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Bewährungsstrafe, 1500 Euro Geldbuße und noch mehr

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2017 | 11:09 Uhr

Wegen vielfacher Bedrohungen gegenüber Personen, Amtspersonen und Behörden musste sich gestern ein Mann vor dem Eutiner Gericht verantworten. Der Angeklagte entzog sich der Verhandlung durch Krankschreibung. Das half ihm nicht. Amtsrichter Otto Witt verhängte am Ende die Strafe von einem Jahr auf Bewährung und machte Auflagen.

Der 1971 geborene Angeklagte hat nicht nur seine Ehefrau zum wiederholten Male bedroht, der Angeklagte bedrohte Rechtsanwälte beruflich wie privat, spürte deren Familien auf und machte auch vor Behörden nicht Halt. Im vergangenen Jahr legte der Ostholsteiner die Kreisverwaltung durch eine Bombendrohung lahm, versuchte Gleiches auch bei der Polizei in Neustadt.

Neben Staatsanwalt und Pflichtverteidiger waren die Nebenkläger vertreten. Rechtsanwalt Norbert Weide berichtete, dass sich bei den Betroffenen das Gefühl der Ohnmacht seitens der Justiz breit mache. Seit 2013 seien mehr als 200 Vorfälle aktenkundig geworden. Für die Betroffenen in Neustadt wäre es eine Genugtuung, wenn die Justiz tätig würde, sagte Weide und forderte das Amtsgericht auf, endlich zu beschließen: „Es muss ein Zeichen nach außen gesetzt werden.“

Amtsrichter Witt beriet mit den Beteiligten, ob eine Verhandlung in Anwesenheit des Angeklagten sinnvoll sei, befand dann aber: „Ich verspreche mir von seiner Anwesenheit in einer Hauptverhandlung nichts Positives.“

Am Ende sprach das Amtsgericht eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr aus, setzte die auf drei Jahre zur Bewährung aus. Der Beschluss umfasst sechs Auflagen: Das Gericht wird dem Angeklagten einen Bewährungshelfer zur Seite stellen. Der Angeklagte muss sich in psychotherapeutische Behandlung begeben. Verboten ist dem Mann künftig der Kontakt zu all denen, die an seinen familiären Auseinandersetzungen beteiligt sind. Der Mann hat 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu leisten oder eine Geldbuße von 1500 Euro à 50 Euro monatlich an die Hilfsorganisation Weißen Ring zu zahlen. Künftige Wohnadressen muss der Mann dem Gericht sofort mitteilen. Die Belehrung wird das Gericht dem Angeklagten nicht wie üblich schriftlich mitteilen. Richter Witt will dem Mann den Bewährungsbeschluss persönlich erläutern.

Der Verteidiger der Nebenkläger fand am Ende versöhnliche Worte: „Vielleicht kann der Angeklagte, wenn er eine Therapie beginnt, mit seiner Frau und seiner Tochter wieder normal umgehen.“ Seit 2013 laufen familiäre Auseinandersetzungen. Der Mann verlor damals das Sorgerecht für seine Tochter.

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