Bad Malente-Gremsmühlen : Bildungsstätte mit neuer Doppelspitze

Gesa Grube-Bente (links) und Anastasia Brack leiten das Studienseminar gemeinsam.

Gesa Grube-Bente (links) und Anastasia Brack leiten das Studienseminar gemeinsam.

Die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte besteht 50 Jahre. Festakt für November geplant.

shz.de von
13. August 2019, 17:26 Uhr

Malente | Die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Malente hat eine neue Leitung, besser gesagt, ein Spitzen-Team. Es besteht aus Anastasia Brack und Gesa Grube-Bente, zwei Politikwissenschaftlerinnen und SPD-Mitgliedern, in deren Hände das Haus nach dem Weggang von Dr. Kilian Lembke Ende Oktober 2018 gelegt worden ist.

Die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte bietet seit 50 Jahren direkt am Kellersee Seminar an.
Juliane Kahlke

Die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte bietet seit 51 Jahren direkt am Kellersee Seminare an.

 

Anastasia Brack übernahm Anfang November 2018 die Geschäfte der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte. Gesa Grube-Bente kam Anfang Mai dazu. Das Neue an der Konstellation sei die Doppelspitze in der Studienleitung, bisher habe die in einer Hand und zwar männlicher gelegen. Anastasia Brack führt die Verwaltung, Gesa Grube-Bente die Veranstaltungen. „Wir arbeiten daran, dass wir beide beides machen können“, sagen sie.

Programm 2020 erscheint in Kürze

Beide Frauen kommen aus dem politischen Geschäft. Die 53-jährige Gesa Grube-Bente stieg nach ihrem Geschichts-, Politik- und Rechtsstudium in Kiel bei der SPD in Bonn ein, begleitete Wahlkampagnen bevor sie 1995 Büroleiterin von Willi Piecyk wurde. Nach dessen Tod 2008 arbeitete sie für die Europaabgeordnete Ulrike Rodust. Die kandidierte nicht wieder und Gesa Grube-Bente war offen für eine neue Herausforderung. Die 53-Jährige stammt von Sylt, ist verheiratet und hat einen 19-jährigen Sohn.

Anastasia Brack studierte Politik- und Medienwissenschaften in Greifswald und Kiel. Die 32-Jährige arbeitete nach ihrem Studium seit Herbst 2017 als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die damaligen Bundestagsabgeordneten Franz Thönnes und Bettina Hagedorn. Die beiden veränderten ihr Wirkungsfeld und Brack wechselte nach Malente. Anastasia Brack gehört seit Mai 2018 der SPD-Kreistagsfraktion Ostholstein an. Die gebürtige Ukrainerin ist verheiratet und hat zwei Kinder, zwölf und vier Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Familie in Scharbeutz.

Wir sind hier ein gutes Team. Anastasia Brack und Gesa Grube-Bente, Leitungsteam.

Die ersten drei Monate habe sie beim Einarbeiten in die Verwaltung der Heinemann-Bildungsstätte mehr Fragen als Antworten gehabt. „Aber schon nach zwei Monaten dachte ich, ich sei bereits zwei Jahre hier.“ Das politische Engagement der Scharbeutzerin habe mit ihrem Mutter-Dasein begonnen. „Damals hat mir das ein oder andere gefehlt, dann beschäftigt man sich damit und stellt fest, dass es an der Politik liegt“, erklärt sie ihren Eintritt in die SPD.

Ihre Ausbildung war eine Vernunftentscheidung. Am Arbeitsplatz komme ihr nun auch ihr Interesse für Kunst und Kultur zupass. Die ein oder andere ihrer Ideen findet sich sicherlich im Seminarprogramm wieder. Das Programm für 2020 stehe, sagt Gesa Grube-Bente. Sie bereite es für den Druck vor und rechne mit wenigen Wochen bis zur Herausgabe.

Die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte trug bis 1982 den Namen Haus Seehof.
Juliane Kahlke
Die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte trug bis 1982 den Namen Haus Seehof.

„Wir sind hier ein gutes Team“, sagen beide. Ihnen gefalle die Abwechslung bei der Arbeit. „Die Seminarteilnehmer sind unterschiedlich, wir haben interessante Dozenten, einige von ihnen sind seit Beginn dabei.“

Die GHB steht für politische, kulturelle und gesellschaftliche Bildung. Die der SPD nahe stehende Einrichtung wurde 1967 gegründet und bot 1968 seine ersten Weiterbildungen an. Mit Blick auf den Kellersee erfuhren Lehrgangsteilnehmer seit dem mehr über politische Strömungen, Rechtspopulismus, Weltfinanzkrise, Wert der Natur und Kulturgeschichtliches auf kleinen Exkursionen vor Ort.

Im nächsten Jahr gehe es in den 75 Seminaren verstärkt um Nachhaltigkeit. Fahrrad- und Kanuseminare, Kunst- und Kulturwerkstätten und das politische Autorenkino bereicherten erneut das Angebot, sagt Grube-Bente. Viele der Seminare werden von den Bundesländern als Bildungsurlaub anerkannt. „Wir wollen, dass politische Bildung für Jedermann bezahlbar bleibt“, sagt Anastasia Brack und nennt 159 Euro für 4,5 Tage Seminar. 13 Angestellte kümmern sich um das Haus mit 47 Zimmern und 59 Betten. Fördermittel geben das Land (80.500 Euro), Lübeck (500 Euro) und die Zentrale für politische Bildung (194.000 Euro).

51 Jahre Bildungsarbeit

Ein Jahr später als geplant feiert die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte am 11. November ihr 50-jähriges Bestehen. Eingeladen werden Honoratioren aus Politik und Gesellschaft.

Bis 1982 hieß die Gustav-Heinemann-Bildungsstätte (GHB) in Bad Malente-Gremsmühlen Haus Seehof. Dann wurde sie zu Ehren des sozialdemokratischen Bundespräsidenten Gustav Heinemann (1899 bis 1976) umbenannt. Heinemann bekleidete das höchste Amt im Staat von 1969 bis 1974. Ihn zitiert die GHB mit den Worten: „Unser Grundgesetz ist ein großes Angebot. Zum ersten Mal in unserer Geschichte will es in einem freiheitlich-demokratischen und sozialen Rechtsstaat der Würde des Menschen Geltung verschaffen. In ihm ist Platz für eine Vielfalt der Meinungen, die es in offener Diskussion zu klären gilt.“

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