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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 16:12 Uhr

Berthold-Beitz-Ufer an der Kiellinie?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Stadtbaurat Todeskino möchte dem vor drei Jahren verstorbenen Mäzen ein Denkmal vor dem Kieler Yacht-Klub setzen

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2016 | 17:03 Uhr

Der Name von Berthold Beitz soll sich bald auch im Kieler Straßenbild wiederfinden. Auf Anregung von Baudezernent Peter Todeskino will die Stadt einen Abschnitt der Förde-Promenade unterhalb des Kieler Yacht-Clubs nach dem vor drei Jahren verstorbenen Kieler Ehrenbürger benennen. Der Ortsbeirat Ravensberg/Düsternbrook hat bereits zugestimmt, der Bauausschuss wird darüber am Donnerstag beraten. Das letzte Wort hat die Ratsversammlung.

Die Stadt legt Wert darauf, dass die Promenade im Bereich zwischen der Anlegestelle Bellevue und dem Sporthafen Belleveue „bisher unbenannt“ ist. Damit will sie neue Diskussionen um die „Kiellinie“ vermeiden – diesen Namen hat der Straßenzug nämlich erst vor ein paar Jahren erhalten. Vorher verlief hier das „Hindenburg-Ufer“. Das geplante „Berthold-Beitz-Ufer“ liegt jedenfalls vor dem Haus des Kieler Yacht-Clubs – und zu dem hatte Beitz eine besondere Beziehung.

Bertold Beitz, 1913 in Vorpommern geboren, starb nur wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag im Juli 2013. Er war während des Krieges Vertreter des Shell-Konzerns in Polen, um die dortigen Erdöl-Reserven auszubeuten. Auf seinem Firmengelände arbeiteten auch viele jüdische Beschäftigte. „Beitz errichtete ein Lager, wo mehr als 1400 Juden, zum Teil mit ihren Angehörigen, in relativer Sicherheit lebten. Er rettete sie mit der Begründung, sie seien für die kriegswichtige Erdöl-Industrie unabkömmlich. Für seinen mutigen Einsatz und seine Hilfe für die Juden zeichnete der Staat Israel Beitz 1973 mit dem Ehrentitel ,Gerechter unter den Völkern’ aus.“ So steht es in der offiziellen Würdigung der Stadt Kiel, die Beitz 2004 zu ihrem Ehrenbürger machte.

Zu diesem Zeitpunkt war Beitz bereits ein halbes Jahrhundert Generalbevollmächtigter der Firma Krupp. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der bis 1951 als Kriegsverbrecher inhaftiert war, konnte Beitz als Firmenchef gewinnen. Nach dem Tode des Patriarchen wurde Beitz 1967 Testamentsvollstrecker und Vorsitzender der mächtigen Krupp-Stiftung. Krupp wiederum hatte schon seit Ende des 19. Jahrhunderts, als er die Germaniawerft übernahm, enge Kontakte nach Kiel. Zudem gehörte Alfried Krupp zur Segler-Crew, die mit der „Germania III“ bei der Olympiade 1936 die Bronzemedaille gewann. Die „Germania III“ führte das Banner des Kieler Yacht-Clubs (KYC).

Diese Verbindung setzte Beitz – ganz im Sinne von Krupp – fort. Er war regelmäßiger Gast auf der Kieler Woche. Und er gehörte von 1966 bis 1972 dem Organisationskomitee für Olympia an, seine Stimme brachte damals die Entscheidung zugunsten von Kiel als Standort der Segelwettbewerbe. Als der KYC finanziell ins Straucheln kam, sprang Beitz ein. Die Krupp-Stiftung kaufte das Betten- und Clubhaus, investierte einen Millionenbetrag und überließ es dem Verein zur Dauermiete. Offiziell trägt das Gebäude den Namen „Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Haus“ – und vor der Eingangstür könnte jetzt bald das „Berthold-Beitz-Ufer“ verlaufen.

 

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