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Ostholsteiner Anzeiger

19. Oktober 2017 | 13:42 Uhr

„Bienen sind fantastische Tiere“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wochenende stand im Zeichen des Honig-Insekts / Hobby-Imker Oliver Morris aus Eutin zeigt immer sonnabends seine Völker

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2016 | 00:21 Uhr

Eine dicke, menschengroße Hummel kreist um die Besucher der Landesgartenschau, steckt ihre „Nase“ in die Blumen, wackelt parallel dazu mit ihren Flügeln und sorgt so für Lacher bei den Beobachtern. Ihr Begleiter ist eine große Blüte, auf Wunsch küssen sich beide fürs Foto – nicht nur, weil sie sich auch außerhalb des Künstleracts lieben, sondern um auf das große Bienen- und Hummelsterben aufmerksam zu machen.

„Ohne Blüten keine Insekten wie Bienen oder Hummeln und ohne die gibt’s kein Leben“, sagt Susanne Götze, die als Blüte gemeinsam mit Hummel „Schnucke“ alias Michel Fickinger auf dem LGS-Gelände am Wochenende unterwegs war, das ganz im Zeichen der Biene stand. „Ein Bericht hat uns auf das Bienensterben aufmerksam gemacht“, sagt Götze. Sie haben sich tiefergehend mit dem Thema auseinander – und es als Theatermenschen von „Kuck an“ aus Hessen auch künstlerisch umgesetzt. Wer will, erfährt von den beiden auch Dinge über Hummeln und Wespen . „Nur zwei Wespenarten sind wirklich aggressiv den Menschen gegenüber. Und die Hummeln haben das große Problem mit der Erderwärmung.“ Die kostümierte Hummel fügt hinzu: „Sie sind eigentlich für kältere Temperaturen zu haben, aber sie haben eine Grenze nach Norden und Süden, über die sie nicht hinwegziehen.“ Die Künstler drängen sich den Besuchern nicht auf, wer ausweicht, wird umbrummt.

Alles rund um die Bienen – auch außerhalb des Aktionswochenendes – können Besucher im Küchengarten bei Oliver Morris erfahren. Der Hobby-Imker aus Eutin zeigt nahe des Neuholländerhauses immer sonnabends ab 14.30 Uhr Interessierten seine sechs Völker, die er bis Oktober dort stehen hat. Er ist als kleiner Junge im „Abenteuer-Urlaub“ in Österreich das erste Mal mit Bienen in Berührung gekommen – und als 20 Jahre später der Schwiegervater Imker war und er mithelfen konnte, lebte die Lust an der Imkerei auch in ihm wieder auf.

In Schaukästen können LGS-Besucher Bienen bei der Arbeit zusehen – und mit etwas Hilfe die blau markierte Königin entdecken und den Unterschied zwischen Drohnen und Arbeiterbiene erkennen. „Bienen sind faszinierende Tiere“, sagt Morris. Obwohl sie als das am meisten erforschte Insekt gelten, seien bis heute noch viele Fragen offen. Morris selbst beschreibt sich als eher hektischer Typ. „Aber wenn ich nach der Arbeit zu meinen Bienen gehe und das Summen höre, werde ich ganz ruhig. Das ist herrlich entspannend“, sagt Morris. Und auch notwendig: Bei hektischen Bewegungen geraten auch die Tiere in Panik. Doch die Zucht sei heute schon sehr weit – „die Völker werden immer sanfter gezüchtet“. Ein Erlebnis hat in besonders bewegt: Ein kleines Mädchen (3) hat sich seine Bienen mit ihrem Opa angeschaut und fiel plötzlich mitten in sie hinein – ohne einen Stich. „Das war nach dem Schock eine riesengroße Freude für mich und die beiden. Viele sagen, wenn sie mich so in kurzer Hose imkern sehen, dass sie nicht gedacht hätten, dass das geht.“

Etwa 100  000 Imker gibt es im Land, die laut Landesverband Schleswigholsteinischer und Hamburger Imker, im Durchschnitt sieben Völker haben. „Multipliziert mit etwa 50  000 Bienen sind wir die größten Tierhalter in Deutschland“, sagt Verbandsvorsitzende Anke Last. Doch neben der Honigbiene, die alle kennen, weil sie als Melkkuh der Insekten gilt, gibt es mehr als 300 Wildbienenarten. „Mehr als die Hälfte davon gilt als gefährdet“, sagt Matthias Hoppe-Kossak, Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.

Um den Wild- und Honigbienen auf der LGS auch genug Wohnraum zu bieten, installierten Vertreter des Heimatbundes, der LGS und die beteiligten Projektpartner des Bienenwochenendes einen Nistkasten unweit des Amphibienteiches – und bei der Ansaat der Naturwiese und anderer Grünflächen sei auf die Nachhaltigkeit geachtet worden. „Wir hoffen auf glückliche Besucher und Bienen“, sagt LGS-Geschäftsführer Martin Klehs.

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