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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 08:40 Uhr

Bürgerbus auf der „Malenter Acht“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Projekt nimmt langsam Gestalt an – noch in diesem Monat wollen die Initiatoren ihr Konzept in den politischen Gremien vorstellen

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 14:56 Uhr

Michael Winkel ist derzeit im Prüfungsstress. Das hätte der Malenter nicht erwartet, als er stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Bürgerbus Malente“ wurde. Doch eine neue Vorschrift der Landesregierung macht es nötig: Damit der Bus rollen darf, muss eines der Vorstandsmitglieder die Fachkunde für Taxi- und Mietwagenunternehmer besitzen. „Damit wären wir der erste Bürgerbus in Deutschland, der das nachweisen muss“, sagt der Vereinsvorsitzende Ingo Wagner.

Demnächst will Winkel die Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ablegen. Eine gute Vorbereitung empfiehlt sich. „Die Durchfallquote liegt bei 90 Prozent“, weiß Winkel. Der Zeitaufwand, den der kurz vor der Pension stehende Soldat in den Sachkundenachweis steckt, ist ein Zeichen für das Engagement, mit dem der vierköpfige Vorstand (zu dem auch David Kardell und Helmut Losert gehören) das Projekt angeht.

Die Idee hat sich seit der Vereinsgründung im Juni 2014 nach etlichen Gesprächen stark konkretisiert, auch unter Mithilfe des Kreises Ostholstein. Geprüft wurde etwa, wo in der Gemeinde überhaupt Bedarf für einen Bürgerbus besteht. Ergebnis: Die Versorgung der Dorfschaften ist stark ausbaufähig. Hier fahren zwar NOB-Busse, doch die orientieren sich an den Bedürfnissen der Schulkinder. Der Bürgerbus soll deshalb montags bis sonnabends täglich drei Mal auf eine Rundtour gehen, nach derzeitigem Stand um 10 Uhr, 16.30 Uhr und 18.30 Uhr. „Das sind genau die Zeiten, die von der NOB nicht abgedeckt werden“, erläutert Winkel.

Wagner hat die Bürgerbus-Idee bereits allen Dorfvorständen vorgestellt. Dort sei die Idee auf fruchtbaren Boden gefallen. Seine Hoffnung: in jeder Dorfschaft mindestens einen ehrenamtlichen Fahrer zu gewinnen.

Die geplante Strecke hat die Form einer Acht mit Bad
Malente-Gremsmühlen als Schnittpunkt. Schon früher sei die „Malenter Acht“ bei ÖPNV-Planern im Gespräch gewesen. Die Tour könnte beispielsweise von Malente aus über Kreuzfeld, Timmdorf, wieder Malente, Krummsee, Nüchel, Benz, Malkwitz, Söhren, Sieversdorf und Neukirchen zurück nach Malente führen, auf Wunsch mit kleinen Abstechern. Wagner: „Keine Dorfschaft – und sei sie noch so klein – wird vergessen.“

Umdenken mussten die Bürgerbus-Freunde beim Tarif. Die Idee, pro Fahrt einfach zwei Euro zu nehmen, lasse sich voraussichtlich nicht umsetzen, sagt Winkel. Denn der Kreis, der einen wesentlichen Teil der Betriebskosten des Bürgerbusses wird tragen müssen, wünscht sich eine Orientierung am landesweit gültigen SH-Tarif (Nah-SH). Vorteil: Wer etwa von Kiel nach Söhren oder umgekehrt fährt, kann mit einer einzigen Fahrkarte auch den Bürgerbus nutzen.

Bei der Malenter Politik scheint das Projekt gut anzukommen. In dieser Woche präsentierten die Initiatoren ihr Konzept den Fraktionsvorsitzenden und dem Bürgermeister. Wagner: „Wir haben mit massiver Kritik gerechnet, und es kam überhaupt keine Kritik.“ Geprüft werde nun, ob die Gemeinde als Projektträger in Frage komme.

Ein auch für Rollstuhlfahrer geeigneter Bus mit acht Fahrgastplätzen dürfte rund 70  000 Euro kosten. Etwa
die Hälfte könnte über die
Aktiv-Region Holsteinische Schweiz finanziert werden, hofft der 16-köpfige Verein. Weitere Gelder will der Vorstand beim Kreis, der Gemeinde, beim Land und privaten Spendern einwerben.

„Ende 2015, mit viel Glück schon im Spätsommer“, soll der Bürgerbus starten, sagt Winkel. Voraussetzung ist die Zustimmung des Kreistags. Am Montag, 16. Februar, wird sich der Verkehrsausschuss erstmals mit dem Thema befassen, kurz darauf, am Donnerstag, 19. Februar, der Malenter Sozialausschuss.


> Wer den Bürgerbus ehrenamtlich fahren oder Vereinsmitglied werden will, kann sich unter Telefon 04523/ 2076872 an Ingo Wagner wenden. Informationen gibt es auch im Internet: www.buergerbus-malente.de.

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