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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 01:16 Uhr

Bierflasche über den Kopf gezogen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bewährung nach gewaltsamem Streit in Sereetz

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2014 | 14:08 Uhr

Am Ende war das Urteil dann doch eine kleine Überraschung: Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft hatten in ihren Plädoyers jeweils einen Freispruch für den 24-jährigen Angeklagten beantragt. Dieser sollte einem 30 Jahre alten Kurierfahrer in der Nacht zum 22. Februar an einer Tankstelle in Sereetz „ohne rechtfertigenden Anlass“, wie die Anklage beschreibt, eine Bierflasche über den Schädel gezogen und ihm damit schwerste Kopfverletzungen zugefügt haben. Amtsrichterin Katrin Leinen jedoch hielt die Aussagen des Angeklagten und eines Entlastungszeugen für unglaubwürdig und sprach in ihrem Urteil letztlich eine Bewährungsstrafe von acht Monaten aus, dazu eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro.

„Sie haben dem Geschädigten mit ihrer Tat ein gutes Stück Lebensqualität genommen“, tadelte Katrin Leinen in ihrer Urteilsbegründung den gerade verurteilten Mann. Dessen Opfer wurden durch den Schlag
der Glasflasche schwere Gesichts- und Kopfverletzungen zugefügt. So erlitt der Familienvater aus Sereetz unter anderem ein Schädelhirntrauma und einen Schädelbasisbruch, durch die Wucht des Aufpralls wurden zudem Stirn- und Augenhöhle komplett zertrümmert. Zehn Tage verbrachte der 30-Jährige im Krankenhaus, zwischenzeitlich auftretende Hirnblutungen machten überdies zwei Operationen notwendig. Auch heute noch sind die Auswirkungen des Vergehens allgegenwärtig: „Die Stärke meiner Migräne gebe ich auf einer Skala von eins bis zehn immer mit 14 an“, berichtet der Geschädigte von einer Spätfolge der Verletzungen. Seinen Job musste der Kurierfahrer aus diesem Grund aufgeben.

Der Angeklagte und ein Zeuge hatten zunächst noch versucht, die Geschehnisse mit einem aggressiven Verhalten des Opfers am Tatabend zu erklären. Er habe nur aus Affekt und in Notwehr gehandelt, zudem seien beide Männer alkoholisiert gewesen, sagte der 24-jährige Täter. Richterin Leinen folgte diesen Ausführungen nicht, hielt dem Beschuldigten jedoch seine ehrliche Reue zugute. Außerdem sei dieser ohne Vorstrafe und habe mit seiner Aktion niemals so schwere Verletzungen beabsichtigt. Der Geschädigte verfolgte den Prozess derweil ohne Verbitterung: „Ich kann dem Angeklagten nach wie vor in die Augen sehen und gebe ihm auch die Hand.“

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