Eutin : Brustkrebs: Früherkennung kann Leben retten

Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz, Uta Fenske, René Saalmann, Susanne Wulff und Bettina Schultz sind sich einig: Nächstes Mal steht das Mammobil direkt vor der Klinik.
Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz, Uta Fenske, René Saalmann, Susanne Wulff und Bettina Schultz sind sich einig: Nächstes Mal steht das Mammobil direkt vor der Klinik.

„Nutzt die Chance und kommt zur Mammographie“, lautet der Aufruf an die teilnahmeberechtigten Frauen von den Ärzten des Brustkrebszentrums Ostholstein.

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18. Dezember 2014, 10:41 Uhr

„Nutzt die Chance und kommt zur Mammographie“, lautet der Aufruf an die teilnahmeberechtigten Frauen von den Ärzten des Brustkrebszentrums Ostholstein.

Die Zahlen bestätigen den Erfolg der Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs: 2013 waren es 132 Neuerkrankungen, in diesem Jahr sind es aktuell schon 148, wie Uta Fenske, Leiterin des Brustkrebszentrums Ostholstein mitteilte. „Besonders in dem Jahr, in dem das Mammobil hier ist, steigen die Zahlen“, sagt Fenske. Doch noch immer ist die Teilnahme der eingeladenen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren nicht so selbstverständlich wie in anderen Ländern. „In Norwegen gehen über 90 Prozent zum Screening, auch wenn sie dafür eine Tagesreise in Kauf nehmen müssen. Hier hoffen wir in diesem Jahr die 51 Prozentmarke des letzten Besuchs zu knacken“, sagt Susanne Wulff, die verantwortliche Ärztin des Screeningprogramms. Mögliche Gründe sieht sie in der Angst vor dem Befund: „Gerade zur Weihnachtszeit ist ein möglicher Krebsbefund nochmal ein extra sensibles Thema.“ Aber auch die Angst vor der Untersuchung selbst oder das fehlende Bewusstsein für die Chance, können laut Wulff Gründe für das Ignorieren der Einladung sein. „Dabei ist es besser, Zellveränderungen möglichst früh zu erkennen. Die Heilungschancen sind dann sehr hoch“, sagt Wulff. Statistisch gesehen sei die Chance zu den 95 Prozent zu gehören, die keinen Befund haben, sehr groß: Von 1000 gescreenten Frauen müssten 50 weitergehend untersucht und dann von 13 ergänzende Gewebeproben genommen werden. Darunter seien etwa sechs Frauen, bei denen bösartige Zellveränderungen im Frühstadium entdeckt würden, schildert Wulff. „Über 30 Prozent dieser gefundenen Knoten sind kleiner als zehn Millimeter, da sprechen wir von Frühsterkennung.“ Die Früherkennung gehe bis Knoten von zwei Zentimetern. René Saalmann, Oberarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, ergänzt: „Je kleiner der Knoten, desto geringer das Risiko der Streuung. Bei Knoten unter einem Zentimeter liegt die Heilungschance bei über 90 Prozent, bei bis zu zwei Zentimetern immer noch zwischen 70 und 80 Prozent.“ Durchschnittlich gebe es bei früherkannten Knoten in mehr als 80 Prozent der Fälle keine Hinweise auf eine Streuung. Susanne Wulff: „Vorm Programmstart waren es 49 Prozent. So eine gute Versorgung gab es noch nie.“ Diese Zwischenbilanz sei nach sieben Jahren möglich und sehr erfreulich. Vor dem Mammobil habe es nur die sogenannte „graue Mammographie“ gegeben, die jeder Gynäkologe in seiner Praxis gemacht habe, so Saalmann. Der Qualitätsunterschied – nicht nur aus technischer Sicht sondern auch wegen der Expertise – sei enorm: „Ein Gynäkologe hat vielleicht 400 Brüste im Jahr untersucht, Susanne Wulff macht 30  000 und immer mit einem Kollegen.“

Alle Ärzte betonen: „Regelmäßige Untersuchungen können keine Krebserkrankung verhindern.“ Wichtig sei, das betont auch Bürgermeister Dieter Schulz, die Chance zu ergreifen, zu solch einer Untersuchung zu gehen und abzuklären, ob es einen Hinweis auf mögliche Zellveränderungen gibt. „Ist der Krebs erst einmal da, zieht es einen den Boden unter den Füßen weg“, weiß Schulz aus seinem Bekanntenkreis. Das bestätigt auch das Ärzteteam. „Wir sorgen bei unseren Einladungen zur weitergehenden Untersuchung deshalb dafür, dass sie die Frauen am Donnerstag erreichen, damit sie uns noch anrufen können“, sagt Wulff. „Oft können wir beim Blick auf die Bilder schon mal beruhigen.“

Warum werden nur Frauen zwischen 50 und 69 eingeladen? Wulff: „Brustkrebs ist altersabhängig. Je älter man wird, desto höher ist das Risiko, daran zu erkranken.“ Frauen, die familiär vorbelastet sind, sollten sich früher untersuchen lassen.


Das Mammobil steht bis 6. Februar vor der onkologischen Tagesklinik.

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