Betrunkener warf Molotow-Cocktail

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11. November 2010, 07:26 Uhr

Plön/Martensrade | Ein 24-jähriger Plöner ist gestern vor dem Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro verurteilt worden. Es ging in der Verhandlung um Beleidigungen, Beschädigungen und das Werfen eines Molotow-Cocktails auf das Nachbarhaus. Alles geschah unter erheblichem Alkoholgenuss.

Er hatte im Juli des vergangenen Jahres einen Kumpel in sein Elternhaus in Martensrade eingeladen. Sie zechten bis in den Sonntagmorgen hinein den Inhalt einer Kiste Bier und zwei Flaschen Schnaps aus. Die Musik wurde aufgedreht, die Bässe dröhnten und die Nachbarn konnten nicht schlafen.

Die Polizei kam in der Nacht gleich zwei Mal ins Spiel und musste den 24-Jährigen beruhigen. Beim dritten Auftritt nahmen ihn die Beamten mit zur Ausnüchterung ins Gewahrsam nach Kiel. Der Betrunkene hatte nach einem Atemalkoholtest 1,98 Promille.

Nach den Beschwerden der Nachbarn rastete der betrunkene 24-Jährige komplett aus, klingelte mitten in der Nacht bei ihnen Sturm, trat gegen ihre Haustür, urinierte davor und beschimpfte die Nachbarin heftig. Im weiteren Verlauf zertrümmerte er vor ihrem Haus seine Stereoanlage und beschmierte den Ford-Focus des Nachbarn mit Tomatensauce und Heringen.

Höhepunkt der nachbarschaftlichen Streitigkeiten in der Nacht war das Befüllen einer Bierflasche mit Benzin aus einem Rasenmäher zu einem Molotow-Cocktail. Beim Wurf des gefährlichen Gemischs auf die Terrasse des Nachbarhauses durch den 24-jährigen Angeklagten sei das brennende Tuch jedoch abgefallen. Der Brandbeschleuniger blieb wirkungslos.

Er habe schon öfter mit den Nachbarn Probleme gehabt und sei nach diesem Vorfall auch aus seinem Elternhaus geworfen worden, sagte der 24-Jährige, der jetzt in Plön wohnt, mit leiser Stimme. An die Vorkommnisse in der Nacht habe er keine Erinnerungen mehr. Aber seit dem ist Ruhe in Martensrade.

Die beiden Nachbarn waren als Zeugen geladen und bestätigten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Die 60-jährige Nachbarin hatte sich in der Nacht sogar so sehr aufgeregt, dass sie ein paar Tage später mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Der 24-Jährige habe sich zwar bei ihr entschuldigt, zeige ihr aber immer wieder den Sperrfinger. Der 51-jährige Nachbar schüttelte den Kopf, sieht die Entschuldigung nicht ernst gemeint: "Ärger mit ihm gibt es ja nicht zum ersten Mal." Er hätte ihn auch "lieber im Knast gesehen", sagte der 51-Jährige Frührentner nach der Verhandlung auf dem Gerichtsflur. Und auch der Polizeibeamte wusste: "Wenn der Angeklagte fünf Flaschen Bier trinkt, dann ist das wie eine Achterbahn." Seine Beobachtung in der Nacht: Umso später der Morgen wurde, desto nüchterner wurde der 24-Jährige.

Die Amtsrichterin erkannte auf verminderte Schuld-fähigkeit, während der Verteidiger auf vorsätzlichen Vollrausch plädierte. Nachdem sich der 24-jährige Angeklagte noch einmal entschuldigte und Besserung um Umgang mit Alkohol gelobte, sprach die Amtsrichterin das Urteil. "Ein Glück, dass mit dem Molotow-Cocktail nicht mehr passiert ist."

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