Bindemittel für die Beltregion

Setzen auf Kultur: Matthias Schulz-Kleinfeld (links), Hanne Pigonska und Markus Föhrweißer. Foto: bsh
Setzen auf Kultur: Matthias Schulz-Kleinfeld (links), Hanne Pigonska und Markus Föhrweißer. Foto: bsh

Völkerverständigung durch Kultur: Darüber diskutierten mehr als 100 Deutsche und Dänen im Schloss / Stark für virtuellen Kulturatlas

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07. Oktober 2011, 08:24 Uhr

Eutin | Die feste Beltquerung rückt näher - Zeit, dass sich Dänen und Deutsche in der Fehmarnbelt-Region besser kennenlernen. Diesem Ziel soll die Internet-Plattform "www.kulturlink.org" dienen, die gestern bei der deutsch-dänischen Kulturkonferenz "Leben im neuen Kulturraum" im Eutiner Schloss gestartet wurde. Dort waren mehr als 100 Deutsche und Dänen aus Kultur und Wirtschaft zusammengekommen, um über Vernetzungsmöglichkeiten im Kulturraum Fehmarnbelt zu diskutieren.

Es war die erste große Konferenz des vor einem Jahr gestarteten deutsch-dänischen Projekts "Kulturlink Fehmarnbeltregion", erklärte der Vorsitzende der Kulturlink-Steuerungsgruppe, Matthias Schulz-Kleinfeldt, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck. Das Projekt solle dazu dienen, die feste Beltquerung "mental vorzubereiten". Schulz-Kleinfeldt zeigte sich vom Wert der Kultur für die Wirtschaft überzeugt: "Wirtschaft braucht nicht nur Wissenschaft, sondern auch Kultur." Das zeige ein Blick auf alle prosperierenden Standorte.

Der nun gestartete virtuelle Kulturatlas biete Künstlern die Möglichkeit, Partner für grenzüberschreitende Projekte zu finden und gemeinsame Veranstaltungen ins Leben zu rufen, sagte Schulz-Kleinfeldt. Gleichzeitig könnten sich Besucher der Internet-Plattform über aktuelle kulturelle Ereignisse in der Fehmarnbelt-Region informieren. Dafür seien zudem Links zu Veranstaltungsdatenbanken in der Belt-Region angelegt worden.

Um grenzübergreifende Kulturprojekte zu ermöglichen, gibt es Fördermittel: Bis zu 10 000 Euro aus europäischen Mitteln für maximal vier Vorhaben verschiedener Kulturpartner mit hoher Öffentlichkeitswirksamkeit. Außerdem haben die dänische Regierung und die Kulturregion Seeland rund 100 000 Euro bereitgestellt, mit denen kleinere Projekte mit Summen zwischen 2000 und 5000 Euro gefördert werden können.

Bereits vor Monaten gestartet ist eine Zusammenarbeit zwischen der Kreismusikschule (KMS) und der Guldborgsund-Musikschule in Nyköbing. So gebe es bereits ein gemeinsames Gitarrenorchester, das aus zehn dänischen und 25 deutschen Jugendlichen bestehe, berichtete KMS-Leiter Markus Föhrweißer. Vor Konzerten werde fast jedes Wochenende geprobt, beschrieb er die Intensität der Zusammenarbeit. 2012 sei zudem eine gemeinsame Konzertreise der beiden Musikschulen geplant. Dies sei mit hohem Einsatz verbunden, doch: "Idealismus hatten wir von der ersten Minute an, und er wächst stündlich." Die Zusammenarbeit der Musikschulen ist neben den Nordischen Filmtagen eines von sechs Kulturlink-Großprojekten, die bereits gestartet sind. Geplant sind je ein Projekt aus den Bereichen Musik, Film, Literatur, Theater- und Bühnenkunst, bildende Kunst und Kulturerbe.

Auf eine "vielfältige Kulturszene" auf beiden Seiten, aber auch "unterschiedliche Rahmenbedingungen" wies Hanne Pigonska, Kulturregion Midt- og Vest und Mitglied der Kulturlink-Steuerungsgruppe, hin. In Dänemark gebe es eine wesentlich höhere Förderung für alle Bereiche der Kultur. "Wir müssen uns überlegen, wie wir gemeinsam diese Situation verbessern", forderte Pigonska. Die Politik sollte dem Beispiel der IHK folgen und einen ständigen Austausch auf höchster Ebene beider Länder anstreben.

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