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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 01:04 Uhr

Beiss-Attacke: Blumen vom Weißen Ring

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sie war auf dem Weg nach Hamburg und wollte unterwegs nur kurz in Eutin einkaufen. Tanja Eckhardt wurde dabei Zeuge eines Ladendiebstahls und mischte sich beherzt ein, als das Trio – ein Mann, eine Frau und ein Mädchen – flüchten wollten. Die 66-Jährige eilte hinterher und packte die Frau von vorne am Kragen. Die ertappte Diebin wehrte sich auf ungewöhnliche Weise: Sie biss mehrfach zu (wir berichteten).

Obwohl schon fast zwei Wochen vergangenen sind: Tanja Eckhardt wird den 16. Juli nicht so schnell vergessen. Noch immer schmerzen die Bisswunden an beiden Händen – und am Oberarm. Denn als die Lütjenburgerin die Diebin festhielt, kam dieser deren Tochter zu Hilfe und biss ebenfalls beherzt zu. „Ich war so wütend, da habe ich der einfach in die Wange gekniffen“, berichtet Eckhardt. „Die muss am nächsten Tag dort blau gewesen sein“, sagt die gelernte Erzieherin.

Die Diebin hat „geschrien wie ein Schwein auf der Schlachtbank“, als Eckhardt sie aufforderte, zurück in den Drogeriemarkt zu gehen und sich zu stellen – oder Eckhardt würde die Polizei rufen. Doch darauf schien die Frau mit dunklem Teint nicht erpicht zu sein: Stetig Blickkontakt haltend biss sie Eckhardt mehrfach in die linke und rechte Hand. Doch Eckhardt ließ nicht los. Obwohl die Wunden klafften und ihr Blut ihr über die Hände rann. Es entwickelte sich ein Gerangel, das auf dem Parkplatz endete, als ein Außenstehender hinzutrat und auf den Lindenbruchredder deutend der Diebin zurief: „Gehen Sie nur, wir wissen, wo Sie wohnen.“ Die Frau flüchtete – jedoch nicht zur Asylunterkunft, sondern in die entgegengesetzte Richtung wie Mann und Tochter zuvor.

Der Diebstahl in dem Drogeriemarkt an der Industriestraße hat viele Eutiner bewegt. Doch noch fehlt vom Diebestrio jede Spur. Die Polizei sucht auch den etwa 35 bis 40 Jahre alten Mann, der Tanja Eckhardt zur Hilfe kam, in dem er die Diebe ansprach. „Es ist gesellschaftliche Pflicht, nicht wegzuschauen“, sagte Holger Dabelstein, Leiter der Außenstelle Ostholstein des Weißen Rings. Die Opferschutzorganisation wünsche sich, dass mehr Menschen so handeln wie der junge Mann und Eckhardt. Ein Festhalten wird vom Weißen Ring jedoch nicht erwartet, schränkte Dabelstein ein. Allein schon die „110“ zu wählen, sei oftmals die größte Hilfe für die Opfer. Als Dankeschön für ihre Zivilcourage überreichte Dabelstein Eckhardt gestern einen Blumenstrauß. Darüber freute sie sich sehr. Und auch wenn die Wunden noch schmerzen: „Ich würde wieder einschreiten, vielleicht sogar resoluter“, sagte die gebürtige Eutinerin.

Hinweise nimmt die Kripo weiterhin unter Telefon 04521/8010 entgegen.

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erstellt am 27.Jul.2017 | 11:26 Uhr

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