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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 03:04 Uhr

Bettina Sieberns hilft aggressiven Kindern

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Malente: Betreuerin hat an der Schule an den Auewiesen ihre Arbeit aufgenommen

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2015 | 15:00 Uhr

In der ersten Unterrichtsstunde ist noch alles in Ordnung. Doch in der zweiten lässt die Konzentration nach. Einen Schüler hält es nicht mehr auf seinem Platz, er rennt durch die Klasse, lenkt die anderen ab, ist aggressiv, lässt sich nicht mehr beruhigen. Ein geordneter Unterricht ist nicht mehr möglich. Solche oder ähnliche Szenarien seien an seiner Schule in den vergangenen Monaten leider häufiger vorgekommen, berichtet Dr. Thilo Philipp, Leiter der Schule an den Auewiesen.

Die scheinbar einfache Lösung, die Störenfriede einfach vom Unterricht auszuschließen, kam für ihn auf Dauer nicht in Frage. Vielmehr fragte sich Philipp: „Was tun wir, damit wir diese Kinder zu einem Lernerfolg bringen können?“ Inzwischen hat der Schulleiter eine Lösung parat, um die Situation in den Griff zu bekommen. Seit einigen Tagen, kurz nach dem Ende der Osterferien, arbeitet Bettina Sieberns an der Schule – als Betreuerin für Kinder mit sozialer und emotionaler Benachteiligung.

Die 47-jährige Malenterin kennt sich an der Gemeinschaftsschule bestens aus. Ihre eigenen Söhne, inzwischen 23 und 18 Jahre alt, besuchten die Schule, sie arbeitet hier seit sieben Jahren ehrenamtlich in der Cafeteria mit und betreute bis zum vergangenen Sommer ein Kind als Schulbegleiterin. Die gelernte Einzelhandelskauffrau kümmerte sich lange um ihre Familie und absolvierte danach bei der BQOH eine Weiterbildung zur Kindertagespflegerin und Kinderbetreuerin.

Philipp ist von der neuen Mitarbeiterin sehr angetan: „Sie kommt positiv rüber. Da kann man Schwierigkeiten gleich anders bewältigen.“ Wer mit der Betreuerin über ihren neuen Job spricht, kann sich gut vorstellen, dass sie „ein Händchen für die Kinder hat“, wie es Philipp formuliert. Zwischen zwei und fünf Schüler benötigen nach Philipps Angaben besondere Aufmerksamkeit, oft, aber durchaus nicht immer handele es sich dabei um Heim- und Pflegekinder, die in Malente lebten.

Für ihre Arbeit jeden Vormittag von 8 bis 12.15 Uhr steht Bettina Sieberns ein eigener Raum zur Verfügung: „Ich biete den Kindern Gespräche an, versuche sie zu beruhigen, ihnen viel Positives zu vermitteln und sie wieder zu motivieren.“ Dabei stoße sie bei den betroffenen Kindern, sowohl Jungen als auch Mädchen, auf große Offenheit. „Die Kinder kommen sofort auf mich zu. Es ist Wahnsinn, was die mir alles erzählen“, berichtet die Betreuerin.

Die Gemeinde als Schulträgerin investiert 4500 Euro in das Projekt, das zunächst bis zu den Sommerferien läuft. Dabei leisteten Philipp und Bürgermeister Michael Koch ein gehöriges Stück Überzeugungsarbeit bei den Kommunalpolitikern. Der Verwaltungschef ist überzeugt, dass das Geld gut angelegt ist: „Die Situation war für mich erschreckend.“ Es sei ein „deutliches Signal, wenn ich höre, wir kriegen hier Ruhe in den Unterricht und Ruhe in die Kinder“.

Der Handlungsdruck war erheblich, berichtet auch Philipp. Zwei Eltern hätten ihre Kinder aus der Schule abgemeldet, weil ihre Kinder den Aggressionen der betreffenden Kinder ausgeliefert gewesen seien. „Einige Kinder haben es vor dem Eintritt in die Schule nicht gelernt, Gefühle zu zeigen, sie haben es nicht gelernt, sich in eine Gemeinschaft einzubringen, ohne Gewalt anzuwenden oder aggressiv aufzutreten“, erklärt Philipp. Zwar gebe es auch Schulsozialarbeiter an der Schule, doch diese könnten sich längerfristig nicht so intensiv um einzelne Schüler kümmern. Und auch Schulbegleiter gebe es für diese Kinder nicht. Wenn hier nun mit Hilfe von Bettina Sieberns gezielt nachgesteuert werde, sei die Schule in der Lage, mehr Schüler zu besseren Lernerfolgen zu führen, ist er überzeugt.

Aus Sicht von Michael Koch könnte die Gemeinde mit dem Vorhaben eine Vorreiterrolle spielen. „Vielleicht kann Malente auch ein Stück Modell sein für ein Arbeitsfeld, das noch nicht abgedeckt ist.“ Mit dem Schulleiter hofft er auf eine langfristige Finanzierung der Betreuerin. Die Signale dafür seien positiv, sagt Philipp: „Es sieht gut aus, dass wir die Finanzierung auf drei Beine stellen können.“ Dann würden sich neben der Gemeinde auch Land und Kreis beteiligen.

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