Betriebsrat kündigt Widerstand an

Kendrion-Kuhnke: Arbeitnehmervertreter planen Gegenkonzept zu Stellenabbau

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19. Juni 2018, 17:02 Uhr

Es rumort bereits seit längerem gewaltig in der Automotiv-Sparte von Kendrion-Kuhnke. Kurz vor der Ende vergangenen Jahres angekündigten ersten Entlassungswelle mit 17 betroffenen Mitarbeitern hatte der Malenter Automotive-Geschäftsführer Torsten Komischke seinen Hut genommen. Seine Aufgaben übernahm Bernd Gundelsweiler, Geschäftsführer Automotive im Gesamtkonzern. Doch nur kurze Zeit später verließ auch er Kendrion, offenbar, weil die Unternehmensspitze mit der Profitabilität der von ihm geführten Sparte unzufrieden war.

Seit einigen Monaten führt nun der oberste Konzernchef Joep van Beurden kommissarisch den Automotive-Bereich und fungiert auch als Chef in der Malenter Automotiv-Sparte. Und als solcher kehrt er offenbar mit eisernem Besen. Ungeachtet der wütenden Reaktionen des Malenter Betriebsrats auf die ersten Stellenstreichungen und dessen – vergeblichen – juristischen Widerstands kündigte er in diesen Tagen einen erheblich weitergehenden Stellenabbau an. Statt 17 Arbeitsplätzen sollen jetzt bis zu 50 Jobs gestrichen werden.

Die Geschäftsführung spricht von einer „strategischen Neuausrichtung“ und begründet diese mit betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten: Geplant sei „eine weitergehende Fokussierung auf die Kernkompetenzen, um das Unternehmen in eine wirtschaftlich stabile und nachhaltige Zukunft zu führen“, teilte die Geschäftsführung gestern mit. Konkret heißt dies: Der Standort soll sich auf Forschung und Entwicklung von Soundsystemen sowie deren Herstellung konzentrieren. Der Produktionsbereich sei von der Restrukturierung nicht betroffen, teilte die Geschäftsführung ausdrücklich mit.

Mit sogenannten Sound-Aktoren verhelfen Automobilhersteller kleinen, sparsamen Motoren zu einem sonoren Klang, wie ihn normalerweise nur deutlich größere Triebwerke bieten. Dieser Geschäftszweig war bereits entwickelt worden, bevor
der damalige Mittelständler Kuhnke 2013 durch den börsennotierten niederländischen Kendrion-Konzern übernommen wurde.

Der Betriebsrat hält den Kurs des Konzerns für fatal: „Nur sechs Monate nach den Entlassungen Ende letzten Jahres steht nun wieder ein Arbeitsplatzabbau, ohne dass eine erkennbare Strategie des Unternehmens erkennbar ist“, kritisierte Betriebsratsvorsitzende Cornelia Horn. „Wir wollen wissen, wie es mit Kendrion-Kuhnke in Malente weitergeht“, betonte Daniel Friedrich, Geschäftsführer der IG-Metall Lübeck-Wismar. Das Unternehmen habe eine soziale Verantwortung für die Beschäftigten und den Standort.

Genau die glaubt die Kendrion-Kuhnke mit dem geplanten Stellenabbau wahrzunehmen. „Die Geschäftsführung ist zuversichtlich, dass mit dieser Anpassung der Organisation des Unternehmens an die Erfordernisse des Marktes und des Wettbewerbs verbunden mit einer Kostenreduzierung der Standort in Malente nachhaltig gesichert wird“, heißt es in der Pressemitteilung der Geschäftsführung. Mit der Fokussierung auf die Kernkompetenzen wolle man das Unternehmen in eine wirtschaftliche stabile und nachhaltige Zukunft führen.

Ronny Splettstößer, Kaufmännischer Leiter bei Kendrion-Kuhnke Automotive, betonte, dass der geplante Abbau von 50 Stellen nicht automatisch gleichbedeutend mit 50 Entlassungen sei. Man werde nun in Gespräche mit dem Betriebsrat eintreten, um nach Lösungen zu suchen, wie ein Interessenausgleich hergestellt werden könne. Aufgrund der Größe des Einschnitts könne dies nur ein gemeinsamer Prozess sein. Dieser solle nach Möglichkeit bis Jahresende abgeschlossen werden. „Wir wissen aber, dass wir dabei mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft zusammenarbeiten müssen.“

Die Geschäftsführung kann sich wohl erneut auf viel Gegenwind einstellen. Die Arbeitnehmervertreter würden ein Gegenkonzept erarbeiten, kündigten Betriebsrat und Gewerkschaft an. „Es wird eine lange Auseinandersetzung um die Arbeitsplätze und die Zukunft des Standortes.“ Man wolle ein Ausbluten des Standorts verhindern.

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