lars Winter nach 100 Tagen schon in gutem Kontakt. Und wie sieht die gemeinsame Zukunft von Stadt und Amt aus? „Wir reden partnerschaftlich miteinander und tauschen uns auch aus“, schmunzelt Lars Winter.

Im Plöner Rathaus hat es am 1. Juni eine personelle Änderung gegeben: Die Wirtschaftsförderung ist eine Stabsstelle beim Bürgermeister geworden. Frank Neufeind ist der Zuarbeiter, der künftige Leerstandsmanager, der Kontakter zum Staadtmarketing, der Akquisiteur von Fördermitteln und Mann für die Pressearbeit.

Ein Beweis mehr: Lars Winter ist an Lösungen orientiert und lässt sich – wenn es sein muss – auch auf sachliche Diskussionen und Streitigkeiten mit der Politik ein. Und wenn in den sozialen Netzwerken seine Stimme erforderlich ist, dann mischt sich Lars Winter auch dort ein. Täglich ist er hier unterwegs, diskutiert und schreibt, was er gerade macht.

Würde Lars Winter einen guten Job annehmen und in die Politik zurückkehren? „Nein, ich bin hier sehr glücklich“, freut sich Lars Winter. Bürgermeister in Plön zu sein, das sei der „tollste Job“. „Ich würde dafür selbst nicht Bundeskanzler werden wollen.“  

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erstellt am 08.Jun.2017 | 15:31 Uhr

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