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Ostholsteiner Anzeiger

17. November 2017 | 20:36 Uhr

„Blues ist vielseitig, Eutin ist Blues“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fred Derforge ist ein französischer Journalist und besucht im Jahr bis zu 40 Festivals weltweit. Für das hiesige Open Air hat er nur Lob

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2017 | 00:49 Uhr

Kaum ist Moderator Ronny Salewsky auf der Bühne – ob mit Gurken- oder Penis-Mikrofon – stürmen auch die Fotografen nach vorn, um beim folgenden Act die ersten Minuten mit ihren Objektiven an den Künstlern zu kleben. Es muss das beste Foto her – auch für Fred Derforge (51) aus Frankreich.

Seit drei Jahren kommt der Bluesliebhaber regelmäßig nach Eutin, um „bei einem der besten Festivals in Europa“ dabei zu sein. Das Lob wiegt doppelt, denn in seiner Rolle als Blues-Schreiber besucht er im Jahr zwischen 20 und 40 Festivals weltweit. Neben der internationalen Blues-Challenge in Memphis, ist Luzern, Quebec, Dänemark und Eutin auf seiner „Must-Have-Liste“. Derforge kaufe sich sein Flugticket immer schon vor Veröffentlichung des Programms, weil er wisse, das es gut werde. „Eutin ist etwas Besonderes, weil das Line-up nicht nur für Experten einer speziellen Blues-Richtung ist, sondern zahlreiche Facetten des Blues zeigt. Blues ist Beatbox, wie am Samstag Kevin O’Neil bewiesen hat, Blues ist Shawn Harter, Blues ist schwedisch, wie die fantastische Sängerin Ida Bang zeigte.“ Neben Weltklasse-Musikern gebe es hier die Chance für zahlreiche Newcomer der Szene, ihr Können unter Beweis zu stellen und das alles kostenlos für die Menschen. „Die Leute, die das organisieren, machen einen großartigen Job, denn sie ermöglichen den Besuchern hier zu erleben, wie viel mehr Blues heutzutage eigentlich ist“, sagt Fred Derforge. Er selbst habe einst mit dem weit verbreiteten Bild von Blues, als Musik der armen Schwarzen angefangen, die typischen Klänge des Robert Johnson. „Ich wollte mehr wissen über den Anfang aller Musikrichtungen und beschäftigte mich mehr und mehr mit Blues, bis ich schließlich begann, darüber zu schreiben“, sagt der 51-Jährige. Heute noch fasziniere ihn die handgemachte Musik des „Homeless-boy“, der immer gut gekleidet an den Straßenecken amerikanischer Großstädte sitze, und über die Probleme dieser Welt singe – „mit all seiner Seele“. Aber Derforge freue sich auch über all das neue, was die Generationen nach BB King (Anmerkung der Red. der vor zwei Jahren verstorbene „King des Blues“) hervorbringe. „Nur so bleibt der Blues am Leben und vielseitig. Das, was die jungen Künstler an diesem Wochenende gezeigt haben, war großartig“, sagt er.

Auch mit seiner Foto-Ausbeute ist der 51-Jährige zufrieden. „Für Journalisten ist das in Eutin ebenfalls bestens organisiert. Ich kann in den ersten 30 Minuten Fotos machen, dann gehe ich in den Backstagebereich, um zu schreiben, höre aber die ganze Zeit weiter, was auf der Bühne passiert. Das ist in Memphis anders“, sagt er augenzwinkernd. Von den mehr als 200 Bands, die sich da messen, könne er nie alle sehen, aber eines könne er mit Sicherheit sagen: „In Memphis haben die Künstler weniger Publikum als in Eutin, von der Atmosphäre mal ganz abgesehen.“

Und zur besonderen Atmosphäre des Eutiner Open Airs gehörte am Samstagabend auch ein Gänsehautmoment für Ronny Salweski: „Als der Bassist der letzten Band eine Reminiszenz an BB King im Lied ‚Everybody wanna know, why I sing the blues‘ spielte. Das war grandios.“


Wer französich kann: Auf www.zizazic.com sind Bilder und Berichte von Fred Derforge (unter „concerts“)

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