Bosau : Bosauer sind für Energiewende – aber nicht im Naturpark

Etwa 60 Besucher waren zum Bauausschuss in die Turnhalle gekommen.
Etwa 60 Besucher waren zum Bauausschuss in die Turnhalle gekommen.

Einstimmiger Beschluss im gemeindlichen Bauausschuss zur Stellungnahme der Gemeinde zum Beteiligungsverfahren des Landes.

23-24686863_23-56998053_1386856218.JPG von
27. November 2018, 11:25 Uhr

Die Windkraft ist weiterhin beherrschendes Thema in der Gemeinde Bosau. Rund 60 Besucher kamen am Montagabend in die Latendorf-Turnhalle, um über die Stellungnahme der Gemeinde im Beteiligungsverfahren des Landes zur Windkraft bei Kiekbusch und Hutzfeld zu diskutieren. Am Ende wurde die bekannte Stellungnahme leicht modifiziert, aber einstimmig, vom Bauausschuss der Gemeindevertretung zur Beschlussfassung vorgeschlagen.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen Nabenhöhen und Abstände der Windräder zu Wohngebieten aber auch ein in Hutzfeld in Verlängerung des Edeka-Marktes geplantes Gebiet für Gewerbeansiedlungen. Die Politik hat dort bereits die Schaffung eines Gewerbegebietes auf den Weg gebracht, die Gegner der Windkraft in Hutzfeld hätten dort aber lieber ein Mischgebiet mit Wohnbebauung, um durch erhöhte Abstandsforderungen die Windkraft zwischen Hutzfeld und Majenfelde zu verhindern.

„Halb Hutzfeld ist bereits ein Mischgebiet“, sagte Bürgermeister Mario Schmidt. Die Gemeinde benötige dringend ein Gewerbegebiet. Das Gewerbegebiet in Quisdorf sei zu feucht und nicht ausreichen. Kritiker hatten Furcht, dass bei der Forderung nach einem Gewerbegebiet in Hutzfeld der Investor abspringen würde. Ihm sei es egal, ob er ein Gewerbegebiet oder ein Mischgebiet erschließe, sagte der Investor noch am Montagabend dem OHA. Ein Mischgebiet habe den Vorteil, dass der Eigentümer dort auch wohnen könnte. „Dadurch ist die Vermarktung attraktiver“, sagte er wetier. Die Gewerbesgtruktur in Bosau sei wenig produktionsorientiert. Doch aufgrund des geringen Gewerbesteuersatzes sei Potenzial vorhanden.

Enno Meier-Schomburg vom Eutiner Planungsbüro erläuterte noch einmal die Kriterien: „Die alle Punkte wurden von der Landesplanung beachtet oder fachgerecht abgearbeitet worden.“ So gebe es Abwägungsmängel. Der Abstand der Anlage zu Hutzfeld sei größer geworden, das Feld aber für die Windkraft kleiner.

„Bei einer Höhe von 150 Meter muss mindestens das fünffache an Abstand eingehalten werden“, sagte Planer Enno Meier-Schomburg. Nichts gesagt worden sei zur Gleichbehandlung gemeindlicher Belastungen. Es gehe in Kiekbusch auch noch um Abstände im Außenbereich. Auch an das Biotopsystem müsse das Land erinnert werden. Außerdem, so der Planer, stehen die Flächen für Windenergie im Naturpark, in dem Natur- und Landschaft geschützt seien, was nicht ausreichend abgewogen worden sei.

Detlef Martwich (CDU) sagte, seine Fraktion sei grundsätzlich für die Energiewende, nämlich da, wo sie sinnvoll sei, aber mit Augenmaß und der Ausschöpfung aller Möglichkeiten der Einflussnahme. Eine Diskussion um ein Gewerbe- oder ein Mischgebiet werden Windmühlen nicht verhindern.

Frank-Michael Sobieski (Grüne) sprach sich für die Windkraft aus: „Aber nicht in einem Naturpark.“ Die Gemeinde habe eine gute Stellungnahme, die bereits alles berücksichtige. Auch die FDP sei für Windkraft, bekräftigten Dr. Joachim Rinke und Holger Marohn – aber nicht in einem Naturpark. Marohn forderte die Bosauer zur eigenen Stellungnahme auf: „Laute Schreie spielen bei der Landesplanung eine wichtige Rolle.“

Andreas Knapp (BfB) sagte, seine Intitiative sei für die Energiewende und für Windenergie. Er gehe davon aus, dass sich der Bau von Windkraftanlagen in der Gemeinde Bosau nicht mehr wirtschaftlich darstellen lasse, weil der Strom gar nicht abgenommen werden könne. Die SPD ist für Windenergie, die verträglich mit Mensch und Natur ist, sagte Birgit Steingräber-Klinke. Etwas unruhig wurde es in der Turnhalle, als sie eingestand, dass der Anblick von Windkraftanlagen beruhigend auf sie wirke. Und auch die roten Lichter ganz oben drauf störten sie nicht im Schlaf. Und sie stellte klar: „Die SPD möchte in Hutzfeld ein Gewerbegebiet, damit dort auch Gewerbe möglich wird.“

In der Diskussion meldeten sich Windkraftgegener zu Wort. Der Naturpark werde mit Windkraftanlagen verschandelt. Das landschaftliche Juwel müsse erhalten bleiben oder die Gemeinde verstecke sich hinter dem Verfahren des Landes. Die Windkraft wird die Gemeindepolitik wohl weiter in Atem halten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen