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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 14:58 Uhr

Jahrmarkt : Besuchergeschmack nicht getroffen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dem Eutiner Jahrmarkt droht das Aus. Die Schausteller klagen über ein ausbleibendes Publikum, während die Gäste mit dem Angebot unzufrieden sind.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 04:30 Uhr

Jeniffer Funk und ihr Bruder Leon haben es eilig. Hastig drücken sie dem Kassierer ein paar Geldmünzen in die Hand. Dann rennen die beiden Eutiner sofort zu den Wagen des Autoscooters auf dem Berliner Platz und steigen voller Vorfreude mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht ein. Dabei hätten sie sich überhaupt nicht sputen brauchen, denn in dem Autoscooter herrscht gähnende Leere.

Dieses triste Bild lässt sich auf den gesamten Jahrmarkt auf dem Berliner Platz mit seinen zwölf Buden übertragen. Trotz Sonnenschein und Herbstferien schlendern nur wenige Jugendliche und Familien mit Kindern über den Jahrmarkt. „Wir sind in den letzten Wochen im Norden von Jahrmarkt zu Jahrmarkt gefahren, doch so schlecht wie in Eutin lief das Geschäft nirgends“, sagt Marc Mantau aus Uelzen von der Autoscooterei konsterniert. Dieses Problem ist Christine und Ingo Lauenburger bekannt. Das Gleschendorfer Ehepaar betreibt zwei Buden auf dem Jahrmarkt. Zudem ist Ingo Lauenburger Sprecher der Schausteller. „Wir spüren hier ganz klar die Konkurrenz durch den Hansa-Park, besonders seit dort verhältnismäßig günstige Jahres-
tickets verkauft werden“, meint Christine Lauenburger. Sie will daher nicht ausschließen, dass dies der letzte Eutiner Jahrmarkt gewesen sein könnte.

Damit hätte Jasmin Jarr kein Problem. „Ich finde das zwar echt schade für die Aussteller, aber der Hansa-Park hat einfach deutlich mehr zu bieten.“ Vermissen würde sie den Jahrmarkt daher nicht. „Ich bin nur wegen meiner vierjährigen Tochter hier.“

Auch André Manglitz hält wenig von dem Markt. „Ganz ehrlich, fehlen würde er mir nicht“, sagt der Eutiner. „Es gibt hier einfach zu wenige Fahrgeschäfte.“ Dem hält Christine Lauenburger entgegen: „Warum sollen wir mehr anbieten, wenn die Besucher fernbleiben?“.

Unzufrieden mit dem Angebot sind auch Jeniffer und Leon Funk, die zusammen mit ihrer Mutter Cindy gekommen sind. „Aber immerhin gibt es von Jahr zu Jahr auch mal wechselnde Karussells“, sagt die 13-jährige Jeniffer Funk. „Im Hansa-Park kennen wir alles schon, das wird dann langweilig.“ Eutin ohne Jahrmarkt? Für das Trio unvorstellbar.

Aus Rückmeldungen wie dieser und dem vergleichsweise großen Andrang am Sonntag zieht Ingo Lauenburger seine Motivation, den Markt doch am Leben halten zu können. Er ist sich sicher: „Wenn der Jahrmarkt tot ist, dann ist er tot. Eine Wiederbelebung in ein paar Jahren ist nicht möglich.“ Daher hofft Lauenburger, in der Mitgliederversammlung des ausrichtenden Schausteller-Verbands Lübeck im Dezember oder Januar die übrigen Budenbesitzer zum Weitermachen überreden zu können.

An Reformideen mangelt es Lauenburger nicht: Bereits vor anderthalb Jahren regte er eine Änderung zum Familienmarkt mit Laternenumzug, Kaspertheater oder Zauberer an. „So etwas gab es dann auch, eine Wiederholung scheiterte aber am Geld.“ Damit können Jeniffer Funk und ihr Bruder Leon gut leben. Die beiden Geschwister fahren lieber Autoscooter. Ihnen würde es schon reichen, wenn sie dabei nicht mehr allein unterwegs wären.

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