Brennerei an der Sielbecker Ukleiau

Eine Verlängerung der Konzession von 1835 bis 1853.
Eine Verlängerung der Konzession von 1835 bis 1853.

Ein Krug an der Ukleiau durfte im 19. Jahrhundert eigenen Schnaps produzieren

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15. Oktober 2011, 08:10 Uhr

Sielbeck | Die heute so ansehnliche Dorfschaft Sielbeck ist aus kleinsten Anfängen hervorgegangen. Das Türkensteuerregister von 1549 nennt als Bewohner nur den Hufner Vollert Spieckermann, der einen mittelgroßen Bauernhof bewirtschaftet, und einen Hinrich Spieckermann, von dem es - auf Lateinisch - heißt, er diene beim Schloss in Eutin als Aufseher bei den Pferden.

War es ein Sohn oder Bruder des genannten Hufners? Wir wissen es nicht.

100 Jahre später nennt ein bischöfliches Verzeichnis für Sielbeck wieder nur einen Hufner Hans Spieckermann. Der Hof befindet sich also immer noch im Besitz der selben Familie, so auch noch weitere 150 Jahre später, im Jahre 1709, als das Erdbuch den Vollhufner Hans Spieckermann aufführt, aber dazu jetzt als Dorfbewohner noch drei Kätner mit geringem Besitz.

Einer von ihnen heißt Hinrich Steinbeck. Er besitzt eine etwas größere Kate mit Stall und Backhaus sowie einen kleinen Kohlhof. Er hat etwas Land gepachtet und hält zwei Kühe und sieben Schweine. Sein eigentlicher Beruf ist Wandmacher.

Das ist kein Maurer, sondern ein Tuchmacher. "Wand" ist im damaligen Sprachgebrauch "Tuch", heute noch enthalten, zum Beispiel in den Wörtern Leinwand und Gewand.

Aber wesentlich für unsere Betrachtung ist, dass er die Konzession hat, eine kleine Krugwirtschaft zu betreiben, wofür er jährlich zwei Reichstaler und 32 Schillinge "Krugheuer" in die bischöfliche Kasse zahlt. Seine Kate steht dort, wo der Weg über die Ukleiau führt, die dann in den Kellersee fließt. Gab es damals schon eine Brücke? Auch von anderen Orten ist bekannt, dass sich bei Flussübergängen, die ja immer ein gewisses Hindernis sind, oft ein Wirtshaus befand.

Im Jahre 1709 war die Krugkate im Besitz von Johann Friedrich Westphal; 100 Jahre später ist Hans Heinrich Dürkop Krüger in Sielbeck. Es sind die schweren Zeiten nach den napoleonischen Kriegen. Die Kriegsfolgen haben das Land wirtschaftlich fast an den Rand des Ruins gebracht.

Der Krüger Dürkop stellt daher bei der Regierung in Eutin den Antrag, "zu seinem besseren Fortkommen" eine Branntwein-Brennerei betreiben zu dürfen. 1821 erteilt Herzog Peter Friedrich Ludwig ihm diese Konzession gegen die Zahlung eines Reichstalers jährlich sowie der "Accise", das heißt Branntweinsteuer.

Einige Jahrzehnte ist in Sielbeck Branntwein aus Eigenproduktion ausgeschenkt worden.

Woraus wurde dieser "Sielbecker Köm" hergestellt? Es war gewiss kein billiger Kartoffelschnaps. War es ein echter Köm, also Kümmelschnaps, oder der edle Weizenkorn? Auch aus Roggen, Gerste, Hafer lässt sich Branntwein herstellen. Leider sagen die Unterlagen darüber nichts aus.

Auch die nachfolgenden Katenbesitzer und Kruginhaber haben in ihrem Backhaus "mit einem Kessel", wie es heißt, Schnaps gebrannt. Aber der Absatz wird nicht groß gewesen sein. Noch gab es keine Feriengäste in Sielbeck. Es werden wohl die Kutscher und Bauern gewesen sein, die auf dem Wege von und nach Eutin hier kurz Halt machten und "einkehrten".

Im August 1854 stellt der damalige Krugwirt A. H. Knoop bei der Großherzoglichen Regierung in Eutin den Antrag auf "Aufhebung seines Privilegiums zur Branntwein-Brennerei". Er habe zwar die Brennerei nur gelegentlich betrieben, aber jetzt mache das neue Branntsteuergesetz diesen Betrieb unrentabel.

Dem Gesuch wird stattgegeben. Damit endet der Ausschank von echtem Siel becker Schnaps.

Die Krugwirtschaft bestand jedoch weiterhin. Sie befand sich nach wie vor an der Straße über die Ukleiau, wo später die etwas heruntergekommene Gastwirtschaft stand, die im Volksmund "Zum schmierigen Löffel" genannt wurde. Heute steht dort ein Neubau.

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