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Ostholsteiner Anzeiger

19. November 2017 | 21:11 Uhr

Bilder eines bedeutenden Unbekannten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fielmann-Stiftung finanziert Restaurierung von sechs Werken des Eutiner Künstlers Leonhard Boldt im Ostholstein-Museum

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2017 | 16:23 Uhr

Porträts waren seine Stärke: ausdrucksstark, authentisch, lebensnah. Der Eutiner Künstler Leonhard Boldt hat Spuren in seiner Heimat hinterlassen. Unter anderem auch im Ostholstein-Museum, das mehr als ein Dutzend seiner Werke beherbergt. Sechs seiner Porträts aus den Beständen des Museums erstrahlen jetzt wieder in neuen, alten Glanz. Die Kosten der Restaurierung hat eine Stiftung von Unternehmer Günther Fielmann übernommen. Gestern wurden die Werke von Museumsleiterin Dr. Julia Hümme wieder in Empfang genommen.

Die Restaurierung der sechs Boldt-Werke hat „einige tauschend Euro“ gekostet, sagt Jürgen Ostwald, Kunsthistoriker der Fielmann AG, die das Ostholstein-Museum seit 2010 beim Erhalt und auch Ankauf von Objekten unterstützt. Der Wert der Gemälde ist indes schwer zu schätzen. „Die Werke Boldts sind selten auf dem Markt“, sagt Ostwald. Die meisten seiner Arbeiten entstanden im Auftrag von Familien. Und dort befinden sich viele seiner Bilder noch heute.

Der familiäre Charakter der Werke spiegelt sich auch in seinen Porträts wider, die nun durch Jochen Rosehr frisch restauriert wieder im Museum zu finden sind – darunter das mannshohe Bildnis eines unbekannten Stabsoffiziers, aber auch kleinformatigere Porträts unter anderem von Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Aber auch das Bildnis einer lesenden Frau. „Dabei könnte es sich um Boldts Frau handeln“, vermutet Hümme. Generell sei es schwierig, „Boldt zu fassen“, so Hümme. Denn über den Eutiner (1875-1963) gebe es nur wenige Informationen – obwohl er gerade in der Region viele Spuren hinterlassen hat. Boldt stammt aus ärmlichen Verhältnissen – geboren wurde er als fünftes Kind des Eutiner Schlachters Gustav Boldt. Er schaffte es jedoch, mit einer Studienbeihilfe der kaiserlichen Regierung ab 1901 an den Kunstakademien in Berlin und München zu studieren. Boldt wurde als Porträtmaler bekannt, verewigte auch Eutins Bürgermeister in Öl, malte aber auch Landschaften seiner holsteinischen Heimat. Seine Fähigkeiten waren so gut, dass er Meisterschüler von Hubert Herkomer wurde – „einer der bedeutendsten Porträtmaler der Welt um 1900“, sagt Ostwald. Noch vor dem Ersten Weltkrieg heiratete Boldt eine vermögende Schweizerin – von nun an hatte er auch Zeit, in die Eutiner Stadtplanung einzugreifen. Nach seinen Ideen wurden 1925 ein Clubhaus für den Ostholsteinischen Segler-Verein und das Fissauer Fährhaus erbaut. 1934 entstand die heutige Boldt-Galerie, in der der Künstler und seine Familie teilweise lebten. 1950 wurde Boldt erster Ehrenbürger von Eutin.

Boldt soll weitere Spuren in Eutin hinterlassen – 2018 sei eine Ausstellung mit Werken des Eutiner Künstlers geplant, kündigte Hümme an. Dazu werden die übrigen Bilder – darunter Landschaftsbilder – aus dem Depot des Museums in Kürze ebenfalls restauriert. Dann erneut mithilfe der Fielmann-AG.

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