Werner Kalinka : Beine hoch zur Präsidentenwahl

Der CDU-Politiker Werner Kalinka verfolgt entspannt in seinem Ohrensessel die Wahl des Ministerpräsidenten.  Foto: Michael Kuhr
Der CDU-Politiker Werner Kalinka verfolgt entspannt in seinem Ohrensessel die Wahl des Ministerpräsidenten. Foto: Michael Kuhr

Der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Werner Kalinka verfolgt Torsten Albigs Wahl zum Ministerpräsidenten vor dem Fernseher.

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13. Juni 2012, 11:36 Uhr

Dobersdorf | Werner Kalinka hat es sich gemütlich gemacht. Entspannt sitzt der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Plöner Nord-Kreis im Wohnzimmer seines schmucken Einfamilienhauses in Dobersdorf. Sein Ohrensessel steht vor dem flimmernden Fernseher, seine Beine hat er lässig auf den Hocker gelegt. Gleich wird die Wahl des neuen Ministerpräsidenten im NDR übertragen.

"Jetzt ist gerade ,Zählappell’ in den Fraktionen", blickt Werner Kalinka gegen 9.40 Uhr auf die Uhr. Der 60-Jährige weiß es genau, hat er doch selbst so manche Wahl im Landtag mitgemacht. Nach zusammen 18 Jahren dort ist nun Schluss. Der in seiner CDU-Fraktion eher als kritischer Abgeordneter bekannte Kalinka unterlag bei der Landtagswahl als Direktkandidat seiner SPD-Konkurrentin. Damit blieb ihm gestern nur der Platz vor dem Fernseher.
"Große Spuren hat sie ja nicht hinterlassen"

Rückblick: Groß heraus kam Kalinka erstmals 1982 bei der Wahl des Stoltenberg-Nachfolgers Uwe Barschel. Er gehörte damals zu denen, die sich auch vorstellen konnten, einen anderen Kandidaten zu wählen. Für ihn "der Beginn einer langen Kampagne der Diffamierung", die bis heute anhalte. "Dennoch war klar, dass ich Barschel wählte", sagt Kalinka. Er wollte nie das "Zünglein an der Waage" sein.

Als Alt-Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) im Fernsehen interviewt wird, fällt Kalinkas Stirn in Falten: "Große Spuren hat sie ja nicht hinterlassen." Und nach sieben Jahren habe sie ihre Schlappe im vierten Wahlgang offenbar immer noch nicht verwunden.
Spickzettel bei namentlichen Abstimmungen

Landtagspräsident Klaus Schlie führt gerade in den Wahlgang ein, die TV-Kamera schwenkt kurz vor dem Totalausfall über den Landtag: "Da sitzt Jürgen Weber, er ist in die zweite Reihe nach hinten gerutscht", zeigt Werner Kalinka mit dem Finger auf den Bildschirm. Der 60-Jährige kennt die politischen Spielchen, die mit Querköpfen in den eigenen Fraktionen gespielt werden.

Jetzt werden die Kreuze in den Wahlkabinen gemacht. "Ich habe dabei immer wieder hingeschaut, ob es auch an der richtigen Stelle war", schmunzelt Kalinka. Bei namentlichen Abstimmungen habe er sich immer einen Spickzettel gemacht. Den frühzeitigen Verzicht Albigs auf einen zweiten Wahlgang hält Kalinka für gewagt: "Ein zweiter Wahlgang gehört zur Demokratie." Aber gleich vier Wahlgänge wie bei Heide Simonis müssten es ja nicht sein.
"Die Wahl wird für nachhaltige Veränderungen im Land sorgen"

Dann der peinliche Totalausfall der NDR-Live-Übertragung, dafür Impressionen aus Usedom auf dem Bildschirm - wie gemacht für Werner Kalinka. Dort ist er gern im Urlaub, gesteht er. Albig ist im ersten Wahlgang zum Ministerpräsidenten gewählt worden, wird per Handy aus dem Landtag im NDR-Fernsehen mitgeteilt.

"Die Wahl wird für nachhaltige Veränderungen im Land sorgen. Die Politik der regierenden Dänen-Ampel ist auf Langfristigkeit angelegt", traut Kalinka dem SSW eine wichtige Rolle zu. Dennoch bleibt das Landeshaus für den 60-jährigen Dobersdorfer das "Parlament der Überraschungen". Kalinka erwartet einen offenen und diskussionsfreudigen Politikstil. Das Land brauche transparente Prozesse. Die Menschen müssten mehr mitgenommen werden, empfiehlt Kalinka seinen Nachfolgern und drückt auf den roten Knopf der Fernbedienung. Er ermuntert die Abgeordneten zum Mut zur eigenen Meinung. Dafür seien sie gewählt.

Für den Dobersdorfer bleibt jetzt noch der CDA-Landesvorsitz und das Amt des stellvertretenden CDU-Kreisvorsitzenden in Plön. Mehr Zeit wird er nach eigenen Angaben jetzt in seine seit vielen Jahren anhaltenden Recherchen zur Polit-Affäre von 1987 investieren. "Ich werde immer ein politischer Mensch bleiben", verspricht Werner Kalinka.

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