BI: „Es ist eine einmalige Chance“

Aus der Vogelperspektive: Laut BI ist das Gelände mit 23  000 Quadratmetern groß genug für zwei Schulen, Sporthalle und Förderzentrum.
Aus der Vogelperspektive: Laut BI ist das Gelände mit 23 000 Quadratmetern groß genug für zwei Schulen, Sporthalle und Förderzentrum.

Bürgerinitiative wirbt für inklusiven, modernen Campus / Eine Entscheidung und Begehren gegen den Schulwillen widerstrebt den Mitgliedern

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15. Oktober 2018, 00:38 Uhr

Sieben Wochen ist es her, dass die Bürgerinitiative (BI) „Vernunft macht Schule“ ihre Frage bei der Stadt Eutin eingereicht hat. Seitdem warten die drei Mitglieder Thorben Junge, Ivo Stock und Ursula Jacobsen-Priefer auf die Kostenschätzung der Stadt, ohne die sie nicht weitermachen können. Auf ihre Nachfragen habe bislang keiner geantwortet. „Wir würden gern anfangen, Unterschriften zu sammeln“, sagt Stock im Gespräch mit unserer Zeitung. Die BI hoffe, dass die Kostenschätzung nicht bis zu einem der nächsten Schulausschüsse dauere, um nicht Fakten zu schaffen, die Chancen verbauten. Doch bis November müssen die BI-Mitglieder offenbar nicht warten. Aus dem Rathaus hieß es auf OHA-Nachfrage: „Die Zielsetzung ist, dass wir Ende der 43. Kalenderwoche konkrete Angaben zur Kostenschätzung geben können.“

Was ist Ziel der BI? „Wir wollen eine gute Lösung für die Schulen. Aus unserer Sicht wäre es das Beste, beide Schulen – Grundschule und Gemeinschaftsschule – am Standort See mit eigener Sporthalle neuzubauen“, sagen die BI-Mitglieder. Nach dem letzten Schulausschuss ist die Verwaltung mit der Überprüfung beschäftigt, ob nicht doch das geforderte Raumprogramm für die Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule (WWS, wie Sporthalle, Fachräume und Mensa) an den Standort Berg in der Elisabethstraße passt (wir berichteten). Sollte die Überprüfung positiv ausfallen, hatte sich Schuldirektor Sven Ulmer dahingehend geäußert, dass er auch mit der Erweiterung am Standort Berg einverstanden wäre. „Wir würden uns nicht gegen den Wunsch der Schule stellen“, machen die BI-Mitglieder deutlich, die in ihrer Fragestellung im angestrebten Begehren für einen Neubau der WWS am See abstimmen lassen wollen. „Aber wir müssten schon überzeugt sein, dass dann wirklich was passiert, also ab Vergabe der Planungsleistungen“, sagt Ivo Stock. Bauen im Bestand nach neuesten Anforderungen an modernen Unterricht unter den Aspekten von Inklusion im denkmalgeschützten Gebäude halten die BI-Mitglieder für schwierig und kostenintensiv. „Dann könnte man doch auch modern und neu besser am See bauen“, sagen sie. Bislang haben sie auf der Elternbeiratssitzung der Gemeinschaftsschule ausschließlich Zustimmung für ihr Vorhaben erhalten, sich für den Neubau beider Schultypen auf dem Gelände Kleiner See mit entsprechender Sporthalle stark zu machen. „Auch das Förderzentrum würde dort noch mit hin passen“, sagt Stock. 23 000 Quadratmeter stünden am Standort Kleiner See zur Verfügung. Die BI-Mitglieder haben sich informiert: Nach bisherigen Schulbauleitlinien beispielsweise aus Sachsen, weil Schleswig-Holstein keine eigenen habe, werde mit 15 bis 25 Quadratmeter pro Schüler bei einem Neubau gerechnet. „Bei derzeit 800 Schülern wären dann immer noch 3000 Quadratmeter übrig vom Gelände“, rechnet Stock vor. Ein weiterer Vorteil des Neubauens sei, dass die Räume für die offene Ganztagsschulbetreuung mit auf das Gelände der Schule könnten und nicht wie derzeit, die Grundschüler zum Laufen in die Albert-Mahlstedt-Schule zwänge. „Räume könnten dann auch doppelt genutzt werden – beispielsweise als Lehrküche vormittags und für die Kinder der OGS kann Essen gekocht werden. Auch die Nähe zur Natur lässt sich in den Unterricht und die Betreuung einbeziehen, wenn man das will“, sagt Thorben Junge.

Auch in der Grundschule am Kleinen See habe die BI ihr Anliegen den Eltern und Lehrern erklärt: Die Aufklärungsarbeit sei dort groß gewesen, da viele Eltern der Erst- bis Viertklässler nicht informiert gewesen seien, dass es der BI gar nicht um die Zusammenlegung der Grundschule insgesamt gehe. „Die Not und den Bedarf für beide Schulen sind von den Eltern gesehen worden. Den Eltern der Grundschule ist wichtig, dass eine räumliche Trennung gelingt“, sagt Thorben Junge. Außerdem mache sich die BI Gedanken um den „Eltern-Taxi-Verkehr“. „Die Zuwegung muss gelöst werden. Bei einer Neugestaltung gibt es aber Möglichkeiten“, sagt Ivo Stock. Die Stadt verhandle mit dem Grundstückseigentümer an der Zufahrt zur Lübschen Koppel und auch aufgrund der politischen Diskussion, dass eine größere Sporthalle am Kleinen See auch für die Vereinsnutzung denkbar wäre, zeige der BI, dass sich Verwaltung und Politik des Problems annehmen werde.

Den Vorwurf der Massenschule kontern die BI-Mitglieder: „Es ist die letzte zentrale Brache, die eine einmalige Chance zur neuen Erschließung und Gestaltung gibt, die in Jahren nicht wiederkommt. Uns ist wichtig, dass man so gut wie möglich prüft, was dort machbar ist. Es ist die einmalige Chance, etwas entstehen zu lassen, um das andere Gemeinden uns beneiden – einen inklusiven, modernen Schulcampus“, betont Stock.

Die Grundschule brauche am dringendsten den Neubau, wenn der auf dem Gelände gut geplant würde, könne mit dem Neubau angefangen werden und später die Wisser-Schule je nach Entscheidung noch dazu gebaut werden, meinen die Mitglieder. „Wichtig ist, dass einmal auf alle Maßnahmen und deren Kosten geschaut wird, damit am Ende nicht das Geld ausgeht“, betont die BI.

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