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Aus dem Eutiner Gericht : „Betrunken bin ich ein schlechter Mensch“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schicksalsschlag: Junger Mann änderte nach dem Tod des Bruders sein Leben.

Andrej M.* (27) hat heute einen fast athletischen Körper, sein Blick ist offen, er wirkt nervös. Knapp fünfeinhalb Monate nachdem er seinen Vater im Rausch ohnmächtig geprügelt hat, musste er sich gestern vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten, wegen Widerstand und versuchter Körperverletzung gegenüber Vollstreckungsbeamten.

Doch von vorn: Andrej M., so sagt er selbst vor Gericht, hat ein Alkoholproblem: „Ich trinke seit fünf Jahren.“ Auch am ersten Januar, dem Tag, als er sich mal wieder mit seinem Vater körperlich und verbal auseinandersetzte, war er stark alkoholisiert (2,69 Promille). „Ich habe eigentlich seit dem 14. Dezember durchgetrunken“, erklärt er Richter Otto Witt und senkt den Kopf, „an dem Tag ist mein kleiner Bruder gestorben“. An den Streit mit seinem Vater kann sich der 27-Jährige nicht im Detail erinnern – „das kam öfter mal vor“, auch nicht an die versuchte Kopfnuss, zu der der damals 130 Kilogramm schwere Mann ansetzte, als der Polizist ihn an den Handgelenken nahm und ihn schließlich auf dem Küchenboden fixieren konnte. Andrej M. kam mit aufs Revier – und stellte sein Leben komplett um.

„Ich habe mir selber Hilfe geholt, eine Entgiftung in Plön gemacht und trinke seit dem nicht mehr. Wenn ich betrunken bin, bin ich ein schlechter Mensch und das soll aufhören.“ Knapp 55 Kilogramm hat er binnen der kurzen Zeit nur durch Sport und Weglassen des Alkohols abgenommen – „und ich werde weitermachen, ich werde das schaffen“, sagt er auf Nachfrage des Richters. Selbst der Polizist im Gerichtssaal zeigte sich überrascht, ob der Leistung des Jungen. Für die Beleidigungen habe sich Andrej M. wenige Tage später persönlich bei ihm entschuldigt. „Er ist eigentlich ein ganz ordentlicher Kerl ohne den Alkohol. Ich habe ihm gesagt, dass das kein Freifahrtsschein ist, um uns zu beleidigen“, erklärte der Polizeihauptkommissar aus Eutin, der den Angeklagten schon aus anderen Einsätzen mit Alkoholbezug kannte. Andrej M. habe das verstanden.

„Sie sind auf einem guten Weg, kommen Sie nicht davon ab“, sagte Richter Otto Witt zu ihm, „wäre der Alkohol nicht, wären Sie nicht vorbestraft“. Witt folgte in seinem Richterspruch dem Antrag des Staatsanwaltes und verurteilte Andrej M. zu einer Geldstrafe von insgesamt 800 Euro.

*Name geändert

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erstellt am 28.Jun.2016 | 17:00 Uhr

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