Böses Ende eines Freundschaftsdienstes

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16. August 2018, 09:57 Uhr

Wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung stand ein 32-jähriger Preetzer vor dem Plöner Amtsgericht. Mit Gewalt soll er im Oktober versucht haben, Geldforderungen bei einem 33-jährigen Arbeitslosen aus Ascheberg einzutreiben. Obwohl er die Vorwürfe abstritt, ging der Angeklagte letztendlich auf den Vorschlag des Gerichts ein, das Verfahren gegen eine Zahlung von 450 Euro an eine gemeinnützige Organisation einzustellen.

Laut Anklageschrift war der Angeklagte in den Nachmittagsstunden des 6. Oktobers 2017 bei seinem Opfer erschienen, um eine Restforderung aus einem Darlehen von 500 Euro gewaltsam einzufordern. An all dem sei nichts dran, erwiderte der Angeklagte. Er sei zum Tatzeitpunkt überhaupt nicht in Ascheberg gewesen, sondern bei seiner Mutter zum Mittagessen. Warum der angeblich Geschädigte mit so einer „Story“ bei der Polizei erschienen sei, könne er sich überhaupt nicht erklären.

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung sei ein Freundschaftsdienst gewesen, schilderte der Betroffene: Weil die Arbeitsagentur in gesperrt habe, habe der Angeklagte ihm 500 Euro geliehen. Schriftlich sei nichts festgehalten worden. Es habe das Wort unter Freunden gegolten. Auch als die Freundschaft zerbrochen sei, habe er sich bemüht, seine Schulden abzutragen – zur Tatzeit sei noch ein Betrag von 120 Euro offen gewesen.

Von Bekannten sei er am Tattag gewarnt worden. Man habe ihm gesagt, dass der Angeklagte auf dem Weg zu ihm sei, um eine „Pfändung“ vorzunehmen. Weil er eine körperliche Auseinandersetzung fürchtete und zu der Zeit seine Freundin mit der gemeinsamen, ein Jahr alten Tochter im Hause gewesen sei, habe er den Angeklagten im Vorgarten abgefangen. Auf seinen Vorschlag, ihm die restlichen 120 Euro in zwei Raten zu zahlen, sei der Angeklagte nicht eingegangen. Auch die angebotene Rate von 60 Euro, die er sich für diesen Zweck ins Portemonnaie gesteckt habe, habe der Angeklagte abgelehnt. Stattdessen habe dieser versucht, gewaltsam ins Haus einzudringen. Mit einem Stock habe er den Angriff des Angeklagten abgewehrt. Dabei sei auch Blut geflossen.

Bei der Auseinandersetzung sei ihm das Portemonnaie aus der Gesäßtasche gefallen. Der Angeklagte habe es an sich genommen und damit das Grundstück verlassen. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, habe er den Angeklagten mit der Geldbörse „ziehen“ lassen.

Einige Stunden später sei er erneut vor dem Angeklagten gewarnt worden. Dieser habe, so sei ihm berichtet worden, in Preetz ein paar Kumpel „angeworben“, um ihm einen nächtlichen „Besuch“ abzustatten. Tatsächlich sei gegen 23 Uhr ein Wagen mit vier Männern vor dem Haus vorgefahren, darunter der Angeklagte. Mit einem Schlagstock sei versucht worden, die Glasfüllung der Haustür einzuschlagen. Weil er sein Handy in der Aufregung nicht so schnell gefunden habe, sei er durch ein Fenster zu Nachbarn geflüchtet, um von dort die Polizei anzurufen.

Gleichzeitig habe seine Freundin aus dem Hause den Notruf gewählt und dabei so laut mit der Polizei gesprochen, dass es durch die inzwischen eingeschlagene Tür draußen zu hören gewesen sei. Die Angreifer seien daraufhin geflüchtet. Den Schaden an der Tür bezifferte der Geschädigte auf 200 Euro.

Die ehemalige Freundin des Geschädigten – das Paar hat sich zwischenzeitlich getrennt – bestätigte dessen Angaben. Nicht so klar war die Aussage der Mutter des Angeklagten, die ja das Alibi des Angeklagten bestätigen sollte. Das nahm das Gericht zum Anlass für den eingangs genannten „Vergleichsvorschlag“. Zahlt der Angeklagte, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

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