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Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 04:36 Uhr

Brücken in die Herzen der Zuhörer

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein Konzert berührt die Zuhörer: Mit dem Begriff „Klezmer Bridges“ hatten Giora Feidman und die vier Cellisten des Rastrelli-Quartetts den richtigen Titel gewählt.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2015 | 16:30 Uhr

 Sehr passend war
der Titel: „Klezmer Bridges“.
Der Klarinetten-Virtuose und Klezmer-Star Giora Feidmann und das Rastrelli-Cello Quartett schlugen Montagabend in der Nicolaikirche nicht nur Brücken zwischen Musikrichtungen, sondern auch zu den Zuhörern, in das Innerste ihrer Herzen.

„Juden und Deutsche sind eine Familie. Das ist ein Vorbild für die ganze Welt“, sagte Giora Feidman, dessen Moderation leise, aber umso wirkungsvoller war. „Gott, wir wollen Liebe und Frieden“ war seine Botschaft. Als der 79-Jährige als Hommage an Deutschland, Israel und Palästina deren Nationalhymnen in einer beeindruckenden Mischung spielte, wurden bei vielen Besuchern die Augen feucht.

Schon mit den ersten leisen Tönen zogen die Musiker ihr Publikum in ihren Bann und zeigten, welche Leidenschaft, Hingabe und Liebe mit Musik verbunden sein kann. Feidmans Klarinette und Bassklarinette schienen zu sprechen und Geschichten über Freude, Sehnsucht, Lachen und Weinen zu erzählen.

Das Konzert war mehr als ein Treffen zwischen Klezmer und Celli. Die Arrangements der Stücke ließen vergessen, dass nur zwei Instrumentenarten auf der Bühne agierten. In einem Moment drangen Geigenklänge an das Ohr des Zuhörer, der im nächsten Moment den Eindruck hatte, ein ganzes Orchester zu hören. Feidman und das Cello-Quartett interpretierten Orffs Carmina Burana ebenso beeindruckend wie das folkloristische „Bublischki“ bis hin zu Gospels, dem Beatlees-Song „When I‘m 64“ und „What a wonderful world“ von Louis Armstrong.

Es sei etwas besonderes, in Kirchen zu spielen, sagte
Giora Feidman, Sohn jüdischer Eltern, die 1905 nach Argentinien ausgewandert waren. „Eine Kirche ist ein Tempel voller Energie. Du fühlst, dass es ein Platz ist, an dem Menschen beten – egal welcher Religion. Und wenn die Kirche mit Menschen gefüllt ist, verbindet sich die Energie, wenn ich zu spielen beginne.“ Ein Konzerthaus könne diese Energie nicht bieten. Wenn es leer sei, sei es eben nur ein Konzerthaus.

Wie der siebenjährige Felix aus Neustadt, gehörten auffällig viele Kinder - vom Kleinkind bis zu Jugendlichen - zu den aufmerksamen Konzertbesuchern. Sie lauschten den Klängen, wippten mit und schienen die Musik tief in sich aufzunehmen. „Mit gefiel am besten, als alle bei Donna, Donna mitgesungen haben“, sagte Felix. Er wollte dieses Konzert unbedingt erleben, nachdem ihm seine Mutter eine CD von Feidman vorgespielt hatte. Und so war der Abend nicht nur ein Brückenschlag der Musik und der Herzen, sondern auch der Generationen.


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