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Eutin : Bürgerarbeit: Jobcenter zieht positive Bilanz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Projekt läuft zum Jahresende aus. 344 Arbeitsplätze gab es – rund 30 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben eine Anschlussperspektive gefunden.

Sie sollte eine Chance sein, um Langzeitarbeitslose Schritt für Schritt wieder ins Berufsleben zu integrieren: die Bürgerarbeit. Drei Jahre sollte das mit europäischen Mitteln geförderte Projekt laufen. Ende des Jahres läuft es aus. Viele stehen danach wieder ohne Jobs da, aber einigen ist der Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt oder in eine andere geförderte Maßnahme geglückt.

„Wir hatten ursprünglich 263 Bürgerarbeitsplätze geplant, konnten aber dank vieler Beschäftigungsträger wie Gemeinden, Vereinen und anderen Einrichtungen 344 realisieren. Das war wirklich großartig“, freut sich Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters. Wann immer ein Bürgerarbeiter in eine andere Beschäftigung wechselte, konnte ein anderer nachrutschen. Gut zwei Drittel der Plätze waren im Bereich der sozialen Infrastruktur wie beispielsweise bei den Tafeln und Sozialkaufhäusern im Kreis sowie als Schul- oder Gemeindeassistent. „Den Einrichtungen zu helfen, die sich um die Grundversorgung der sozial Schwachen kümmern, lag mir persönlich sehr am Herzen“, sagt Marzian. Aber auch im Bereich Natur- und Umweltschutz waren zahlreiche Bürgerarbeiter aktiv – beispielsweise als „Naturparkranger Holsteinische Schweiz“. Angestellt beim Tochterunternehmen des Kinderschutzbundes Ostholstein, der Beschäftigung und Qualifizierung Ostholstein (BQOH) gGmbH, kümmerten sich die Ranger um die Beschilderung der Wanderwege, sorgten für Ordnung in Wald und Wasser und pflegten die Umsatzstellen an der Schwentine für die Paddler und Kanuten. „Wir sind derzeit in Verhandlung, ob wir das Projekt nicht irgendwie erhalten können, um den Service auch weiterhin zu bieten“, erzählt Jutta Blunck, stellvertretende Geschäftsführerin der BQOH. Die Bürgerarbeitsplätze der Naturparkranger laufen – wie die derzeit rund 110 anderen – zum Jahresende aus.

Marzian freute sich, dass entgegen aller Erwartungen nicht nur 15, sondern rund
30 Prozent der 344 Bürgerarbeiter andere Beschäftigungsverhältnisse im Anschluss bekommen haben. Karsten Marzian: „Viele Menschen mit teils multiplen Vermittlungshemnissen haben sich während der Zeit sehr gut entwickelt, und für die ist es wirklich toll, wenn sie jetzt eine Perspektive bekommen haben.“

Sabine Schroedter (46),
Martina Schinmeyer (51) und Carola Hower (33) sind drei der 60 glücklichen Menschen, die bei der BQOH eine Chance nach der Bürgerarbeit bekommen haben. Sie drücken die nächsten zwei Jahre die Schulbank, machen eine Ausbildung zur Verkäuferin. „Das ist die Chance, noch mal ganz von vorn anzufangen“, sagt Sabine Schroedter, deren Leben nach eigener Aussage bisher nicht so gerade wie bei anderen verlief. Seinen ersten festen Arbeitsvertrag überhaupt hat Dirk Kühl (49) auch bei der BQOH unterschreiben können. Zehn Jahre war er arbeitslos, hielt sich dann mit „Jobs und Maßnahmen“ über Wasser, bis er Bürgerarbeiter und schließlich angestellt wurde. „Es ist erstmal eine Perspektive“, sagt er. Das Jobcenter unterstützt laut Marzian, wann immer möglich, bis zu zwei Jahre Arbeitnehmer mit 75 Prozent Lohnzuschuss, wenn sie Langzeitarbeitslosen eine Chance geben. Marzian: „Der Markt spielt da gerade für uns. Die Unternehmer merken den demografischen Wandel und sind immer öfter bereit, sich auch diesen Menschen zu öffnen.“

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erstellt am 10.Okt.2014 | 13:51 Uhr

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