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Tennisverein in Not : Bezahlt ETC sein Clubhaus doppelt?

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein vertrackter Mietvertrag bringt den Eutiner Tennisverein in Bedrängnis: Landesforsten pochen auf ihre Besitzansprüche. Es droht ein Ende der Plätze im Seeschaarwald im Jahr 2017.

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erstellt am 06.Sep.2013 | 04:00 Uhr

Insgeheim tickt im Seeschaarwald die Uhr für den Eutiner Tennisclub (ETC): Er muss 2017 seine Plätze dort räumen, sollte er bis dahin keine Einigung mit den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) erzielt haben – entweder über eine Neuauflage des 1992 geschlossenen Mietvertrages oder einen Kauf der Anlage. Das Pikante an der Kaufoption: Mit ihr müsste der Verein sein eigenes Clubhaus noch einmal bezahlen.

Zur Ausgangslage: Der 1950 gegründete Tennisverein errichtete seine Anlage auf einer Pachtfläche im Landeswald. Für die Erweiterung seines Clubhauses, die 1992 mit insgesamt 140 000 DM von Land und Kreis gefördert wurde, ging der ETC einen 25 Jahre laufenden Mietvertrag mit der Forstverwaltung ein. Darin ist festgelegt, dass ohne einen neuen Vertrag die 5000 Quadratmeter große Anlage inklusive Gebäude 2017 entweder ganz in den Besitz der Landesforsten zurückfällt oder frei geräumt übergeben werden muss. Für den Fall, dass der ETC einen Kauf anstrebt, ist nach OHA-Informationen derzeit von 45 000 Euro die Rede.

Jürgen Unger, der Vorsitzende des Tennisvereins, lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme zu dem einige Sprengkraft bergenden Thema ab. Man befinde sich seit Längerem in vertraulichen Verhandlungen mit den Landesforsten und wolle die Rahmenbedingungen klären, bevor der Vorstand mit einem tragfähigen Vorschlag zur Zukunftssicherung vor die Mitglieder trete, begründete er seine Zurückhaltung.

Laut aber wurden die Sorgen des ETC-Vorstandes schon in einer Sitzung des Sportausschusses im Kreistag. Dort wurde mit Hinweis auch auf die in Eutin drohenden Probleme über den ähnlich gelagerten Fall des Malenter Tennisclubs Rot-Weiß diskutiert. Der hat beim Kreis rund 2800 Euro Zuschuss beantragt für den Kauf seiner Anlage im Diekseegehege, das ebenfalls den Landesforsten gehört.

Den Kaufpreis von knapp 24 000 Euro hat der Malenter Verein bereits an die Anstalt öffentlichen Rechts bezahlt. Allerdings klafft in seiner Finanzierung jetzt eine Lücke: Der Kreis verweigert, anders als die Gemeine Malente und der Landessportverband, den gewünschten Zuschuss. Das begründet Kreisverwaltungsdirektor Hans-Peter Birkner mit den Förderrichtlininen, wonach der Kreis einen Kauf von Sportanlagen gar nicht unterstützt.

Birkner machte in der Sitzung aber auch keinen Hehl daraus, dass ihm diese Art der Geschäftemacherei durch ein Unternehmen des Landes prinzipiell gegen den Strich geht. Mit Blick auf den Eutiner Tennisclub sagte er: „Meine Verwunderung ist groß: Wieso soll ein Verein etwas kaufen, was er zu hundert Prozent selbst finanziert hat? Was haben die Landesforsten denn als vermeintlicher Vermieter bei dem Clubgebäude an Instandhaltung geleistet?“

Und Birkner weiter: „Es kann nicht Sinn der Sportförderung sein, dass das Innenministerium Geld für Sportanlagen gibt, das dann eine andere Stelle des Landes wieder kassiert, ohne jemals selbst etwas für die Sportstätte getan zu haben. Das ist für mich unlogisch.“

Das sieht Lutz Boucsein, Leiter der für Liegenschaften zuständigen Finanzabteilung bei den Landesforsten, ganz anders: „Das ist doch keine ungerechtfertigte Bereicherung. Wir sind schlicht ein Landesunternehmen, das nichts zu verschenken hat. Sonst könnte der Landesrechnungshof mit uns hart ins Gericht gehen.“

Boucsein pocht dabei auf den alten Mietvertrag, in dem klar geregelt sei, was 2017 mit der Anlage im Seeschaarwald geschehen könne: „Warum das alles damals so vereinbart wurde, kann ich nicht beurteilen, vielleicht hätte der Verein aus heutiger Sicht das auch nicht unterschreiben sollen. Entscheidend aber ist: Was in Verträgen steht, das gilt.“

Die Landesforsten seien „selbstverständlich“ bereit, mit dem ETC über einen Folgevertrag zu reden: „Wir werden sie nicht vom Tisch stoßen.“ Allerdings sei bis 2017 noch Zeit genug, eine Vereinbarung über Kauf oder langfristige Miete zu treffen. „Wer weiß, wie sich bis 2016 noch die Rahmenbedingungen entwickeln“, riet Boucsein zu Gelassenheit. Wer aber schluckt so einfach, dass er ein zweites Mal viel Geld aufbringen soll für ein Gebäude, dessen Bau er schon einmal teuer bezahlt hat?


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