Vorsitzende trat zurück: : Betreuungsverein steckt in tiefer Krise

Der Verein für Personensorge – hier sein Logo – steht unter Druck.
1 von 2
Der Verein für Personensorge – hier sein Logo – steht unter Druck.

Mitglieder lehnten Antrag auf Auflösung des Vereins für Personensorge und Betreuung ab.

23-24686863_23-56998053_1386856218.JPG von
13. November 2013, 06:00 Uhr

Der Verein für Personensorge und Betreuung Ostholstein steht offensichtlich vor dem Zusammenbruch. Die Fakten: der Geschäftsführer ist seit Monaten krank, die Vorsitzende ist zum 31. Oktober zurückgetreten und der Restvorstand will 2014 nicht wieder kandidieren. Höhepunkt der Entwicklung: die Mitglieder haben am Montag in einer außerordentlichen Versammlung einem Antrag auf Auflösung des Vereins nicht zugestimmt.

Mit seiner Arbeit will der einst unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt gegründete Verein vor allem durch Aus- und Fortbildung ehrenamtlicher Betreuer erreichen, dass jeder Mensch im Besitz aller Rechte bleibt – auch wenn er nur zeitweilig oder dauerhaft nicht in der Lage ist, diese Rechte selbst wahrzunehmen. Der Geschäftsführer und eine Betreuerin mit einer halben Stelle werden vom Kreis Ostholstein als hauptamtliche Kräfte finanziert. Jeder Betreute wird vom Verein als Bindeglied zwischen Verwaltung und Amtsgericht soweit wie möglich in der Wahrnehmung seiner Rechte unterstützt.

Doch diese hohe soziale Komponente des 1992 gegründeten, heute 109 Mitglieder zählenden und jetzt strauchelnden Vereins für Personensorge und Betreuung Ostholstein scheint derzeit mehr und mehr in den Hintergrund zu geraten. Zwei unterschiedliche Internetseiten werden schon seit Frühjahr nicht mehr aktualisiert. Lediglich die Namen des Vorstandes um die Vorsitzende Susanne Kasten wurden aus dem Internet-Auftritt entfernt. Der krankheitsbedingte Ausfall des Geschäftsführers soll nach OHA-Informationen nach einem Zerwürfnis mit dem Vorstand begonnen haben.

Es soll zunächst ziemlich ungeordnet zugegangen sein – jedoch ohne, dass Betreute darunter gelitten hätten. Seit Frühjahr lastet deshalb offenbar viel Arbeit auf dem Vorstand. So sehr, dass Susanne Kasten mit ihren Stellvertretern am 1. Juni einen unserer Zeitung vorliegenden Arbeitsvertrag über ein „geringfügiges Arbeitsverhältnis“ schloss. Das allerdings lässt die Vereinssatzung nicht zu. Ihren Rücktritt reichte Susanne Kasten mit Wirkung zum 31. Oktober dieses Jahres ein. Susanne Kasten selbst sah sich gestern für den OHA als zurückgetretene Vorsitzende nicht befugt, Stellung zu beziehen.

Das Dilemma im Verein für Personensorge und Betreuung Ostholstein trat Montag auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zu Tage. Offensichtlich ohne Entlastung der bereits zum 31. Oktober zurückgetretenen Susanne Kasten sollte ein Nachfolger für sie gewählt werden. Und auch ein Kassenwart sollte neu gewählt werden.

Da weder ein neuer Vorsitzender, noch ein neuer Schatzmeister von den nur 14 anwesenden Mitgliedern zur Verfügung standen, hatte der alte Vorstand offenbar „vorausschauend“ schon einen Antrag auf Vereinsauflösung auf die knappe Tagesordnung gesetzt. Der Antrag wurde allerdings mit fünf zu zehn Stimmen abgelehnt. Nach OHA-Recherchen sollen die Befürworter der Auflösung sogar aus Reihen des Vorstandes kommen. Der kranke Geschäftsführer soll aus dem Krankenlager heraus sogar schriftlich für die Auflösung votiert haben.

Frank Cordua, für Betreuung zuständiger Fachdienstleiter beim Kreis Ostholstein, bedauerte die Schwierigkeiten im Verein für Personensorge und Betreuung Ostholstein: „Der Kreis Ostholstein hat ein Interesse daran, dass im Kreisgebiet weiterhin zwei Betreuungsvereine tätig sind.“ Neben dem jetzt strauchelnden Verein für Personensorge und Betreuung Ostholstein ist auch der „Betreuungsverein Ostholstein“ im DRK-Kreisverband Ostholstein in Sachen Betreuung aktiv. Frank Cordua weiter: „Nach wie vor wird der Kreis beide Vereine nicht nur finanziell unterstützen.“

Wie geht es nun weiter im Verein für Personensorge und Betreuung Ostholstein? Susanne Kasten sah sich gestern als zurückgetretene Vorsitzende nicht befugt, dem OHA Auskunft zu geben. Auch zu dem zwischen ihr und ihren beiden Stellvertretern geschlossenen Arbeitsvertrag wollte sie nichts sagen. Nach OHA-Informationen soll nun zunächst beim Amtsgericht Eutin versucht werden, einen sogenannten Notvorstand zu bestellen.

Fest steht wohl, dass die Personalpolitik des Vorstandes kräftig in die Hose ging. Das soll am Montagabend auch ausführlich in der außerordentlichen Mitgliederversammlung diskutiert worden sein. Dort soll Susanne Kasten auch eingeräumt haben, als Vorsitzende einen Arbeitsvertrag mit dem Verein für Personensorge und Betreuung geschlossen zu haben. Über die Zukunft und die soziale Sicherung der beiden Mitarbeiter, die seit rund 18 Jahren im Verein angestellt sind, wurden vor den Mitgliedern keine Angaben gemacht.

Besonders schwer wiegt der am Montag artikulierte Vorwurf aus der Mitgliedschaft, der Vorstand habe Betreuungen, deren Vergütungen dem Verein zugestanden hätten, einem einzelnen Berufsbetreuer übertragen. Fragen, zu denen die zurückgetretene Vorsitzende Susanne Kasten keine Antworten geben wollte.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen