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Ostholsteiner Anzeiger

19. November 2017 | 07:56 Uhr

„Bounty“-Problem vertagt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Verhärtete Fronten: Bürgermeister sieht keine Chance für das Schiff am Schloss / Ausschuss lädt Experten ein

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2017 | 00:28 Uhr

Was ist langfristig wichtiger für die Stadt: Wohlgesonnene Fördermittelgeber und Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde oder ein Holzschiff vor dem Schloss? Das war die heiß diskutierte Frage Mittwochabend im Bauausschuss. Statt einer mehrheitsfähigen Standortentscheidung votierten die meisten Mitglieder dafür, noch einmal mit Experten zu diskutieren.

Die FDP, mit der Bounty-Kämpferin Margret Möller, hatte beantragt, das Schiff am Schloss stehen zu lassen, ungeachtet der drohenden Fördermittelrückzahlungen (wir berichteten). Im Ausschuss bekräftigte Möller: „Es geht mir dabei ausschließlich um die Kinder der Stadt und der Region.“ Klaus Kibbel (SPD) sah das anders: „Das Schiff muss da runter. Wir brauchen sonst später nicht ankommen bei der Denkmalschutzbehörde und noch mal irgend ein Anliegen haben, wenn wir jetzt Verträge brechen.“ Er wollte die Höhe der drohenden Fördermittelrückzahlung wissen, wenn das Schiff in den Seepark versetzt würde. Da dieser Park im Gesamtkonzept der Stadt als „Spiel- und Familienpark“ ausgewiesen sei. Thomas Koebke (FWE) versuchte zu vermitteln: „Die Lebensdauer eines Holzspielschiffes wird zehn Jahre nicht übersteigen. Vielleicht kann man da einen Kompromiss finden mit den Bedenkenträgern.“ Es mache sich an d er Stelle sehr gut, alles andere sei den Eutinern nicht zu vermitteln.

Bürgermeister Carsten Behnk sprach Klartext: „Wir sind an einem Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Das Ding muss da weg. Mir blutet auch das Herz. Aber der Beschluss, das Schiff stehen zu lassen, würde mich zu einem Widerspruch zwingen.“ Vielleicht gelinge es, das Schiff über diese Saison bis zum Herbst stehen zu lassen, doch das könne er nicht versprechen. „Wir sind schon so weit, dass die Denkmalschutzbehörde Zwangsmaßnahmen gegen uns prüft und das muss eigentlich nicht sein zwischen Behörden, die sonst gut miteinander arbeiten“, sagte Behnk. Er habe sogar versucht, über ein museumspädagogisches Programm etwas zu erreichen. „Das hat den Entscheidern aber nur ein müdes Lächeln abgerungen“, sagte Behnk.

Die CDU forderte schließlich nach einer guten Stunde Diskussion die Abstimmung über den Standort Schwimmhalle. „Es ist kindisch, den Bürgermeister zu etwas zwingen zu wollen. Wir sollten das Schiff an die Schwimmhalle stellen und da stürzt auch keiner ins Wasser, das muss ja nicht direkt an der Uferkante stehen“, spielte Kathrin Pitzner (CDU) auf die von den Grünen geäußerte Kritik an, als der Standort Schwimmhalle mehrheitlich in einem Hauptausschuss abgelehnt wurde. Mittwochabend hieß es dazu von der CDU: „Das war nur wegen der Höhe der Kosten.“

Über den Standort wurde aber trotzdem nicht abgestimmt. Klaus Kibbel beantragte für die SPD eine Verschiebung der Entscheidung, Christiane Balzer (Grüne) eine Verschiebung verbunden mit einer Einladung von Professor Paarmann (Denkmalschutz) und einer Mitarbeiterin des Innenministeriums, um die Situation vor Ort zu klären. Beide Anträge wurden mit Ausnahme der CDU mehrheitlich beschlossen. „Ich werde nachprüfen, ob das rechtsgültig ist“, kündigte Rachfahl an. Denn aus Sicht der CDU sei der weitestgehende Antrag, der zuerst abzustimmen ist, der über den Standort Schwimmhalle gewesen. Wann die „Bounty“ wieder Thema im Ausschuss sein wird, und ob das Spiel auf Zeit wirklich etwas ändert an der Rechtsauffassung, blieb gestern offen.

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