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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 10:43 Uhr

Braucht Eutin eine neue Schule?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ausschuss diskutiert über Sanierung der Grundschule am Kleinen See / Zeitgemäßer Unterricht nur mit Neubau möglich

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2017 | 00:01 Uhr

„Was will die Stadt und was für eine Grundschule möchte die Politik in dieser Stadt? Das sollte sich der Schulausschuss hier fragen“, fand Christine Ludwig, Direktorin der Gustav-Peters-Grundschule, am Dienstagabend deutliche Worte im Schulausschuss. Eine Entscheidung gab es – so viel vorweg – auch diesmal nicht. Aber der Ausschuss bekam in aller Deutlichkeit aufgezeigt, dass es dieser dringend Bedarf und ein nicht vorhandenes Schulkonzept der Stadt so immer wieder um die Ohren fliegt.

Das Schulgebäude mit den Pavillons aus dem Jahr 1959 am Standort Kleiner See zu sanieren, sei „unter den gegebenen Umständen nicht zielführend“, urteilte ein beauftragter Architekt im Gutachten für die Stadt. Schwarz auf weiß steht darin, dass allein die energetische Sanierung für die Grundschule rund 5,6 Millionen Euro kosten würde, nicht kalkuliert sind dabei die Ausstattung. Die Zahlen selbst beruhen auf Erkenntnissen aus dem Klimaschutzteilkonzept von 2011, seien entsprechend vorsichtig zu behandeln – oder wie Katja Behrends (SPD) es formulierte „überhaupt nicht belastbar, nur Makulatur“.

Die Turnhalle am Standort beschreibt Ludwig als „desolat und marode“, insbesondere die sanitären Anlagen seien dringend sanierungsbedürftig. Der Gutachter schätzt allein die Kosten für Ausbau und energetische Sanierung dieser Turnhalle auf rund 1,7 Millionen Euro. Ludwig sei froh, das Gebäude noch nutzen zu können, aber zeitgemäßen Anforderungen an heutigen Unterricht erfülle weder das Schulgebäude noch die Turnhalle.

Dass dies nicht nur Lehrer-, sondern auch Elternmeinung ist, zeigte die Aktion des Kreises am vergangenen Samstag. Auf mehreren Zetteln schrieben Menschen, dass sie sich eine Verbesserung der Zustände des Schulgebäudes am Kleinen See wünschen würden.

Bürgermeister Carsten Behnk überraschte mit seiner Einschätzung der Situation: „Es ist keine neue Turnhalle aber marode oder katastrophal ist es auch nicht. Es ist ein genehmigtes Gebäude. Wir müssen aufpassen, was solche Äußerungen sonst nach sich ziehen.“ Die Ausschussmitglieder diskutierten über das Raumprogramm, das die Direktorin der Verwaltung zur Verfügung gestellt hatte. Zu jedem Klassenraum gehören demnach, „um vernünftigen Unterricht zu machen“, auch ein einzelner Gruppenraum. „Mit einer kleinen Gruppe dann auf den Flur zu gehen, um etwas noch einmal zu erklären, wie wir es heute teilweise müssen, ist eigentlich kein Zustand“, sagte Ludwig.

Annette Rudolph vom zuständigen Fachdienst der Stadt verdeutlichte: „Soll es am Standort weitergehen, müssen die Räume der Wisser-Schule frei für die Grundschüler sein. Aber so lange können wir nicht warten, da immer wieder Sanierungsbedarf vor Ort auftritt. Die Pavillons zu sanieren, macht keinen Sinn.“

Der Ausschussvorsitzende Hanjo Iwanowitsch (SPD) fasste nach längerer Diskussion zusammen: „Das scheint ja auf einen Neubau hinauszulaufen. Aber über ein Raumprogramm wollen wir heute nicht entscheiden, da wir das noch nicht in der Fraktion besprochen haben. Auf die Frage von Klaus Kibbel (SPD), ob die Bindung an den Standort Kleiner See besteht oder alles auch an der Blauen Lehmkuhle umzusetzen sei, antwortet Ludwig: „Für das Kollegium und auch die Kinder würde ein Standort aus organisatorischen Gründen viel vereinfachen.“ Kathrin Pitzner (CDU) erinnerte daran, dass sich der Ausschuss für drei Standorte ausgesprochen habe. Die Direktorin selbst sieht die Entscheidung, über die sie sich einst freute, nun nicht mehr für verpflichtend: „Seitdem hat sich viel geändert im Schulalltag. Gerade das Thema Inklusion und Vertretungen in Krankheitsfällen wäre an einem Standort viel besser zu organisieren und umzusetzen.“

Monika Obieray (Grüne) war im Gegensatz zum Ausschussvorsitzenden für eine Entscheidung: „Wenn wir heute wieder nichts beschließen, haben wir wieder nichts getan und kommen kein Stück voran.“ Grünen-Kollegin Christiane Balzer unterstützte sie: „Wir müssen auch mal irgendwann Entscheidungen auf der Grundlage von Fakten treffen, die wir hier haben. Die Frage, ob wir den Schulstandort sanieren können oder nicht, hängt auch von den anderen Entscheidungen ab, die in Bezug auf die Wisser-Schule und die Turnhalle zu treffen sind.“

Im nächsten Schulausschuss vor der Sommerpause soll das Thema noch einmal auf die Tagesordnung.

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