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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 21:34 Uhr

Bewährung nach Prügelattacke

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

47-Jähriger griff am 1. Januar 2013 seine Lebensgefährtin an und schlug sie krankenhausreif / Paar ist inzwischen verheiratet

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Seit über 25 Jahren sei er Polizist – „aber so etwas sieht man glücklicherweise nur selten“, schilderte der Beamte in seiner Zeugenaussage vor dem Eutiner Amtsgericht. Angeklagt war ein 47 Jahre alter Scharbeutzer. Dort soll er am 1. Januar 2013 die verglaste Tür eines Nachbarn mit einem Hammer eingeschlagen haben. In der Wohnung saßen der Nachbar und die damalige Lebensgefährtin des Angeklagten und tranken gemeinsam Alkohol. Ohne ein Wort zu sagen soll der Angeklagte, der derzeit eine Haftstrafe wegen Körperverletzung verbüßt, auf seine Lebensgefährtin losgegangen, sie getreten und mit Fäusten geschlagen haben. Obwohl der Mann zum Tatzeitpunkt noch unter Bewährung stand, kam er dieses
Mal wieder mit einer Bewährungsstrafe davon: Richter Otto Witt verurteilte ihn zu einem Jahr und sechs Monaten Haft mit einer dreijährigen Bewährungszeit. Außerdem muss der Frührentner eine Gewalt- und eine Alkoholtherapie machen.

„Ich war ziemlich geschockt, als ich in die Wohnung kam“, erinnerte der Polizist sich an den Einsatz . Das 43 Jahre alte Opfer habe aus dem Mund geblutet und sei nicht ansprechbar gewesen. „Das ganze Gesicht war verformt“, schilderte der Beamte. Im Krankenhaus stellte sich heraus, dass die Frau ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch und eine Thoraxprellung hatte. Aussagen wollte sie trotzdem nicht gegen den Angeklagten. Musste sich auch nicht, denn inzwischen sind beide verheiratet.

Nach anfänglichem Zögern sagte dann allerdings der Angeklagte aus. Gemeinsam mit seiner jetzigen Frau sei er damals am Strand bei der Eisbahn gewesen. Dort kam es zum Streit. Später habe er dann erfahren, dass seine Lebensgefährtin zur Wohnung ihres Bekannten gefahren war. „Sie war schon öfter da für ihre Saufgelage“, berichtete der Angeklagte über
seine schwer alkoholkranke Frau. Er habe sie zur Rede stellen wollen. Das habe sie gar nicht interessiert. „Da
habe ich ihr eine geknallt.“

Kurios mutete die Zeugenaussage eines Nachbarn an. Der 74-Jährige hatte zwar von dem eigentlichen Angriff nichts mitbekommen und kannte auch den Angeklagten nicht. Trotzdem wandte er sich an Richter Witt: „Er muss nicht so viel Strafe bekommen.“ Auf die irritierte Nachfrage, weshalb er so denke, antwortete er: „Er tut mir leid.“

Mitleid hatte Richter Otto Witt bei seiner Urteilsfindung zwar nicht mit dem Angeklagten. Wohl aber sah er noch einmal die Grundlage für eine Bewährungsstrafe als gegeben. „Dass das eine ganz brutale Sauerei war wissen wir beide“, wandte er sich an den Angeklagten. Trotzdem denke er, dass man eine Bewährung noch einmal riskieren könne – allerdings nur in einem ganz starren Rahmen von Bewährungsauflagen.

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