Bis zu 34 Grad Celsius: Jetzt kommt die große Hitze

Längste Trockenperiode seit 140 Jahren / Krankenhäuser erwarten viele Patienten / Landwirtschaft leidet

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23. Juli 2018, 18:02 Uhr

Die bisherige Nonstop-Wärme war erst der Auftakt – jetzt kommt die große Hitze. „Die ganze Woche wird es heiß“, sagt Sebastian Wache, Diplom-Meteorologe der Kieler Prognose-Firma „Wetterwelt“. Den Höhepunkt und damit den bisher wärmsten Tag des Jahres erwartet er für morgen: 34 Grad im Süden des Landes sollen es werden, 32 bis 33 Grad im sonstigen Schleswig-Holstein.

Einzige Ausnahme: Ein schmaler Streifen von einem Kilometer Breite entlang der Küsten. „Dort kühlen die Meere die Temperatur auf 26 bis 28 Grad etwas runter.“ Wache geht davon aus, dass es sich bei der seit Ende April anhaltenden Trockenperiode „um die längste seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen handelt“. Das heißt: seit knapp 140 Jahren. Die rekordverdächtig stabile Hochdruck-Lage schreibt der Experte der Erwärmung der Eismassen an den Polen zu. Dadurch seien die Temperaturgegensätze zum Äquator geringer. Somit fehle die wichtigste Voraussetzung zur Entstehung von Tiefdruckgebieten. „Was wir derzeit erleben, steht im Widerspruch zu den Lehrbüchern“, betont der Kieler Meteorologe. Ähnliche Ausnahme-Werte wie jetzt wurden zwar auch im Juli 2006 und 1994 gemessen, mit jeweils 36,8 und 36,6 Grad in Lübeck – allerdings innerhalb herkömmlicher Schönwetterperioden von fünf bis sechs Wochen. Zwar rechnet Wache am Sonntag mit Hitzegewittern. Aber auch nächste Woche bleibe es mit 26 bis 28 Grad hochsommerlich warm.

Die Krankenhäuser stellen sich auf ein erhöhtes Patientenaufkommen ein. „Wir verzeichnen temperaturbedingt schon jetzt eine Tendenz nach oben“, sagt der Leiter der Notaufnahme am Uni-Klinikum in Kiel, Domagoj Schunk. Schnell treffe es Alkohol- und Drogensüchtige. Allgemein gefährdet seien alte Menschen – nicht zuletzt, weil einige Blutdrucksenker die Abgabe von Flüssigkeit durch den Körper förderten. Auch schafften Altenheime es in Einzelfällen nicht zu überwachen, dass jeder genug trinke, so Schunk. Der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Thomas Maurer, rät zu mindestens zwei bis 2,5 Litern Wasser pro Tag. „Wichtig ist, nicht zu warten, bis man Durst hat, sondern über den Tag verteilt zu trinken.“ Magnesiumpräparate seien sinnvoll, weil das Spurenelement schnell ausgeschwitzt werde. Statt Caps rät Maurer zu Hüten, weil der Rand auch die Ohrläppchen und den Nacken vor Verbrennungen schütze.

In der Landwirtschaft spitzt sich die Lage weiter zu: „Wir hören aus allen Kreisverbänden, dass es wirklich dramatisch aussieht“, sagt Bauernverbands-Sprecherin Kirsten Hess. Hatte man zunächst noch auf einen glimpflichen Verlauf beim als letztes reifenden Mais gehofft, stellt sich jetzt auch dort Katzenjammer ein. „Teils wird er jetzt schon einfach zu Silage gehäckselt, weil man gar keine sonderliche Knollenbildung mehr erwartet“, so Hess.

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