Eutin : Breitner: Alles chico hier

Statt Unterricht genossen die Polizeischüler ein Gespräch mit ihrem obersten Dienstherrn, Innenminister Breitner.
Statt Unterricht genossen die Polizeischüler ein Gespräch mit ihrem obersten Dienstherrn, Innenminister Breitner.

Der Innenminister stand Polizeischülern Rede und Antwort über Politik, Beruf und Familie.

shz.de von
26. Juni 2014, 15:11 Uhr

Innenminister Andreas Breitner liebt den direkten Kontakt mit Menschen und ist keiner, der massenhaft Akten zum Studium nach Hause mitbringt. Das erfuhren angehende Polizisten gestern im Gespräch mit dem SPD-Politiker. „Ich habe zu Hause zwei Vierjährige und einen Sechsjährigen. Das schließt es aus, dass ich zu Hause Akten bearbeite“, erklärte Breitner. Der Minister war in die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und Bereitschaftspolizei (PDAFB) nach Eutin gekommen, um zwei Ausbildungsgruppen mit insgesamt 49 Polizeimeisteranwärtern eine Unterrichtsstunde zu absolvieren.

Ob er Zeit für seine Kinder habe, wollte ein Polizeischüler wissen. Breitner räumte ein, dass es ein Spagat sei, Beruf und Familie miteinander in Einklang zu bringen. Er habe versucht, kürzer zu treten, doch: „So richtig was ist da nicht rausgekommen“, räumte Breitner ein. Denn er wolle Erfolg haben, und das gehe nicht ohne Engagement. Immerhin: Mit seiner Frau, einer Polizeibeamtin, habe er vereinbart, dass ein Wochenende im Monat ganz frei sein müsse.

Es war bereits das dritte Mal, dass Breitner Polizeischülern in Eutin Rede und Antwort stand. Das will er auch in Zukunft. Wie bei den vorigen Besuchen erlebten die jungen Polizisten ihren Dienstherren ziemlich entspannt. So plauderte der 47-Jährige in lockerem Ton über seinen beruflichen Werdegang und beantwortete Fragen zu seinem Arbeitsalltag, politischen Themen oder zur Ausbildung in Eutin.

Zu Gute kam dem Minister dabei, dass er aus eigener Anschauung weiß, wovon er spricht. Denn 1987 begann der ehemalige Polizeihauptkommissar an der Verwaltungsfachhochschule in Altenholz seine Polizeilaufbahn, die bis zu seinem Dienstbeginn als Rendsburger Bürgermeister 2003 dauerte. Erst vor einiger Zeit habe er beim 25. Jahrgangstreffen in der Bewerber- und Einstellungsstelle der PDAFB übernachtet.

Seit seinen Anfängen bei der Polizei hat sich viel getan, findet Breitner: „Als ich 1987 vereidigt wurde, bin ich hier noch mit Militärmusik einmarschiert.“ Mittlerweile sei die Landespolizei eine Bürgerpolizei im besten Sinne. Eine Datensammelwut gebe es da nicht, betonte Breitner mit Blick auf die kritische Haltung der Piraten-Partei zur Landespolizei. Den jüngsten Fehltritt des Piraten-Abgeordneten Patrick Breyer wollte Breitner trotzdem nicht so hoch hängen. Breyer hatte jüngst geheime Dokumente ins Internet gestellt und so Namen von Beamten öffentlich gemacht, die im Rockermilieu ermitteln. Er akzeptiere Breyers Entschuldigung, sagte Breitner und fügte fast schon lobend hinzu: „Das hab ich ansonsten auch nicht so oft in der Politik.“

Keine Probleme hätte Breitner mit einem Facebook-Auftritt der Landespolizei: „Ich bin selbst seit fünf Jahren auf Facebook aktiv“, verriet er. Allerdings poste er nichts Privates, sondern ausschließlich Berufliches. Für die Polizei müsse es ein durchdachtes Konzept geben: „Wir sind nicht Meier, Müller, Lehmann.“

Richtig kritische Fragen musste sich der Minister nicht gefallen lassen. Es ging eher um Kleinigkeiten wie einen fehlenden Kraftraum, oder das veraltete Großformat der Dienstausweise. Mit Verpflegung und Wohnsituation zeigten sich die Polizeischüler zufrieden, freuten sich auf einen bevorstehenden Umzug auf die benachbarte Wilhelmshöhe, wo die Polizei Wohnungen angemietet hat. Breitners Fazit: „Alles chico hier.“

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