Timmdorf : Beim Ruheforst ist Ruhe eingekehrt

Das Regenbogen-Biotop: Am Fuße diese Baumes können Eltern Kinder bestatten, die tot zur Welt gekommen sind.
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Das Regenbogen-Biotop: Am Fuße diese Baumes können Eltern Kinder bestatten, die tot zur Welt gekommen sind.

Die Auseinandersetzungen um den Friedhofswald in Timmdorf haben sich gelegt. Im ersten Jahr des Bestehens gab es 30 Bestattungen.

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15. April 2011, 11:43 Uhr

Timmdorf | Aus der Ferne ruft ein Kranich, am Fuße des Waldes zieht eine Gruppe Rehe vorbei. Freunde des Ruheforst in Timmdorf haben Recht. Hier kann es sehr idyllisch sein. Weit entfernt von idyllischen Zuständen war allerdings der Weg bis zur Genehmigung des Friedhofswalds. Ein Jahr ist es am morgigen Sonnabend her, dass das Ehepaar Kiep in Timmdorf den Ruheforst Holsteinische Schweiz eröffnet hat. Bis es nach vielen Diskussionen und intensiven juristischen Prüfungen endlich soweit war, brachten die Gemeindevertreter im Streit um das Projekt manche turbulente Sitzung hinter sich.

Aus Sicht der Betreiber hat sich der Ruheforst gut entwickelt. Es hat im ersten Jahr 30 Urnen-Bestattungen gegeben, berichtet Beate Kiep. Das sei mehr, als ihr ein Bestatter aus der Region mit fünf oder sechs Begräbnissen pro Jahr vorhergesagt habe. Darüber hinaus seien Plätze reserviert worden - Einzel- und Familien- und Gemeinschaftsgrabstellen.

Befürchtungen, ihr Ruheforst werde zum Niedergang der kirchlichen Friedhöfe in der Gemeinde Malente und Niederkleveez führen, haben sich aber aus Sicht von Nico laus Kiep nicht bestätigt. Denn etwa 80 Prozent derjenigen, die eine Ruhestätte erworben haben, seien Auswärtige, erklärte Beate Kiep. Viele stammten aus der näheren Umgebung, etwa Eutin oder Ascheberg, mancher auch von weiter weg, etwa aus Berlin, Hannover oder dem Harz.

Die Auswirkungen auf die kirchlichen Friedhöfe beurteilt dagegen Jürgen Boock, Fraktionschef der Freien Wähler Malente (FWM), etwas anders. Schon jetzt sei erkennbar, dass die Kirche in Neukirchen und Malente nicht mehr wisse, wie sie ihre Friedhöfe erhalten solle. Da habe die evangelische Kirche damals geschlafen.

Der Widerstand gegen den Ruheforst war seinerzeit Initialzündung für die Gründung der FWM. Dennoch: Die Befürchtung, dass der Ruheforst Timmdorf auf Dauer in zwei Lager spalte, sieht auch der Timmdorfer Boock nicht bestätigt. "Die Belastung für das Dorf ist nicht mehr so groß. Die Gräben haben sich nivelliert." Das habe auch damit zu tun, dass einer der Hauptgegner des Friedhofswalds gar nicht mehr in Timmdorf wohne, sagt Boock mit Blick auf den mittlerweile verzogenen Vito von Eichborn, der mächtig gegen das Projekt opponiert hatte.

Dorfvorsteherin Ingrid Hamann - sie zählte zu den Befürwortern - sieht den Dorffrieden weitgehend wiederhergestellt: "Es redet eigentlich kein Mensch mehr darüber. Ich wüsste niemanden. Wir haben Ruhe im Dorf." Zwar gebe es zwei, drei Timmdorfer, deren Verhältnis unter dem Streit um die Begräbnisstätte gelitten habe, insgesamt gelte aber: "Wir sind immer noch ein intaktes Dorf."

Immerhin tun die Kieps einiges für die Akzeptanz des Ruheforsts. Damit ist nicht der Anteil gemeint, der für jede Grabstätte in die Kasse der Gemeinde fließt, die den Ruheforst mit der Übernahme der Trägerschaft erst möglich gemacht hat. Es sind eher Angebote mit einer sozialen Wirkung wie der "Regenbogenbaum". Dort können Eltern ihre Kinder kostenlos bestatten, wenn diese tot zur Welt gekommen und zu klein sind, um vor dem Gesetz als bestattungspflichtig zu gelten. Zwei Bestattungen habe es dort bereits gegeben, sagte Beate Kiep.

Außerdem kann die Gemeinde nun mittellose Bürger kostenlos im Ruheforst bestatten. Dreimal sei dies bis heute geschehen. In einem Falle besuche die Lebensgefährtin des Verstorbenen regelmäßig das Grab. Das wäre früher nicht möglich gewesen. Da wurden mittellos Verstorbene in Stade eingeäschert und auch dort bestattet, wenn sie keine Angehörigen mehr hatten.

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