Beziehungsstreit endet vor Gericht

Geldstrafe für unschöne Beschimpfungen: Sie wurde beleidigt, er fühlt sich auch als Opfer – heute gehen beide getrennte Wege

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12. Januar 2018, 00:35 Uhr

Was passiert, wenn aus Liebe Hass und Verbitterung werden, war gestern Vormittag im Eutiner Amtsgericht zu erleben. Ralf S.* (49) saß auf der Anklagebank, weil er seiner Ex-Freundin im Rausch „Bitch“, „Schlampe“ und noch vulgärere Formulierungen an den Kopf geworfen hatte. So lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Und nicht nur die Ex-Freundin selbst ist betroffen: „Am schlimmsten finde ich, dass meine Tochter alles mitbekommen hat und es zu dieser Auseinandersetzung mit meinen Kindern gekommen ist“, sagt Andrea P.*. Noch heute leide ihre nun zwölfjährige Tochter unter dem Erlebten im vergangenen Sommer.

Ralf S. kam erst am Ende der Gerichtsverhandlung ein Entschuldigungsversuch über die Lippen. In der Verhandlung selbst zeigte er sich irritiert, weshalb nur der Fakt der Beleidigung angeklagt werde, wenn er doch innerhalb der Beziehung auch Ohrfeigen bekommen habe und selbst an diesem Abend beschimpft und am Boden festgehalten worden war. „Dass ich wegen so etwas jetzt hier sitzen muss, verstehe ich nicht“, äußerte der derzeit Arbeitslose mehrfach.

„Haben Sie so etwas gesagt?“, wollte Richterin Anke Erlenstädt von ihm wissen. „Ich habe sie beleidigt, aber ob ich das so gesagt habe... vielleicht eher, dass sie sich wie eine Bitch verhalte“, räumte der Angeklagte nach mehreren Anläufen der Richterin ein. Ralf S. schienen die anderen Vorwürfe wegen der Körperverletzung und der des Nachstellens mehr zu interessieren. „Ich habe niemanden in den Schwitzkasten genommen, ich lag am Ende auf dem Boden und wurde geschlagen“, schilderte er vor Gericht. Doch der angeklagte Vorwurf war der der Beleidigung, mahnte die Richterin.

Die Zeugenaussagen der Betroffenen und ihrer älteren Tochter zeichneten ein Bild vom rauen Umgang miteinander. Selbst Richterin Erlenstädt äußerte am Ende: „Es ist gut, dass sie nun getrennte Wege gehen.“ Und sie riet der Mutter Andrea P. dringend, fachliche Hilfe für ihre Tochter beim Kirchenkreis in Anspruch zu nehmen. „Dass es ihr nun so geht, wie es ihr geht, liegt nicht allein an diesem Abend, sondern an dem, was davor und danach passiert ist, und dass sie Zeuge davon wurde“, sagte Erlenstädt.

Die jüngere Tochter hatte offenbar nicht nur Schimpfworte und Bedrohungen anhören müssen. Sie wurde wohl auch Zeugin, wie der Angeklagte die große Schwester in den Schwitzkasten nahm und wie sich der Freund der großen Schwester schützend vor die Frauen der Familie stellte und Ralf S. mit einem Schlag zu Boden brachte, wo sich das Gerangel fortgesetzt haben soll, bis die von Nachbarn gerufene Polizei herbeigeeilt war. „Meine Schwester war total aufgelöst, weinte und zitterte am ganzen Körper. Sie hat auch Angst, was nach dieser Gerichtsverhandlung heute hier passiert. Sie hat Angst um uns“, erzählt die große Schwester im Gerichtssaal. Sie selbst habe Ralf S. als gewaltbereit an diesem Abend erlebt und ihm gesagt, er solle endlich ausziehen „und unsere Familie in Ruhe lassen“.

Die Mutter selbst musste sich Beschimpfungen und Auseinandersetzungen auch während der Beziehung gefallen lassen, schilderte sie im Saal. Doch diesmal habe er eine Grenze überschritten. „Hätte er meine Tochter nicht so angeschrien und meine Große nicht in den Schwitzkasten genommen, hätte ich auch die Polizei nicht gerufen“, sagte die 50-Jährige.

Einen Tag nach dem Vorfall hatte Andrea P. eine einstweilige Anordnung beim Familiengericht beantragt, um sich und ihre Kinder zu schützen. Ralf S. sei seitdem nur zweimal mit dem Einkaufswagen da gewesen, um seine persönlichen Sachen abzuholen. Überhaupt tue ihm das und die Trennung leid. Seine Stimme klingt dabei teils tränenerstickt, dann wieder ganz klar. Aus dem Publikum im Gerichtssaal hieß es dazu: „Er ist so ein Schauspieler und Heuchler, das ist unfassbar.“

Das Gericht verurteilte Ralf S. schließlich zu einer Geldstrafe von 200 Euro. Sein Polizeiliches Führungszeugnis hat 32 Einträge, hauptsächlich Diebstahl und Betrug, aber auch zwei Körperverletzungen aus der Jugendzeit. „Sie scheinen unter Alkohol ein Problem zu haben“, sagte die Richterin. Der Angeklagte bedauerte sich am Ende einmal mehr selbst: „Was ich schlimm finde, ist, dass ich einen weiteren Eintrag wegen so etwas bekomme.“

*Name geändert

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