Neulich : Betreutes Wohnen

OHA-Autorin Karla Weiß hat ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema "betreutes Wohnen" gemacht.

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25. September 2011, 02:29 Uhr

Betreutes Wohnen. Zwei Worte von großer Bedeutung.
Vor einigen Jahrzehnten kannte man diesen Begriff nicht. Drei, oft auch vier Generationen lebten unter einem Dach. Man war für einander da – ein Selbstverständnis.
Nach Lob und Tadel für die Einrichtung "Betreutes Wohnen" wird in diesen Zeilen vergebens gesucht. Auch das Wort Wirtschaftsfaktor soll nicht erörtert werden.
Hier soll von einem "Betreuten Leben“ erzählt werden, wo das Bibelwort "Einer trage des Anderen Last" spürbar ist. Es gibt nämlich innerhalb unserer Stadt und anderswo noch eine Institution, die rund um die Uhr zum Wohle der ihr Anvertrauten wirkt. Ausgebildete Fachkräfte sorgen für Wohnung, Hausrat, Wäsche, für alles, was der Pflegebedürftige zum Leben braucht. Die vom Arzt verschriebenen Medikamente oder besondere therapeutische Maßnahmen werden verantwortungsvoll überwacht.
Was aber genauso wichtig ist, wie das tägliche Essen, ist die Tatsache, dass die Pflegekräfte sich Zeit nehmen. Sie lassen sich Zeit für jedes Gespräch, das die Seele braucht, das ihr wohl tut. Das Leben wird betreut, und zwar an 365 Tagen eines jeden Jahres. Auch an den Feiertagen ist der Pflegebedürftige nicht allein.
Unser liebenswerte Herr Nachbar wird so betreut. Nun hatte er Geburtstag und lud alle Betreuerinnen und Bekannte zu einem Festmahl in ein schön gelegenes Restaurant am See ein. Geteilte Freude ist doppelte Freude! Das Geburtstagskind hatte auf dem Vorwege ein Wild-Essen bestellt und seine Betreuerinnen gebeten, besonders große Servietten zu kaufen (womit man früher die Aussteuer-Kiste füllte), denn, so meinte der Jubilar, wer Wild isst, könnte eventuell wild essen und die festliche Garderobe sollte nicht gleich in die Reinigung gebracht werden müssen. Nicht jedem 87-Jährigen ist es vergönnt, eine humorvolle Rede zu halten, wie es der Gastgeber tat und nach dem vorzüglichen Essen und gepflegten Getränken wurden die Gäste wieder nach Eutin gefahren, wo man den Tischbein-Garten inspizierte und anschließend in historischen Räumen Kaffee mit herrlichen Torten und Kuchen genoss.
Und was machte der Jubilar am Ende seines sonnendurchfluteten Geburtstages? Er verteilte an seine Gäste Tüten. Ganz normale Plastik-Tüten zum Füllen mit den Erlebnissen, Erfahrungen, guten Worten, um diese mit nach Hause zu nehmen. Betreutes Leben gibt Freude pur.

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