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Fehmarn : Beltquerung: Badeorte sollen von Güterzügen verschont bleiben

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es war eine Horrorvision: Nach dem Bau des Fehmarnbelt-Tunnels stört täglich eine Flut von Güterzügen die Idylle der Badeorte an der Lübecker Bucht. Die Landesregierung will das verhindern. Eine neue Trasse nahe der A1 soll den Tunnel mit dem Hinterland verbinden.

Kiel/Puttgarden | Über eine neue Bahntrasse an den Badeorten vorbei soll der Güterverkehr nach Fertigstellung des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels durch Ostholstein rollen. Dieses Ergebnis des Raumordnungsverfahrens mit einem Neubau dicht an der A1 stellte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) am Dienstag in Kiel nach einer Kabinettssitzung vor. Weil die Prognosen für 2025 von täglich fast 140 Zügen zwischen Lübeck und Puttgarden ausgehen, hatte die Planung der Bahn AG für einen Ausbau der Trasse durch die Badeorte an der Lübecker Bucht wegen der drohenden Belastungen Unruhe und Proteste ausgelöst. Zum Raumordnungsverfahren gingen 8300 Beschwerden ein.

Der Trassenvorschlag sei Arbeitsergebnis der von ihm geleiteten Landesplanungsbehörde und nicht ein bloßer Wunsch der Regierung, sagte Albig. Er forderte die Bahn AG auf, unter Berücksichtigung des Raumordnungsverfahrens zügig die Planungen voranzutreiben. Das jetzt erzielte - rechtlich nicht verbindliche - Ergebnis zu ignorieren, sei nicht denkbar. Albig sprach von einer „Wegweisung für die Bahn“. Wäre die Anbindung an den Tunnel 2021/22 nicht fertig, würden alle Züge über die alten Gleise durch die Badeorte rollen.

Die Regierung habe den Wunsch der Bürger ernst genommen, die Orte vom Güterverkehr zu entlasten, erklärte Albig. Deshalb habe sie eine Alternative zur Vorzugstrasse der Deutschen Bahn entwickelt. Es sei gelungen, eine für die Region und die Menschen möglichst verträgliche Trasse zu finden. Die neuen Haltepunkte außerhalb der Bäderorte sollen mit Bussen angebunden werden. Für Timmendorfer Strand etwa verlängert sich der Weg um gut zwei Kilometer nach Westen.

Der Vorschlag sieht Umfahrungen für Ratekau, Lensahn, Großenbrode und Oldenburg vor. Geplant ist eine Neubaustrecke auf 55 Kilometern. Die Strecke über die Bäderorte soll ab Fertigstellung der neuen Trasse stillgelegt werden. Deren Ausbau sollte nach früheren Schätzungen 900 Millionen Euro kosten. Aktuelle Berechnungen liegen nicht vor. Für die bestehende Strecke zwischen Lübeck und Bad Schwartau werde ein Ausbau empfohlen, erläuterte Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele.

In einem Staatsvertrag mit Dänemark hat Deutschland sich verpflichtet, die Bahnstrecke in Ostholstein bis zur Eröffnung des Tunnels zu elektrifizieren und binnen sieben Jahren danach zweigleisig auszubauen. Dies sei möglich, sagte Albig. Der Bau des 18 Kilometer langen Fehmarnbelt-Tunnels soll 2015 beginnen und 2021 abgeschlossen werden. Dem Raumordnungsverfahren folgt jetzt das Planfeststellungsverfahren der Deutschen Bahn. Am Ende entscheidet das Eisenbahn-Bundesamt über die Trassenführung.

Als Teilerfolg wertete Bürgermeister Volker Owerien aus Scharbeutz den Kieler Trassenvorschlag. „Es wird kein Güterverkehr durch Haffkrug und Scharbeutz führen“, sagte er der dpa. Bedauerlich sei, dass die Nahverkehrstrasse nicht bleiben soll. Nun müsse ein Konzept erstellt werden, das Pendlern und Gästen gerecht wird. Owerien regte an, einen anderen Betreiber für die Trasse zu finden, wenn die Bahn AG sie nicht mehr befahren wolle. Die Reaktion aus Timmendorfer Strand fiel genauso aus.

Lob kam von den Unternehmerverbänden: „Mit dem Abschluss des Raumordnungsverfahrens ist der Norden einen guten Schritt vorangekommen“, sagte UVNord-Präsident Uli Wachholtz. Das Votum für eine Neubautrasse in Autobahnnähe sei ein wichtiges Signal für den Tourismusstandort und für die Akzeptanz des Projektes in der Region.

Die SPD-Fraktion insgesamt befürwortete die Lösung, auch wenn eine Stilllegung der Nahverkehrstrasse eine bittere Pille wäre. Bei ihrer kritischen Haltung zum Gesamtprojekt blieben die ostholsteinische SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn und ihr Landtagskollege Lars Winter: Es gebe keine Gewinner, sondern nur unterschiedlich stark betroffene Verlierer. Hagedorn, SPD-Sprecherin für Verkehr im Haushaltsausschuss, sagte auch eine Kostenexplosion voraus.

Auch die Grünen bekräftigten ihre Skepsis. Unklar bleibe, wie der Bund über 2,5 Milliarden Euro für die Hinterlandanbindung finanzieren wolle, sagte die Landesvorsitzende Ruth Kastner. Für nur 6000 Fahrzeuge und vielleicht 70 Güterzüge am Tag werde das Kosten-Nutzen-Verhältnis immer fragwürdiger.Der CDU-Verkehrspolitiker Hans-Jörn Arp begrüßte den Trassenvorschlag im Grundsatz. Allerdings müsse eine Anbindung der Ostseebäder mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiterhin sichergestellt werden.

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erstellt am 06.Mai.2014 | 00:00 Uhr

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