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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 14:20 Uhr

Brücken zwischen Kulturen schlagen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Diakonin und Traumapädagogin Silke Schicke kümmert sich bei der Gemeinde Malente um die Koordination der Flüchtlingsarbeit

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 14:51 Uhr

In den ersten Wochen hatte sie schon einiges zu tun. Seit Silke Schicke mit Beginn des neuen Jahres ihren Job als Koordinatorin der Flüchtlingsarbeit bei der Gemeinde angetreten hat, sind gut 20 Flüchtlinge nach Malente gekommen – sowohl Einzelpersonen als auch Familien, die meisten von ihnen aus Syrien. „Ich kümmere mich um alles, was über die Unterbringung hinausgeht“, erläutert die 39-Jährige. Es gehe ihr darum, Möglichkeiten der Integration zu schaffen und den ehrenamtlichen Helfern in Malente eine Unterstützung zu sein.

„Deutschland wird sich verändern, eine Menge Menschen werden bleiben“, ist Silke Schicke überzeugt. Bislang sind gut 100 Flüchtlinge in der Gemeinde untergebracht, bis zum Ende des Jahres sollen es nach offiziellen Vorgaben 227 werden. Sie wolle dabei helfen, den Neuankömmlingen Perspektiven aufzuzeigen, Brücken zwischen den Kulturen zu schlagen und Ansprechpartner vor Ort zu sein. „Das ist eine spannenden Aufgabe“, sagt die Malenterin.

Es liegt sicherlich auch an ihren Qualifikationen, dass sie sich gegen mehrere Stellenbewerber durchsetzte. Denn Schicke, die aus Hessen stammt, vereint gleich drei Berufe in sich. Sie ist Erzieherin, Diakonin und außerdem Traumapädagogin. Und sie hat Erfahrungen mit Flüchtlingen. Denn von 2005 bis 2007 arbeitete sie in Lübeck in einer Erstaufnahmeeinrichtung als Verfahrensberaterin mit besonderem Schwerpunkt auf frauenspezifischen Fluchtgründen wie etwa körperliche Gewalt oder Vergewaltigungen. Bis Ende 2015 war Schicke im Mutter-Kind-Kurheim des CJD in Malente beschäftigt.

Sie stehe den Flüchtlingen als Ansprechpartnerin für den Umgang mit Ämtern zur Verfügung, ermittele, welche sprachliche Förderung nötig sei oder kümmere sich darum, dass die Kinder in die Schule oder den Kindergarten kämen. Auch die Gestaltung des Alltags spiele eine Rolle. Das umfasse Einkaufsmöglichkeiten, Tafel und Kleiderkammer, Mülltrennung und die Vermittlung von Patenschaften unter den Flüchtlingen, berichtet Silke Schicke. Und sie sei auch Ansprechpartnerin für ehrenamtliche Helfer, die noch bis Ende März von der Malenter Awo koordiniert werden. „Die sind alle superengagiert und kümmern sich zum Teil rührend um die Flüchtlinge“, hat die Koordinatorin festgestellt. Jetzt gelte es, zu sehen, wie die Zusammenarbeit künftig gestaltet werden könne.

Die Stimmung unter den Flüchtlingen sei durchwachsen, hat Silke Schicke beobachtet. Viele fragten, warum sie so lange auf das „Interview“ warten müssen, wie der Anhörungstermin für das Asylverfahren genannt wird. Manche müssten viele Monate warten, einige hätten noch nicht mal einen Termin, weiß die Koordinatorin. Auch die Angst, Deutschland wieder verlassen zu müssen, spiele eine Rolle. „Da gibt es viele Unsicherheiten.“

Andererseits seien viele froh, dass es hier ruhig sei, nach dem, was sie auf der Flucht oder an Gewalt in ihren Heimatländern erlebt hätten. Silke Schicke ist sich sicher, dass auch in Malente traumatisierte Flüchtlinge leben. „Wenn man mit einigen ins Gespräch kommt und sie erzählen, dass sie vor Lampedusa fast ertrunken wären, denkt man sich schon seinen Teil.“ Doch man könne nicht vorhersehen, ob und wann das hochkomme. Wenn das passiere, könne sie jedoch aufgrund ihrer Ausbildung professionell darauf reagieren.

Brücken zwischen den Kulturen zu schlagen, das geht nicht mit der Brechstange, ist Silke Schicke überzeugt. Sie setzt vielmehr auf den Dialog. Intensiv diskutiert worden sei beispielsweise bei Veranstaltungen, die ein Ehrenamtlicher, ein pensionierte Polizist, zum Thema Meinungs- und Pressefreiheit angeboten habe. Verletzende Karikaturen seien da ein heißes Thema gewesen, erinnert sich Silke Schicke.

Ansätze, traditionelle Rollenbilder in Frage zu stellen, ergäben sich oft im Alltag. Etwa, wenn sich eine Mutter nicht mit dem Kind zum Arzt traue, weil sie sie die Sprache nicht beherrsche. Dann werde nach Möglichkeiten gesucht, dass auch die Mutter Sprachunterricht bekomme.

Ein traditionelles Rollenverständnis, bei dem der Mann das Sagen habe, sei aber bei Flüchtlingen durchaus nicht die Regel, betont Silke Schicke. „Es gibt auch Männer, die würden alles für ihre Frau tun.“ Und manchmal habe auch die Frau die Hosen an.

> Wer sich in Malente ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagieren will, kann sich an Silke Schicke wenden. Sie ist zu erreichen unter Telefon 04523/9920-44 oder online unter silke.schicke@gemeinde-malente.la

ndsh.de.

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