Bereit für die kommende Ausstellung

Prüfender Blick: Restaurator Jochen Rosehr und Boldts Werk „Fissauer Bucht des Kellersees vom Wilhelmsberg“.
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Prüfender Blick: Restaurator Jochen Rosehr und Boldts Werk „Fissauer Bucht des Kellersees vom Wilhelmsberg“.

Fielmann-Stiftung finanziert erneut die Restaurierung von sechs Werken des Eutiner Künstlers Leonhard Boldt im Ostholstein-Museum

shz.de von
09. Januar 2018, 18:03 Uhr

Nachdem sechs Portraits aus der Hand des Eutiner Künstlers Leonhard Boldt (1875–1963) im vergangenen Jahr aufwändig restauriert wurden, erstrahlt jetzt ein halbes Dutzend seiner Landschaftsbilder aus dem Bestand des Ostholstein-Museums im neuen, alten Glanz. Die Fielmann-Stiftung hat erneut die Kosten für die Frischzellenkur übernommen und die Ölbilder gestern offiziell wieder in den Bestand des Museum übergeben.

Die Werke mit den Titeln „Fissauer Bucht des Kellersees vom Wilhelmsberg“, „Blick auf die Eutiner Badeanstalt“ oder „Holländische Strandansicht“ sind jeweils rund 100 Jahre alt. „Die haben einiges erlebt“, sagte Museumsleiterin Dr. Julia Hümme. Um die überstandenen Stürme der Zeiten kümmerte sich der Kieler Restaurator Jochen Rosehr, der gestern bei der offiziellen Übergabe der Gemälde tiefstapelte: „Ich habe nichts besonderes an den Bildern gemacht“, sagte Rosehr, um kurz darauf detailliert zu schildern, wie umfangreich allein die bloße Reinigung der alten Bilder war. Rund eineinhalb Monate Arbeitszeit – längere Trockenzeiten inklusive – benötigte Rosehr für die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands. Dazu musste vor allem der vielfach vergilbte Firniss entfernt und die Oberflächen gereinigt werden. Durch das Abtragen des bräunlichen Überzugs der Bilder traten die eigentlich von Boldt gewollten Farbwirkungen wieder zutage.

Aber mit Reinigen allein war es nicht getan: Leinwand stramm spannen, Rahmen ersetzen oder erneuern, Fehlstellen ergänzen. Und sogar ein Loch musste gestopft werden.

„Wir sammeln und bewahren. Es ist ein gutes Gefühl, die Bilder auch zu pflegen“, sagte Hümme und zeigte sich überglücklich, dass das Ostholstein-Museum, das selbst kein eigenes Budget für Restaurierung oder Ankäufe besitzt, wieder von Fielmann unterstützt wurde. Seit 2010 steht Professor Günther Fielmann dem Ostholstein-Museum finanziell zur Seite – wie rund 100 weiteren kleineren Museen im Norden bei Ankäufen zur Erweiterung des musealen Bestandes und bei der Restaurierung bestehender Sammlungen.

30 bis 50 Jahre währt die Frischzellenkur der restaurierten Bilder von Boldt, den viele sicherlich eher mit den Wanderwegen rund um Eutiner Stadtbucht und Co. in Verbindung bringen. Unter anderem dafür wurde er 1950 von seiner Vaterstadt zum Ehrenbürger ernannt.

„Boldts Werke sind jedoch ein bisschen in Vergessenheit geraten“, sagte Jürgen Ostwald, Kunsthistoriker der Fielmann AG. Im Kunsthandel seien Bilder in den vergangenen Jahren nicht vertreten gewesen, so Ostwald. Die meisten seien in Privatbesitz, zumal Boldts Werke vielfach in der Region entstanden und hier Abnehmer fanden.

Rund 20 Gemälde des Eutiner Künstlers hat das Museum insgesamt im Bestand. „Die schlummern zum größten Teil jedoch im Magazin“, sagte Hümme. Doch wohl nicht mehr lange: Denn Ende dieses Jahres plant das Ostholstein-Museum eine Ausstellung mit Skizzenbüchern sowie Leihgaben von Landschafts- und Portraitbildern aus privater wie öffentlicher Hand.

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